Mit dem Burgdorfer Medtech Unternehmen Ypsomed hat Ende Juni nach der Swatch-Group bereits die zweite namhafte Gesellschaft in diesem Jahr eine Doppelkotierung an der Berner Börse gewählt. «Ypsomed hat gut 7700 Aktionäre, mehrheitlich aus dem Espace Mittelland. Deshalb wollten wir mit dem Listing an der BX ein Zeichen für den Standort setzen», erklärt Ypsomed-Sprecher Daniel Kusio. Der Handelsplatz in der Bundeshauptstadt habe sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt und sei insbesondere für Jungunternehmen eine gute Plattform, um erste Börsenluft zu schnuppern. Diese Funktion wolle Ypsomed unterstützen. «Die Doppelkotierung darf denn auch nicht als Warnung gegenüber der SWX interpretiert werden», ergänzt Kusio. Denn für das Medtech-Unternehmen bleibt der Zürcher Handelsplatz klar die Hauptbörse.

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Regulierungsflut belastet

Während das Doppellisting in Bern und Zürich für Swatch und Ypsomed nur mit einem kleinen Mehraufwand in Form der Kotierungsgebühren (rund 3000 Fr.) verbunden ist, beklagen sich vor allem kleinere Gesellschaften aus dem Local-Cap-Segment der SWX häufig über den steigenden Aufwand, der mit einem Listing in Zürich verbunden ist.

Dabei fallen weniger die eigentlichen Kosten für die Börsenkotierung ins Gewicht, sondern vielmehr die mit der erhöhten Regulierung einhergehenden internen Aufwendungen. «Die Auflagen werden immer strenger und die Kosten sind wegen der Berichterstattung beträchtlich», erklärt Christoph Seiler, CFO der an der SWX und an der BX kotierten Jungfraubahnen. Ähnlich sieht dies Intersport-Chef Stephan Ruggle: «Die Kotierung an der SWX ist nicht immer einfach und auch mit entsprechenden Kosten verbunden.» Andreas Gisler, CEO der IVF Hartmann Group, stört sich zudem an den zahlreichen Untersuchungen, welche die Schweizer Börse gegen kleinere Firmen eingeleitet hat, deren Aktien teilweise kaum gehandelt werden. «Es ist wichtig, dass die SWX die Börsenrichtlinien umsetzt. Doch es entsteht der Eindruck, dass sie sich auf die kleinen Fische fokussiert und die grossen den notwendigen Nachdruck nicht zu spüren bekommen», so Gisler.

Trotz dieser Einwände gegen eine SWX-Kotierung zieht keiner der Befragten ein alleiniges Listing an der Berner Börse in Betracht. «Ein Listing nur an der BX kommt wegen der geringen Beachtung bei den Anlegern nicht in Frage», begründet Seiler von den Jungfraubahnen. Derselben Meinung ist auch François Manach, Finanzchef der Loeb-Gruppe. Er ist überzeugt, dass «das Kosten-Nutzen-Verhältnis an der SWX durchaus tragbar ist». Hinzu kommt, dass einzelne Firmen die kostenintensiven Rechnungslegungsstandards von Hause aus befolgen und sich der Mehraufwand für sie damit in Grenzen hält.

Mehr noch als ein Wechsel an die Berner Börse kommt für einzelne Small Caps, die über einen geringen Free Float verfügen, die Dekotierung als Alternative zum SWX-Listing in Frage. «Die BX ist für uns kein Thema, wir prüfen aber regelmässig, ob eine Börsenkotierung für uns überhaupt noch Sinn macht», gibt Intersport-CEO Ruggle Auskunft. Ähnlich sieht die Situation bei der Sunstar-Holding aus. «Da der überwiegende Teil unserer Aktien gebunden ist, steht für uns eine Dekotierung regelmässig zur Diskussion», so Sunstar- Hauptaktionär und Firmengründer Fritz Buser.

Die Kotierung von Ypsomed und Swatch an der BX hat somit keinen neuen Trend zum Listing an der Berner Börse eingeläutet. «Die beiden Firmen beweisen aber, dass ein Listing an der BX auch für grosse Unternehmen eine valable Alternative sein kann, obwohl in Bern ein Handel mit derivativen Produkten nicht möglich ist», ist Peter Heller, Präsident des Berner Börsenvereins, überzeugt.


Berner Börse als Sprungbrett

Noch mehr als für Grosskonzerne eignet sich deshalb die Berner Plattform für kleinere Gesellschaften mit regionalem Charakter. «Da unsere Regulierungsvorschriften tiefer sind als in Zürich, können wir diesen Firmen den Einstieg an einer Börse erleichtern», ergänzt Heller. Sobald die Unternehmen die nötige Reife erreicht haben, steht einem Wechsel zur grossen Schwester SWX nichts im Wege, wie zahlreiche Beispiele von Comet über bfw liegenschaften bis hin zur Looser Holding belegen. Diese Funktion wird auch an der Selnaustrasse in Zürich geschätzt. «Insbesondere für KMU ist die BX ein gutes Sprungbrett für die SWX», so SWX-Mediensprecher Jürg von Arx.