Manor als grösste Warenhauskette der Schweiz publiziert nur Umsatzzahlen. Die sehen nicht besonders gut aus. Weshalb haben in den vergangenen Jahren die Umsätze der Warenhäuser stagniert?
Bertrand Jungo: Wir hatten in den letzten Jahren keine Expansion. Entscheidend ist aber, dass wir die Flächenproduktivität gehalten haben. Das kommt am Schweizer Markt selten vor. Wir wollen aber in Zukunft wieder expandieren, allerdings nur dort, wo wir Flächen rentabel betreiben können. Wir sind in der Offensive.

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Wie sieht die aus?
Jungo: Das 2. Semester 2007 wird inte¬ressant werden: Anfang November werden wir im Shoppingcenter Shoppyland Schönbühl auf knapp 6000 m2 ein neues Warenhaus eröffnen. Auf dem Berner Markt waren wir bisher nur ungenügend präsent. Die zweite wichtige Expansion erfolgt in St. Gallen: Wir werden unser bereits bestehendes Warenhaus in ein grösseres Warenhaus in der Nähe des Bahnhofs zügeln. Als drittes bauen wir unser Flagship in Genf um, mit einem um 800 m2 vergrösserten Supermarkt, der zum Vorzeigesupermarkt wird. Ein wichtiger Umbau findet auch in Sion statt. Das alles stimmt uns zuversichtlich. Insgesamt werden wir gegen 200 neue Arbeitsplätze schaffen.

Welches Wachstum erwarten Sie für 2007?
Jungo: Die Expansion und die Verbesserungen werden im 4. Quartal greifen, sodass wir für 2007 mit einem Wachstum von 1 bis 2% rechnen. Wir sind bereits an 70 Standorten präsent, deshalb müssen wir sorgfältig expandieren. Wir wollen aber auch 2008 drei neue Warenhäuser eröffnen, im Frühling in San Antonino im Tessin, dann in Vésenaz in Genf und in Biel.

Wie ist das Jahr 2007 bisher gelaufen?
Jungo: Gut, über unsere Erwartungen.

So gut wie bei der Migros-Tochter Globus, die über 5% zugelegt hat?
Jungo: Wir sind weniger gewachsen. Ein einzelner Mitbewerber ist für uns kein Orientierungspunkt. Wir vergleichen uns mit dem Gesamtmarkt und betrachten unsere Produktivitätsentwicklung.

Trotzdem sind einzelne Anbieter wichtig für die Positionierung: Manor wird von oben durch Globus, von unten durch Coop City bedrängt. Ist die Sandwichposition nicht ungemütlich?
Jungo: Überhaupt nicht. Wir fühlen uns in der Mitte pudelwohl! Unsere Konkurrenten sind nicht die Warenhäuser, sondern die Spezialisten in jedem einzelnen Bereich, aber auch die Generalisten wie Coop und Migros. Jede unserer Abteilungen muss sich an den Besten, an den Spezialisten orientieren. Wir deklarieren uns als Multispezialisten.

In der Mode wäre das H&M und Zara?
Jungo: Selbstverständlich! Wir orientieren uns aber auch international an dem, was die Besten machen. Es geht ja nicht nur um Konkurrenten, sondern auch um Inspirationsquellen.

Wie positionieren Sie Manor?
Jungo: Unser Kundenversprechen heisst «Mode und zeitgemässer Stil zu einem vernünftigen Preis». Wir wollen einer breiten Mittelschicht Zugang zum Lifestyle ermöglichen: Ein bisschen Traum, ein bisschen Luxus erreichbar und bezahlbar machen. Wie bei unserer Promotion St. Tropez: Die war ein riesiger Erfolg.

Sie orientieren sich international. Prüft Manor einen internationalen Zusammenschluss oder will international werden?
Jungo: Das ist kein Thema für uns. Wir sind ein nationaler Anbieter mit 70 Warenhäusern. Wir decken die Schweiz breit ab. Unser Geschäftsmodell funktioniert national und nicht international.

Durch einen Zusammenschluss könnten Sie doch Synergien nutzen.
Jungo: Wir suchen Synergien im Einkauf, zum Beispiel mit Mitgliederfirmen des internationalen Warenhausverbandes. Da die Produkte, die wir anbieten, von uns selbst entwickelt sind und dadurch eine eigene Identität haben, sind Kooperationen nicht immer ganz einfach.

Manor wäre auch attraktiv wegen des Immobilienbesitzes: Wie viele Manor-Standorte gehören dem Genfer Mutter-Konzern Maus Frères?
Jungo: Gut zwei Drittel. Bei den neueren Warenhäusern sind wir meist Mieter.

Eine schöne stille Reserve. Weshalb sind Sie so sicher, dass die Familie Maus das Unternehmen nicht verkaufen will?
Jungo: Wir treffen uns regelmässig mit den Eigentümern, tauschen uns intensiv auch über strategische Themen aus. Ein Verkauf steht nicht zur Debatte. Wir konzentrieren uns auf die Schweiz und sehen dort auch noch grosses Potenzial.

Welches?
Jungo: Mit unseren geplanten Expansionen kannibalisieren wir unsere bereits bestehenden Warenhäuser nicht. Das sind neue Marktgebiete. Gleichzeitig investieren wir immer wieder in bestehende Warenhäuser, wo wir Sortiments- und Flächenanpassungen vornehmen, damit wir up to date sind. 90% der Schweizer Bevölkerung kaufen bei Manor ein. Viele Kunden kaufen zwar in verschiedenen Abteilungen ein, aber eben nicht sehr häufig. Diese Kunden möchten wir animieren, regelmässig alle unsere Abteilungen zu besuchen.

Möchten Sie Jelmoli oder Loeb kaufen?
Jungo: Das ist kein Thema.

Weshalb nicht?
Jungo: Weil wir in der Schweiz genügend abgedeckt sind. Es gibt ein paar Flecken, die uns fehlen, etwa in der Stadt Bern.
Aber dafür brauchen wir kein Unternehmen zu kaufen. Was wir brauchen, sind Standorte. In der Stadt Bern sind wir schon seit Jahren auf der Suche nach einer passenden Lokalität. Das ist eine Knacknuss für uns!

Inwiefern wird Manor durch die Übernahme von Fust durch Coop tangiert?
Jungo: Manor ist durch diese Übernahme nicht tangiert.

Werden Sie weiter auf das Format Convenience Plus setzen, das Sie für kleinere Warenhäuser entwickelt haben?
Jungo: In kleineren Städten zwischen 10000 und 15000 Einwohnern gibt es zwar Bedarf nach einem Geschäft wie Manor, aber nicht mit einer Sortimentsvielfalt, wie wir sie in grösseren Städten anbieten. Bei Convenience Plus braucht es zum Beispiel keine Multimediaabteilungen, keine riesigen Sportabteilungen, dafür wollen wir in der Mode stark sein. Wir haben unseren Testladen vor einem Jahr in Nyon installiert, und der läuft sehr gut. Nun machen wir in Zug einen zweiten Test. Gleichzeitig haben wir begonnen, das Sortiment in unseren Warenhäusern in anderen Kleinstädten zu verdichten. Wenn sich die Convenience-Plus-Idee bewährt, wollen wir weitere solcher Kleinwarenhäuser installieren.

In der Provinz werden Sie auch weniger Mühe haben, neue Standorte zu finden.
Jungo: Genau. Convenience Plus ist für uns eine Perspektive für die Zukunft.

Inwiefern trifft Manor die zunehmende Konzentration im Detailhandel?
Jungo: Uns trifft vor allem die zunehmende Internationalisierung und Spezialisierung: Grosse Ketten mit grosser Kompetenz wie etwa Zara, die in die Schweiz kommen und expandieren. Das ist für uns eine Herausforderung. Die mögliche Konzentration von Migros und Denner hingegen hat für uns keine Auswirkungen.

Was sind Ihre grössten Knacknüsse?
Jungo: Die grössten Herausforderungen für mich sind die Erhöhung der Flächenproduktivität, die Professionalität der Spezialisten zu erreichen und der Kampf um die besten Mitarbeiter.

Auf der Stufe des Managements oder der Verkäuferinnen?
Jungo: Auf allen Stufen. Wir wollen die besten Leute anziehen und entwickeln.

Wenn man gute Löhne zahlt, kommen die Besten. Ihre Löhne heben sich aber nicht ab von der Konkurrenz.
Jungo: Im Lohnvergleich schneiden wir sehr gut ab.

Schliessen sich hohe Löhne und Flächenproduktivität nicht aus?
Jungo: Nein. Ich will die Flächenproduktivität steigern durch einen besseren Sortimentmix. Wir müssen mehr und mehr Produkte anbieten, die sich von anderen Anbietern unterscheiden. Wir wollen unverwechselbar sein, vor allem mit unseren Eigenmarken.

Man geht aber nicht zu Manor, weil man dort bestimmte Manor-Eigenmarken erhält.
Jungo: Unsere Kommunikation ist herausgefordert, damit Manor als Marke wahrgenommen wird. Es gibt Bereiche, bei denen man ausdrücklich an Manor denkt, «Yes or No» ist eine bekannte Eigenmarke, die der Jugend etwas sagt. Es gibt aber noch Abteilungen, die daran arbeiten müssen, dass die Namen ihrer Produkte haften bleiben. Eines meiner Ziele ist, dass man Manor als Ganzes und nicht über einzelne Abteilungen wahrnimmt. Ich will, dass die Leute sagen: Ich liebe es, zu Manor zu gehen weil Manor Produkte und eine Atmosphäre besitzt, die andere nicht haben.

Weshalb schreiben Sie Ihre Produkte nicht mit Manor an?
Jungo: Das wäre eine Möglichkeit. Es ist unser Ziel, Manor als Marke in der Zukunft präsenter zu machen. Mit welchen Mitteln wir das machen wollen, überprüfen wir zurzeit intensiv. Wir wollen die Marke Manor mit einem ganz klaren Markenversprechen verknüpfen. Manor wird heute mit Einzelabteilungen in Verbindung gebracht, aber nicht als Ganzes gesehen.