«Nein!», antwortet Benedikt Weibel auf die Frage der «Handelszeitung», ob er als Verwaltungsratspräsident der SBB zur Verfügung stehe. Auch wenn der heutige Euro-08-Delegierte per Anfang 2009 wieder Zeit hätte, die Nachfolge von Thierry Lalive dEpinay anzutreten, könnte seine Absage nicht deutlicher sein. Dabei brächte der ehemalige SBB-Chef den idealen Mix von Bahn-Know-how und Beziehungen mit. Doch gleichzeitig hat er auch das Schlamassel von SBB Cargo mitzuverantworten.

Es gibt aber genügend Nachfolgeinteressenten, die sich in Position bringen. Ihren Auftritt hatten bereits Carlo Schmid und Bruno Planzer, welche als Mitglieder des Nutzfahrzeugverbandes Astag Anfang Woche einen neuen Beteiligungscoup lancierten. SBB Cargo solle das Aktionariat öffnen, damit Private sich zu 30 bis 40% beteiligen könnten, fordert Astag-Präsident und alt Ständerat Carlo Schmid. Der Bund müsste dann aufhören mit politischen Vorgaben, die zu Defiziten führten.

Bertschi: «Ich bin offen»

Da Schmid im Sommer als Astag-Präsident zurücktritt und als Präsident der neuen Elektrizitätskommission gefordert ist, kommt er als SBB-Präsident nicht Frage. Ebenso unwahrscheinlich ist die Wahl von Planzer. Der Präsident der Planzer Transport AG wird nächstes Jahr bereits 66 Jahre alt. Die SBB haben im Verwaltungsrat eine Amtsdauer von vier Jahren und eine Altersguillotine bei 70.

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Mit Jahrgang 1957 im besten Alter ist Hans-Jörg Bertschi, Chef des gleichnamigen internationalen Logistikdienstleisters. Bertschi schlägt als Präsident und Aktionär der Hupac AG schon heute einen Bogen zwischen Bahn- und Strassentransport. Auch er möchte sich an SBB Cargo beteiligen. Er befürchtet, dass ein Verkauf an die Deutsche Bahn (DB) zu Preiserhöhungen und Rückverlagerungen vom Kombinierten Verkehr auf den Strassentransit führen und DB oder die französische SNCF als neue Besitzer die Gleisanschlüsse zusammenstreichen würden.

Ist er am SBB-Präsidium interessiert? Bertschi gibt de facto eine Zusage: «Ich bin offen, mich bei SBB Cargo in geeigneter Form zu engagieren.» In vielen Punkten erfüllt Bertschi auch die Anforderungen, welche aus Sicht von SP-Ständerat und Ex-Bahngewerkschaftschef Ernst Leuenberger erfüllt werden müssten: «Der Nachfolger muss nationale und internationale Erfahrung im Bahngeschäft aufweisen und mit den Behörden (Bundesrat, Verwaltung, Parlament) umgehen können sowie über ein gewisses Flair für Politik und Service Public verfügen.»

Oder ein Mann von Swiss?

Der Name eines Kandidaten wird immer wieder genannt: Paul Kurrus (Jahrgang 1947), bei der Swiss verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit und Umwelt. Kurrus ist auch Präsident der Verkehrskommission von Economiesuisse und Spedlogswiss und war als FDP-Nationalrat in der Verkehrspolitik tätig. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.