«Wenn selbst ein Elektroingenieur mit ETH-Abschluss eine Praxisprüfung ablegen muss, bevor er eine elektrische Anlage installieren darf, ist es nicht gerecht, wenn im Rahmen der Personenfreizügigkeit ein ausländischer Handwerker ohne einen solchen Nachweis bei uns tätig sein kann», beklagt sich Hans-Peter In-Albon, Direktor des Verbands Schweizerischer Elektro-Installationsfirmen (VSEI).

Es gehe nicht um Heimatschutz für seine Branche, sondern um wichtige Aspekte der Sicherheit, wenn sein Verband dafür kämpfe, «dass das Prinzip der gleich langen Spiesse eingehalten wird». Ähnlich argumentiert das Sanitärgewerbe, für das aus Gründen der Hygiene und der öffentlichen Gesundheit ebenfalls besondere Anforderungen gestellt werden.

Die Verbände trauen der in den neuen europäischen Richtlinien über die Anerkennung von Berufsqualifikationen (RL/2005/36/EG) enthaltenen Möglichkeit nicht ganz, die Berufsqualifikation eines ausländischen Dienstleisters nachzuprüfen. Sie verlangen vom Bundesrat, der diese Richtlinien für die Schweiz übernehmen und auf Anfang 2010 in Kraft setzen will, eine Antwort auf ihre Bedenken.

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Berufsverbände dabei

Diese haben sie mittlerweile erhalten. An einem Gespräch mit dem VSEI hat Volkswirtschaftsministerin Doris Leuthard zugesichert, die in den Richtlinien enthaltene Möglichkeit von Nachprüfungen «voll auszunützen», wie es im Pressedienst des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV) heisst. Dabei sollen die Berufsverbände die Validierung der ausländischen Ausbildung selbst vornehmen können. SGV-Vizedirektorin und -Bildungsverantwortliche Christine Davatz-Höchner: «So besteht die Gewähr, dass die Anerkennung nicht nur nach formalen Kriterien erfolgt.»

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Berufsverbände und des Bundesamts für Berufsbildung und Technologie (BBT) soll jetzt die noch hängigen Fragen zum Vollzug der europäischen Richtlinien klären. Beide Seiten sind sich einig, «dass die Übernahme der EU-Richtlinien das hohe Niveau unserer Berufsleute und die hohe Ausbildungsqualität nicht senken» dürfe. SVEI-Direktor In-Albon: «Wenn für ausländische Dienstleister ein simpler Praxisnachweis genüge, müssen sich junge Schweizer fragen, weshalb sie noch eine Berufslehre und Weiterbildungen absolvieren sollen.»