Nur ganz wenige Branchen würden 2009 ein Wachstum aufweisen können, war an gleicher Stelle vor zwölf Monaten im Kommentar zur «Handelszeitung»/Dun & Bradstreet-Liste der 500 grössten Firmen in der Schweiz zu lesen. Die damalige Einschätzung hat sich - wie man heute weiss - in aller Härte bewahrheitet. Die vorliegenden Zahlen des jüngsten Ranking der umsatzstärksten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen der Schweiz - zusammengestellt von der «Handelszeitung» sowie von Dun & Bradstreet (Schweiz) AG, Urdorf - zeigen allzu deutlich, wie schwierig die wirtschaftliche Situation für die Mehrheit der Schweizer Unternehmen im vergangenen Jahr war. Aber: Es gibt auch Firmen, welche in der Berichtsperiode - zum Teil gar deutlich - zulegen konnten.

Ein zweigeteiltes Jahr

2009 war demnach ein recht widersprüchliches Jahr. Für nicht wenige Unternehmen fiel es jedoch besser aus als ursprünglich befürchtet. In der 2. Jahreshälfte machten sich nämlich gewisse Erholungstendenzen bemerkbar, sodass der Rückgang des Bruttosozialproduktes nicht so dramatisch ausfiel, wie Anfang Jahr prognostiziert und befürchtet. Gespürt hat die Wirtschaftsflaute insbesondere die Maschinen- und Apparateindustrie. Laut Swissmem, dem Dachverband der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie, gingen die Ausfuhren im 1. Halbjahr 2009 um nicht weniger als 23% zurück. Ebenfalls rückläufig war der Auftragseingang, der um einen Drittel nachgab.

Pharma ein sicheres Standbein

Einer der acht Wirtschaftszweige, der sich halten konnte, war die Pharmaindustrie. Profitieren konnten sowohl die Hersteller wie auch die Grosshandelsfirmen im Bereich Pharma, aber auch die Unternehmen im Bereich Medizinaltechnik (Seite 49). Und auch der Detailhandel legte dank freundlicher Konsumlust ebenfalls knapp 1,3% zu.

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180 Firmen weiterhin im Plus

Von den 500 grössten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen in der Schweiz konnten immerhin 180 Firmen den Umsatz gegenüber 2008 steigern, während 265 Unternehmen einen Umsatzrückgang meldeten.

An der Spitze der aktuellen Liste steht unverändert der Zuger Rohstoffkonzern Glencore International mit einem Umsatzvolumen von 117 Mrd Fr., gefolgt vom Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit 108 Mrd Fr. und dem Erdölkonzern Trafigura (52 Mrd Fr.) aus Zug, der neu in der Liste figuriert. Ebenfalls unter die Top Ten bringt es die Migros-Gruppe, welche die Petroplus Holding verdrängt.

Neun mit Ebit in Milliardenhöhe

Mehr Umsatz mag positiv sein, wesentlich wichtiger ist jedoch, was unter dem Strich bleibt. Aus der Tabelle der Firmen mit dem höchsten Betriebsergebnis (siehe unten) für 2009 geht hervor, dass etliche Firmen ertragsmässig gar nicht so schlecht abschlossen. Wohl fiel bei vielen das Betriebsergebnis niedriger aus, doch erzielten immerhin neun Konzerne einen Ebit von mehr als 1 Mrd Fr.

Ähnlich sieht es bei der Ebit-Marge (Ebit in Prozent des Umsatzes) aus. Elf Firmen erreichen ein Marge von über 20%, weitere 22 Unternehmen eine solche von über 10%. Und die Kehrseite? Nicht weniger als 33 Firmen weisen einen negativen Ebit aus.

Deutlich mehr rote Zahlen

Wie schwierig das Geschäftsjahr 2009 war, zeigt die Tabelle «Sie schrieben rote Zahlen» (Seite 46). Mussten 2008 insgesamt 22 Firmen Verluste anmelden, sind es für 2009 deren 63, also dreimal mehr. Zehn Unternehmen mussten gar ein Minus von über 100 Mio Fr. verdauen. Bei 16 Firmen liegt der Verlust zwischen 1 und 10 Mio Fr., bei elf Unternehmen beziffert sich dieser zwischen 10 und 20 Mio Fr. Die grössten Verluste verzeichneten OC Oerlikon, Schmolz + Bickenbach, Petroplus Holding, Georg Fischer und Rieter.

Innerhalb der 500 grössten Firmen gelang deren acht im letzten Jahr der Turnaround; sie konnten demnach nach dem Verlustjahr 2008 für 2009 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Die zum Teil deutlich schlechtere Ertragslage hatte Einfluss auf die Investitionstätigkeit der Firmen. Von den 50 grössten Investoren haben deren 18 ihr Investitionsvolumen erhöht, 32 Firmen reduzierten die Investitionen (Seite 47).

Weniger Arbeitsplätze

Die rückläufigen Auftragseingänge haben dazu geführt, dass Arbeitsplätze abgebaut werden mussten. Aus der Tabelle der grössten Arbeitgeber (Seite 49) geht hervor, dass von den 50 grössten Arbeitgebern in der Schweiz nur ein Drittel, nämlich 16 Firmen, die Zahl der Mitarbeitenden erhöht hat; die restlichen Unternehmen reduzierten Arbeitsplätze.

Allerdings fielen die Rückgänge in vielen Firmen im einstelligen Prozentbereich moderat aus. Und was nicht vergessen gehen darf: In der hiesigen Industrie wurden seit 2004 rund 20 000 Stellen geschaffen. Rund die Hälfte davon ging jetzt in der jüngsten Krise wieder verloren. «Punkto Zahl der Arbeitsplätze in der Schweiz sind wir wieder auf dem Stand von 2006», stellt denn auch Swissmem-Präsident und Unternehmer Johann Schneider-Ammann, Langenthal, fest.

Energie und Grosshandel

In der Liste der 500 grössten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsfirmen sind Unternehmen aus insgesamt 86 Branchen zu finden. Zu den dominierenden Sparten gehören die Energieversorger mit 34 Vertretern, gefolgt vom Grosshandel mit 33 und dem Baugewerbe mit 28 Firmen.