Das «Jahr eins» nach der Einführung des neuen Revisionsgesetzes hat gezeigt, dass die Erfahrungen mit den Neuerungen und Veränderungen durchwegs positiv sind und von allen Seiten akzeptiert werden. Dennoch gibt es Bereiche, welche verbessert werden können oder weiterer Klärung bedürfen.

Die weitaus meisten Diskussionen wurden im vergangenen Jahr im Bereich IKS-Prüfung und Bestätigung der Existenz des IKS geführt. Die häufigsten Probleme bei der Prüfung beziehungsweise der Existenzbestätigung des IKS bestanden darin, dass entweder die Dokumentation des IKS lückenhaft war oder ohne Angabe von Kontrollen erfolgte, dass schablonenhaft und zu generell dokumentiert und umgesetzt wurde, ohne auf die unternehmensspezifischen Gegebenheiten einzugehen, oder dass die Ausrichtung nicht auf die Dokumentation der Risiken der finanziellen Berichterstattung gerichtet war. Bei Unternehmen mit ausländischen Tochtergesellschaften und internationalen Verbindungen erwies sich die Zusammenarbeit mit Prüfern im Ausland als teilweise schwierig, da diese mit den Anforderungen und Bestimmungen zur IKS-Existenzbestätigung nicht vertraut waren. Da die IKS-Projekte in der Regel frühzeitig initiiert wurden, konnten bestehende Schwächen durch Anpassungsarbeiten in der Regel noch vor dem Jahresabschluss behoben werden.

Fragen um das IKS

Im Rahmen der Prüfung zur Existenzbestätigung und in Gesprächen mit Verwaltungsräten und Geschäftsleitungsmitgliedern wurde die Erfahrung gemacht, dass die Mitglieder generell den Wert und die Vorteile eines auf Grösse, Geschäftsrisiken und Komplexität des Unternehmens ausgestalteten IKS erkennen. Bei der Umsetzung und Implementation beziehungsweise der Unterstützung bei der Umsetzung zeigte sich jedoch, dass die Bandbreite von wenig bis hin zu grossem Interesse reicht. Grundsätzlich wurde festgestellt, dass rund ein Fünftel aller Unternehmen wenig Interesse am IKS hatte und rund ein Fünftel der Unternehmen die Implementierung und Dokumentation des IKS als Chance für ein effizientes Führungsinstrument betrachtete. Bei den restlichen Unternehmen wich die anfängliche Skepsis und Pflicht zur Dokumentation einer gewissen Zustimmung und Chancenerkennung.

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Ausblickend gilt es zu beachten, dass eine einmal abgegebene IKS-Existenzbestätigung nicht automatisch für die Folgejahre gilt. Ein IKS muss laufend unterhalten und überwacht werden. Dies beinhaltet ein permanentes Monitoring, eine mögliche Anpassung an neue Risiken, und im Falle von Akquisitionen darf der Aufwand für die Implementierung nicht unterschätzt werden. Bei der Überwachung ist zu beachten, dass Prozesse mit Managementkontrollen eine weit höhere Qualität aufweisen als Prozesse ohne.

Management Letter

Eine Zielsetzung des neuen Revisionsgesetzes bestand darin, die Kommunikation zu optimieren und den Bedürfnissen der einzelnen Zielgruppen anzupassen. So sieht das Gesetz bei ordentlich zu prüfenden Unternehmen neben dem zusammenfassenden Bericht der Revisionsstelle an die Generalversammlung neu auch einen umfassenden Bericht der Revisionsstelle an den Verwaltungsrat vor. Zudem kann auch noch ein Management Letter erstellt werden, welcher der Unternehmensführung zusätzliche Informationen über die Prüfungsfeststellungen gibt.

Das Gesetz legt fest, dass im umfassenden Bericht zu folgenden Themen Aussagen gemacht werden:

• Feststellungen zur Rechnungslegung;

• Berichterstattung IKS;

• Durchführung und Ergebnis der Revision.

Die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr hat gezeigt, dass der umfassende Bericht sehr positiv von den Verwaltungsräten aufgenommen wurde. Einerseits kann die Revisionsstelle mithilfe des umfassenden Berichts auf die spezifischen Besonderheiten des Unternehmens detaillierter eingehen, und andererseits weiss jeder Verwaltungsrat, welche Informationen er in einem umfassenden Bericht erwarten kann. Bei der Ausgestaltung und dem Detaillierungsgrad des umfassenden Berichts kann die Revisionsstelle auch individuell auf die Bedürfnisse der Berichtsempfänger eingehen, was ebenfalls als Mehrwert aufgefasst wurde.

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Aufgrund der zweigeteilten Berichterstattung besteht jedoch die Gefahr, dass meldepflichtige Sachverhalte für die Generalversammlung nicht im zusammenfassenden Bericht, sondern «lediglich» im umfassenden Bericht an den Verwaltungsrat behandelt werden. Es obliegt der Revisionsstelle darauf zu achten, dass die relevanten Feststellungen und Sachverhalte stufengerecht und standardkonform kommuniziert werden.

Die neuen gesetzlichen Bestimmungen haben zweifellos ihre Hauptziele erfüllt, nämlich die Qualität von Revisionsdienstleistungen zu gewähren und das Vertrauen in die Rechnungsprüfung zu stärken. Insbesondere stellt die erweiterte und verbesserte Kommunikation einen echten Mehrwert dar, da diese individueller und empfängerorientierter erfolgt.