Erfrischend offen bezeichnet CEO Martin Bäuml die Gründung von 2001 als «eigentlich opportunistisch». Durch die Emeritierung seines Dokorvaters an der ETH, Folker Wittmann, ergab sich im Markt der hochstehenden Betontechnologie ein Vakuum. Physiker Wittmann hatte am Karriereende die Forschung zunehmend durch Beratungsprojekte für die Industrie und Bundesstellen finanziert. Zahlreiche solche Projekte übernahmen Bäuml und seine Kollegen, der Bauingenieur Stefan Meier und der Werkstoffingenieur Giovanni Martinola, und gründeten Concretum.

Ein Prestigeprojekt war die Instandsetzung des Schöneichtunnels. Weitere Projekte folgten im In- und Ausland. Irgendwann stellte sich die Frage nach der Multiplizierbarkeit. Ab 2004 begannen die drei Firmengründer die Gewinne aus dem Beratungsgeschäft in die Entwicklung eigener Produkte zu investieren. Es folgte eine radikale Umkehr des Geschäfts von Concretum, die Bäuml im Rückblick so erlebte: «Als Berater sind sie willkommener Know-how-Träger und bei den Kunden gern gesehen. Als wir allmählich Verkäufer unserer Produkte wurden, nahm man uns auch als solche wahr und begegnete uns mit viel mehr Distanz.

Einsatz bei Brücken und Tunnels

Heute entwickelt, produziert und verkauft Concretum zwei Produktlinien: Zum einen die Linie Q für «Quick», ein schnell härtender Beton; zum andern die Linie D für «Durable», ein Beton mit aussergewöhnlicher Dauerhaftigkeit. Der völlig neuartige Schnellbeton entstand aufgrund eines Tests bei der Instandsetzung einer Flughafenpiste am Airport in Zürich.

Anzeige

Concretum gelang es mit dem neuen Produkt, die mögliche Verarbeitungszeit zu verdoppeln und gleichzeitig die Erhärtungszeit auf eine Stunde zu verkürzen, was mit einer enormen Zeitersparnis verbunden ist und den Unternehmer massiv Kosten sparen lässt. «Das Geheimnis liegt in einem chemischem Additiv, das den Prozess der Erhärtung steuert, ohne dass weitere Eigenschaften in Mitleidenschaft gezogen werden. Dabei geht es um die richtige Mischung der richtigen Art Zement mit dem richtigen Additiv», wie Bäuml erklärt.

Mit der ebenso innovativen Produktlinie D erreichten die Ingenieure, dass die beim gängigen Beton übliche Volumenreduktion, die für die Eigenrissbildung verantwortlich ist, massiv eingeschränkt wurde. Die Produkte von Concretum werden heute vor allem im Tunnelbau und bei Brückeninstandsetzungen verwendet. Eines der grössten Projekte war aber bislang die Zürcher Glatttalbahn, bei der Produkte von Concretum für grosse Teile der Gleistragplatte eingesetzt wurden. Nebst der Piste am Zürcher Flughafen wird auch eine solche am Airport in Barcelona gebaut.

Neue Anwendungsgebiete sind denkbar und stehen kurz vor der Markteinführung. «Zum Beispiel im Strassenbau, dort wo mit Beton statt mit Asphalt gebaut wird, und auch im Hochbau mit Fertigbauteilen», hofft Bäuml. Zu den Kunden gehören die grossen Betonproduzenten des Landes, Jura Cement und Vigier, nach Holcim die Nummern zwei und drei im Markt. Kleinere Projekte hat man inzwischen auch für den Weltmarktleader gemacht.

Das Wachstum ist finanziert

Bäuml beschäftigt 15 Personen und will die Mitarbeiterzahl bis in drei Jahren verdoppeln. Seit Herbst 2007 ist das weitere Wachstum finanziert – dank dem Einstieg des Private-Equity-Unternehmens Core Capital Partners. Preise wie der 3. Platz bei «Venture 2006» von McKinsey und der ETH hätten geholfen, bei Kunden und Investoren Vertrauen zu schaffen. «Auch bei uns geht es um Hightech-Produkte, aber unser Geschäft wirkt bodenständig. Der Exotenstatus innerhalb der Start-up-Szene hatte für uns einen positiven Effekt», glaubt Bäuml.