Die Finanzkrise hat grosse Unsicherheiten an den Finanzmärkten ausgelöst. Von den fünf grössten Investmentbanken wurden zwei aufgekauft. Zwei weitere Institute haben ihren Status in eine traditionelle Bank umgewandelt. Ein Institut, Lehman Brothers, fand leider keinen Hafen mehr und befindet sich derzeit im «Chapter 11»-Konkursverfahren.

Letzteres hat auch Folgen für den Finanzplatz Schweiz, wo Lehman Brothers als kleinerer Emittent von strukturierten Produkten agierte. Einige Anleger mussten schmerzlich erfahren, dass es sich bei dieser Asset-Klasse letztendlich, analog zu den Anleihenmärkten, um Schuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten handelt. Der Ausdruck «Kapitalschutz» richtet sich immer nach dem investierten Basiswert und steht in keinem Bezug zur Bonität des Emittenten. Wir glauben, dass eine Diversifikation der Basiswerte und der Schuldner auch bei strukturierten Produkten zukünftig unabdingbar sein wird.

Böse Überraschungen vermeiden

Strukturierte Produkte haben jedoch gegenüber klassischen Anlagen den Vorteil, dass man zu jeder Marktmeinung, passend zum persönlichen Rendite-Risiko-Profil, eine Investitionsmöglichkeit finden kann. Dies gilt auch für seitwärts und abwärts tendierende Märkte. Anleger und Vermögensverwalter sollten bei einer Anlage in strukturierte Produkte, neben der Bonität des Emittenten, verstehen, wie sich die Volatilität des Basiswertes verhält, und sich nicht primär von hohen Coupons verleiten lassen. Es kommt vor, dass Anleger deshalb nicht verstehen, weshalb sie bei positiver Entwicklung teilweise Geld verlieren, und wenn es in die andere Richtung geht, trotzdem Geld verdienen.

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Beim Kaufen und Verkaufen, konkret im Handel von strukturierten Produkten gibt es einige Charakteristiken, die man beachten sollte, um allfällige Missverständnisse und böse Überraschungen zu vermeiden. Anleger haben heute die Möglichkeit, die Produkte an der Börse oder im sogenannten OTC (over the counter)-Markt zu handeln.

Bringt ein Emittent ein strukturiertes Produkt zum ersten Mal heraus und legt es dann einem oder mehreren Anlegern direkt ins Portefeuille, spricht man vom Primärmarkt. Das Produkt wird OTC vertrieben, das heisst, dass ein Verkauf von der herausgebenden Bank direkt an den (End-)Kunden stattfindet. Um ein strukturiertes Produkt aber einem grösseren Publikum zugänglich zu machen, besteht für Emittenten die Möglichkeit, «Strukis» an der Börse kotieren zu lassen. Immer mehr Herausgeber von strukturierten Produkten entscheiden sich für die Kotierung an der Börse, weil dieser Weg für den Anleger der transparenteste ist.

Denn bei «Strukis», die im Primärmarkt gehandelt werden, ist immer allein der Emittent für den Preis verantwortlich. Wird ein «Struki» im Gegensatz dazu an der Börse gehandelt, sind die Konditionen für alle Anleger die gleichen. Nach der Emission werden nämlich die Bewegungen der kotierten Produkte von der Börse immer von einer neutralen Marktüberwachung real-time kontrolliert.

Regulierter Markt mit Regeln

Der Handel an der Börse ist demzufolge ein regulierter Markt mit klaren Handelsregeln und einem effizienten Zulassungsprozess. Es findet jederzeit eine transparente Preisfeststellung nach klar definierten Regeln bei der Preisbildung statt. Eine öffentlich zugängliche umfangreiche Produktpalette ermöglicht einen Emittentenvergleich, was wiederum zu engeren Spreads führt. Ein Handel ist auch in kleineren Beträgen möglich und bietet eine umfassende Informationsbeschaffung zu Produktdaten und eine standardisierte Publikation von Kursdaten. Ein immer wichtiger werdender Punkt ist der automatische Clearing & Settlement-Prozess. Damit ist gewährleistet, dass die Titellieferung und die Geldzahlung gleichzeitig erfolgen.

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Für den OTC-Handel gilt, dass dieser geringere regulatorische Anforderungen zu erfüllen hat. Es gibt Anleger, die aufgrund einer an ihrem Portfoliokontext liegenden Situtation ein «Tailor-made»-Produkt wünschen. Dieses ist oftmals nur auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten und erfordert nicht zwingend einen Handel während der Laufzeit.