Mit dem ganzheitlichen Ansatz «Operational Excellence» werden bei Manor alle Aktivitäten des Unternehmens betrachtet. Im Mittelpunkt stehen Kunde und Mitarbeiter. Nicht am Ende des Produktionsprozesses soll die Qualität überprüft werden, sondern die Qualität fliesst von vornherein in das Handeln mit ein. Im gesamten Unternehmen soll ein Qualitätsbewusstsein entwickelt werden, dass über die gesamte Wertschöpfungskette reicht und Arbeitsbedingungen und Umwelt mitberücksichtigt.

Bei Manor wird Operational Excellence als langfristiges Erfolgskonzept angesehen, denn «eine Profitabilitätssteigerung über alle Stufen der Supply Chain hinweg ist nur noch möglich, wenn wir höhere Kenntnisse über die Gesamtzusammenhänge haben. Nur so können wir die richtigen strategischen Entscheidungen treffen und weitere Massnahmen zur Effizienzsteigerung einleiten», erklärt Rainer Deutschmann, Direktor Supply Chain bei Manor und Mitglied der Geschäftslei-tung. «Oft wird auch im Supply Chain Management nach ungeschriebenen Gesetzen und Denkmustern gearbeitet. Um in einem gesättigten Markt und basierend auf einer bereits modernen Logistik aber weitere Fortschritte zu erzielen, reicht dies nicht mehr.»

Zusammenhänge verinnerlichen

Um bessere Entscheide und einen höheren Grad an Kenntnissen über die Gesamtzusammenhänge zu erreichen, wurde im Jahr 2006 ein Projektziel formuliert: Herbeiführen strategischer Entscheide und Einleiten bzw. Umsetzen effizienter und effektiver Massnahmen mit dem Ziel der Gesamtoptimierung der Supply Chain als Bestandteil der Profitabilitätssteigerung von Manor.

Anzeige

Manor wollte die Verbesserungen aus dem Verinnerlichen der Zusammenhänge in der komplexen Supply Chain heraus und ohne Zeitdruck nachhaltig erzeugen. Mit der Ursache-Wirkungs-Methode wählte der Warenhauskonzern ein Vorgehen, das zur Beherrschung von vielschichtigen Problemstellungen dient. Entsprechend setzte sich das Projektteam aus Fachleuten der unterschiedlichsten Bereiche zusammen: Dem Verkauf, dem Einkauf, dem Controlling, der Supply Chain.

Den fachlich kompetenten Partner fand Manor in der Fachhochschule Nordwestschweiz. «Die Ursache-Wirkungs-Methode, auch bekannt als Business Dynamics, kombiniert mit den Grundlagen der Systemtheorie sowie den Möglichkeiten einer Simulation-Software, unterstützt die Entscheidungsfindung und Prozessgestaltung durch mehr Verständnis, Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Nachhaltigkeit bei den Betei-ligten», erläutert Andreas Stettin, Professor und Dozent für Fabrikmanagement an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Das Bewusstsein fördern

Eine Computersimulation schafft Transparenz in der Wertschöpfungskette, fördert das Bewusstsein für Gesamtzusammenhänge und ermöglicht Einsparungen in Millionenhöhe. Damit erhöht Manor seine Wettbewerbsfähigkeit. Aus einem theoretischen Modell wurde in sieben Schritten ein Simulationssystem entwi-ckelt, das die Supply Chain abbildet. Die Teilnehmer der Workshops lieferten die notwendigen Inputs. Umfangreiche Erhebungen in den Warenhäusern, Einkaufsbüros und Verteilzentralen verfeinerten die Ergebnisse. Das Vertrauen in die Lösung wurde sodann durch Pilotprojekte gefestigt. Die Chancen und Möglichkeiten, die sich aus dem Vorliegen des Simulationssystems ergeben, wurden rasch offensichtlich.

«Die schwierigste Herausforderung war das Beschreiben der Wirkbeziehungen und deren Umsetzung in mathematische Formeln», erklärt Andreas Stettin. So entstanden in Arbeitsgruppen mit experimentellem Charakter Formeln, die zum Beispiel die Auswirkung der Warenverfügbarkeit auf das Kaufverhalten und den Umsatz berechnen.

Entscheidungsgrundlagen

So ist ein Ursache-WirkungsModell der Manor-Supply-Chain mit 100 Abhängigkeiten und 200 Berechnungsformeln entstanden. Die Variablen – beispielsweise Lieferrhythmen, Warenfluss-Konstellationen, Planungsqualitäts-Parameter, Sortimentsgrössen – lassen sich mittels Schieberegler am Bildschirm verändern, während in einer Grafik deren Einfluss auf die Kenngrössen – zum Beispiel auf die Gesamtwirtschaftlichkeit – dargestellt wird. Zusätzlich entstehen auch detaillierte Angaben wie die Auswirkungen der simulierten Szenarien auf Umsätze, Transportkosten, Personalkosten, Rabatte, Abschreibungen usw.

Die eingesetzte Methode hat erlaubt, bestehende Denkmuster zu verändern. Als wichtigste Änderungen nennt Rainer Deutschmann den Wechsel vom undifferenzierten Warendruck hin zum profitablen Service Level und vom pragmatisch gewählten Warenfluss hin zu einem ganzheitlichen, günstigen Warenfluss.

Jährliche Einsparungen

Eine Reihe von Projekten mit vorausberechneten Einsparungen im Bereich von mehreren Millionen Franken sind eingeleitet oder schon umgesetzt worden. Die Lieferrhythmus-Optimierung ist abgeschlossen. Bei gleicher Servicequalität konnten jährliche Einsparungen bei den Lieferkosten in Höhe von 1 Mio Fr. realisiert werden.

Zurzeit wird der Warenfluss optimiert. Die zu erwartenden Einsparungen bei Lieferkosten, Handlingsaufwand und Reduktion des Warenbestandes in den Warenhäusern liegen bei einigen Millionen Franken. Zudem wurde das Projekt «Verbesserung der Warenrotation» mit einem noch höheren Einsparungspotenzial mit ausgewählten Warenhäusern vor einigen Monaten gestartet.

Manor hat einen innovativen Weg eingeschlagen. Mit der Ursache-Wirkungs-Methode ist es gelungen, die Supply Chain nachhaltig und umfassend zu optimieren und interne und externe Prozesse anzupassen bzw. deren Anpassung in die Wege zu leiten. Durch die intensive Zusammenarbeit im Team wird die bestmögliche Gestaltung der logistischen Kette erreicht.

In Kooperation mit der Fachhochschule Nordwestschweiz haben Wissenschaftler zusammen mit Spezialisten aus den jeweiligen Bereichen ihr Know-how eingebracht. Damit wurde ein gutes Beispiel volkswirtschaftlich wertvoller Zusammenarbeit von Wirtschaft und Lehre/Forschung geliefert.

«Die Haupterkenntnis liegt nicht darin, dass die Warenrotation der grösste Wirkungshebel der Manor-Supply-Chain ist, sondern in der Erfahrung über die detaillierten Wirkungszusammenhänge der Warenrotation und der Beeinflussbarkeit dieser zentralen Kennzahlen», fasst Rainer Deutschmann zusammen. «Prozesse und Ergebnisse werden im Sinne von Operational Excellenz in einem Zusammenhang gesehen.» Diese Geisteshaltung bildet einen wichtigen Grundstein.