Surfen, das macht Jens Gerhardt nicht bloss mit seinen drei Mobiltelefonen, sondern auch auf dem Wasser. Aber nicht etwa auf dem gemächlichen Zürichsee, sondern ab seiner Heimatstadt Hamburg auf der weiten Nordsee.

Wer daraus schliesse, dass Sunrise für Gerhardt bloss eine Zwischenstation sei, liege aber falsch: «Ich plane nie länger als für drei Jahre, aber ich kann Ihnen versichern: Ich habe nicht vor, Sunrise so schnell wieder zu verlassen.»

Keine einfache Aufgabe

Dabei ist seine Aufgabe als Chef Privatkunden bei der Nummer zwei im Telecommarkt eine der schwierigsten der Branche. Ein Sunrise-Konkurrent spricht denn auch von «einem Schleudersitz», den Gerhardt innehabe. Darauf angesprochen, lacht er und sagt: «So schlimm ist es nicht.» Aber klar, er wisse, dass er keine leichte Aufgabe angetreten habe. Als seine wichtigste Mission will er die Angebote verstärkt auf die Kundenbedürfnisse ausrichten - vor allem im Mobilfunkbereich. «Wir möchten, dass sich unsere Kunden mit unseren Produkten wohlfühlen.» Das klinge zwar noch reichlich abstrakt, doch gehe es ihm darum, den Kunden die Sicherheit zu geben, beim richtigen Anbieter mit dem richtigen Produkt zu sein. «Kein Kunde darf bei uns am Ende des Monats auf der Rechnung eine böse Überraschung erleben.»

Erfolgsrezept Flatrate

Deswegen habe man auch im Mobilfunk eine Flatrate (einen Pauschaltarif) eingeführt. «Wir denken, dass die Kunden ihr Telefonverhalten ändern werden mit der Flatrate. Sie müssen sich nicht erst überlegen, ob sie einen Anruf tätigen sollen. Sie tun es einfach, weil es sie ja nichts kostet.» Letzteres gilt indes bloss für Gespräche auf dem Sunrise-Netz. Gerhardt ist jedoch überzeugt, dass sich die Flatrate für die meisten Kunden lohnt. Die Internet-Vergleichsfirma Comparis kam dagegen zum Schluss, dass viele Kunden mit dem bereits bestehenden Abotyp Sunrise Zero günstiger fahren. Gerhardt bleibt dabei: «Gerade weil die Kunden mit der Flatrate ihr Verhalten ändern und viel mehr telefonieren, fahren sie damit auch günstiger.» Und dass diese Änderung im Kundenverhalten erfolge, sehe man daran, dass der Verkehr auf dem Sunrise-Mobilfunknetz in den letzten Monaten stark zugenommen habe. Dies sei nur einerseits darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen leicht Marktanteile gewonnen habe.

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Gesättigter Markt

Ebendiese Marktanteile indes sind auch im völlig liberalisierten Mobilfunk seit Jahren immer in etwa gleich. Orange und Sunrise können Aktionen und neue Preispläne lancieren - und am Ende des Jahres erreichen sie vielleicht 1 knappes Prozent mehr Marktanteil als vorher. Der Mobilfunk sei ein gesättigter Markt, zu vergleichen mit dem Detailhandel, wo es auch viel sei, wenn Migros oder Coop 1% Marktanteil gewännen. «Angenommen also, wir gewinnen die nächsten Jahre konstant ein halbes Prozent Marktanteil, dann machen wir einen sehr guten Job.» Markterhebungen hätten gezeigt, dass Schweizer Mobilfunkkunden erst ab Preisunterschieden von mehr als 30% in Erwägung ziehen, den Anbieter zu wechseln. «Schweizer wollen keine Billigprodukte, sondern einen guten, zuverlässigen Service.»

In der Telecomwelt zu Hause

Als studierter Physiker mit einem Doktortitel in Sozialwissenschaften fühlt sich Gerhardt in der Telecomwelt wohl. Dass ihm in der kleinräumigen Schweiz, in der die meisten Telecomspezialisten irgendwann mal bei der Swisscom oder früher bei der As- com gearbeitet haben, das Netzwerk fehlt, lässt ihn ebenfalls kalt. Er sei fleissig daran, sich hier zu vernetzen. Das einzige, was ihm zuweilen an der Schweiz immer noch Mühe bereitet, sind frühmorgendliche Sitzungen. «In Deutschland gilt es fast als unanständig, jemanden vor 9.30 Uhr anzurufen.» Mittlerweile hat er sich ans frühe Aufstehen gewöhnt und geniesst es, wenn er dafür nach zwölf Stunden am Abend das Büro verlassen kann «und es noch hell ist draussen». Meist surft er dann nach Feierabend noch ein bisschen - unter der Woche aber bloss im Internet.

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