Fussball-Fans sind reiseerprobt. Das gilt auch für die Zehn- und Hunderttausende von ihnen, welche im kommenden Juni während der Euro 2008 Schweizer Städte und Stadien bevölkern werden. Die meisten werden ihren ersten Kontakt mit dem Gastgeberland im öffentlichen Verkehr machen, am Boden oder in der Luft.

Bei der Swiss sind bis heute 28 Charterrotationen sowie 7 zusätzliche Linienflüge für die Euro 08 geplant. Es handelt sich dabei vor allem um Flüge für Sponsoren und Partner, aber auch für ausländische Fans. Je nach Turnierverlauf werden zusätzliche Flüge kurzfristig dazukommen. Die SBB werden für die drei Wochen im Juni sogar 2800 Extrazüge im Einsatz haben und den Nachtbetrieb ausbauen. Deutlich mehr Kilometer zurücklegen werden an der Fussball-EM auch die regionalen Verkehrsbetriebe in den Austragungsstädten. Bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) ist für drei Tramlinien während des ganzen Turniers ein 24-Stunden-Betrieb vorgesehen. Ähnliches ist in Zürich, Genf und Bern geplant.Ob der Mehrverkehr auch zu Mehreinnahmen führt, ist noch schwierig abzuschätzen. Die SBB profitieren zwar von der Finanzierung der Kombitickets (Stadion und Bahn) mit je 4 Mio Fr. durch Bund und Turnier-Organisation und werden mit weiteren Spezialangeboten möglichst viele Fussballfans auf die Schiene locken. «Auf der anderen Seite steht ein enormer Aufwand für die Extrazüge, das Personal und die ganze Logistik», gibt Sprecher Roland Binz zu bedenken. Rund 1500 Bahn-Angestellte werden während der Euro allein für die Gästebetreuung eingesetzt, was partielle Ferienstopps bedingt. Ob für die SBB letztlich überhaupt ein Ertragsüberschuss herausspringe, sei im Moment noch unklar, sagt Binz.

Auf das grosse Euro-Geschäft hofft auch Swiss nicht. «Wir erwarten unter dem Strich während der Euro 08 zwar ein leichtes Umsatzplus, können dieses aber heute kaum quantifizieren», sagt Sprecher Jean-Claude Donzel. In der Stadt Zürich befürchten Touristiker während der Euro wegen Verdrängungseffekten sogar Einbrüche bei den Hotellogiernächten, was sich auf die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) negativ auswirken würde. Allerdings ist das schnelle Geld nicht vordergründiges Ziel der Unternehmen. Wichtiger ist es, das gigantische Schaufenster eines solchen Anlasses zu nutzen, um Imagepflege zu betreiben und sich bei der nationalen und internationalen Kundschaft nachhaltig zu profilieren.

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Swiss: «Hopp Schwiiz»-Flieger

Die einmalige Kommunikationschance nicht entgehen lassen will sich vor allem Swiss. Neben einem mit «Hopp Schwiiz!» bemalten Flugzeug, Swiss-Tramwagen in den Austragungsstädten und TV-Spots wird auch ein grosses Fussball-Turnier für Agenten organisiert. Dank Direktverbindungen mit eigenen Flugzeugen in alle teilnehmenden Länder der Euro 08, mit Ausnahme von Kroatien, positioniert sich Swiss als «Airline for all Fans» und hofft auf neue Stammkunden. Zahlen zum Marketing-Budget kommuniziert Swiss nicht.

Werbung in eigener Sache wollen auch die Bahnbetriebe machen. So können die SBB auf freiwillige Einsätze vieler Mitarbeiter zählen, um sich in der Schweiz international zu vermarkten. Bei den regionalen Verkehrsbetrieben in den Austragungsstädten gehören Fan-Begrüssungen in allen möglichen Sprachen und Durchsagen von Zwischenresultaten der Fussballspiele zum Angebot. Beeindruckt werden sollen so nicht zuletzt auch die einheimischen Fahrgäste.