Die Situation im Weiterbildungsmarkt spiegelt die steigende Bedeutung an internen Schulungsmassnahmen. Business as usual gibt es heute genau so selten wie Nice to have. Gemeint sind spezielle Weiterbildungswünsche, die nicht unbedingt im Firmeninteresse liegen.

Das Beispiel der SBB ist richtungsweisend und steht für viele andere Betriebe: Bei der Bahn hat die Personalentwicklung traditionell einen hohen Stellenwert, doch schaut man gerade jetzt kritisch auf die Relevanz und Aktualität der Ausbildungsangebote - eine Praxis, die Schule macht. «Die Budgets sind zwar gesprochen», sagt Doris Mathyassy, Leiterin Personalentwicklung, «wir schauen allerdings noch besser drauf, was strategisch wirklich wichtig ist.»So verzichten die SBB etwa auf die Zusage für ein Folgeseminar zu einem Basisprogramm, das noch warten kann. «Es kann aber auch ein MBA sein, der für das Unternehmen im Moment nicht das Dringendste ist, weil es sich um einen Weiterbildungswunsch handelt, hinter dem oft ein persönliches Karriereziel steht. Je näher die Weiterbildung sich am Bereich des Mitarbeiters orientiert, desto eher wird sie von den SBB unterstützt», ergänzt Mathyassy.

Externe Anbieter unter der Lupe

Inzwischen feilschen viele Firmen mit den Anbietern um Kosten, Inhalte und Referenten, vergleichen externe Kurse kritischer denn je und wechseln schneller als früher. Dazu Stephan Peterhans, Territory HC Leader Switzerland von PwC: «Wir haben die Krise und den Kostendruck zum Anlass genommen, unser komplettes Angebot auch in dieser Hinsicht im Detail zu prüfen. In der Folge haben wir auch zum Teil schlichtweg diverse Anbieter gewechselt, wenn wir günstigere Angebote mit derselben Qualität erhielten.»Bei der Nationale Suisse gibt es eine individuelle Beratung für die beste Auswahl der externen Schulung. Überschreitet das Programm eine Investitionslimite, wird eine Ausbildungsvereinbarung mit den Mitarbeitern geschlossen. Der Versicherer setze weder in der internen noch in der externen Weiterbildung die Kostenschere an, betont Dunja Schäfer, Leiterin Management Development.Bei Georg Fischer wird wie bei allen in die Zukunft gerichteten Unternehmen Training als Investition in die zukünftige Leistungs-fähigkeit und Motivation der Mitarbeiter erkannt und gilt gerade in der Krise als unverzichtbar. Handlungsbedarf sieht GF beim Thema Kosteneinsparung, so Bettina Schmidt, Leiterin der Konzernkommunikation. Der Fokus liegt vermehrt auf Trainings, die für das laufende Geschäft notwendig sind, wie Produktschulungen. Dabei setzt man nicht zuletzt aus Kostengründen vermehrt auf interne Massnahmen.Holcim geht in der Schweiz einen Schritt weiter. Der Weltführer im Baustoffmarkt arbeitet bei internen Seminaren nach wie vor mit externen Partnern, zieht aber vermehrt Mitarbeiter als Trainer bei. Um diese fit zu machen, werden teilweise Train-the-trainer-Seminare veranstaltet.Dass der interne Anbieter ebenfalls bei Siemens Schweiz Vorrang hat, bestätigt Markus Büchi. Als Head of Human Resources äussert er sich dezidiert: «Die Weiterbildungen im technischen Bereich und die Leadership-Trainings werden nicht zurückgefahren. Allerdings braucht es mehr Überzeugungsarbeit an der Linie, bei Weiterbildungen nicht zu sparen.» Im Klartext heisst das: Strategisch relevante Angebote werden vom internen Anbieter abgedeckt. Fachspezifische Weiterbildungen von externen Anbietern sind individuell zu prüfen. «Es ist unsere klare Policy, dass der interne Anbieter Vorrang hat», betont Büchi.Bei Swiss Re erblickt man ebenfalls Chancen in der Krise. Brigitte Meier von Media Relations findet, dass jetzt die Zeit dafür reif ist, das existierende Weiterbildungsangebot auf seine Effizienz und Effektivität zu überprüfen. Das Portfolio beinhaltet Programme für spezielle Zielgruppen, wie etwa Führungskräfte oder Nachwuchstalente, und zu spezifischen Themen, die einen klaren Bezug zur Strategie und den Werten des Konzerns haben.

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E-Learning-Kurse als Alternative

Immer mehr Firmen setzen in der internen Weiterbildung auf die neuesten Technologien. Die Trainings finden nicht mehr nur im Klassenzimmer statt, sondern werden vermehrt über digitale Kanäle angeboten. Dazu werden E-Learning-Kurse oft selbst produziert oder teils extern eingekauft.