Weisse Blätter mit vierfarbigen Kleeblättern zieren im fünften Stock des Valora-Hauptsitzes in Muttenz die Wände. Das Sujet hilft dem neuen CEO Thomas Vollmoeller, Journalisten die neue Strategie mit dem sinnigen Namen «Valora 4 Success» zu erklären.

Das blaue Kleeblatt stehe für Konzentration aufs Kerngeschäft, das grüne für Wachstum, das gelbe meine mehr Effizienz und das rote engagierte Mitarbeiter. Der Valora-Chef betont, dass in diesem Geschäft Erfolg viel mit Handwerk zu tun hat.

Markante Veränderungen

Vieles hat sich geändert, seit Adriano Agosti, der mit seiner GoldenPeaks Capital 11% des Aktienkapitals hält, bei Valora das Sagen hat. Nachdem der Investor die Auseinandersetzung um die Führung des Unternehmens gewonnen hatte, besetzte er den Verwaltungsrat mit eigenen Leuten. Als Erstes installierte Agosti Rolando Benedick an der Spitze des Verwaltungsrats. Benedick hat inzwischen die Führungscrew fast vollständig erneuert (siehe Box).

Das versprochene Ziel liegt aber ferner denn je. Der Valora-Aktienkurs schoss vor Jahresfrist kurzfristig von 230 Fr. auf fast 300 hoch, lag am Montag Abend aber unter 220 Fr. Die von der Macht verdrängte frühere Valora-Leitung nannte die Aktie einst einen Dividendentitel, dessen Kurs nie nachhaltig die 400-Fr.-Grenze übertreffen würde. Seit 1998 bewegte sich die Valora-Aktie zwischen 200 und 500 Fr.

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Vollmoeller und sein Team sollen dies ändern. Der seit 100 Tagen amtierende CEO sagt, das Management würde einen grossen Teil seiner Entschädigung variabel beziehen. Zahlen wollte der Ex-McKinsey-Mann keine nennen, machte aber klar, dass der Bonus der Konzernleitung von der Erreichung der Ziele für 2012 abhängig sei. Laut einem Ex-Valora-Manager soll das Management Optionen mit einem Ausübungspreis von rund 450 Fr. erhalten haben.

Unter Benedicks Führung hat Valora ein paar Pflöcke eingeschlagen. Die Firma verkaufte mit kleinem Gewinn fünf Produktionsbetriebe, darunter Marken wie Roland und Kägi. Die auf drei Standorte verteilte Führungscrew wurde in Muttenz zusammengelegt, das dortige Logistikzentrum nach Egerkingen an verkehrsgünstige Lage verschoben. Kurzfristig fallen Kosten von 25 Mio Fr. an.

Bis 2012 sollen sich die Mühen bezahlt machen. Benedick will den Umsatz von 3 auf 3,4 Mrd Fr. steigern, den Betriebsgewinn auf 120 Mio verdoppeln. «Ich bin zufrieden», sagt er. «Wir haben ein neues Team, das schnelle Entscheide fällt und diese rasch umsetzt. Und wir haben einen klaren Fokus.»

Die neue Valora-Crew hat sich wie die alte eine Gewinnmarge von 4% zum Ziel gesetzt. Auf den Einwand, dies sei kein Quantensprung, entgegnete CEO Vollmoeller: «Die 4% wurden oft versprochen und nie erreicht.» Im Retailgeschäft sei dies eine «ansprechende» Quote. Entscheidend ist der Retailbereich, wo Valora jeden zweiten Franken verdient. Dazu gehören tausend «k kiosk»-Verkaufsstellen, kleinere Einkaufsshops und die Caffè-Spettacolo-Kette. Dem 40-jährigen Kaspar Niklaus, bisher Chef des Coop-Bereichs Bau+Hobby, fällt die Aufgabe zu, aus dem Valora-Umsatzbrocken eine tragende Gewinnsäule zu machen.

Kiosk wird Powerhaus

Niklaus setzt den Hebel an zwei Stellen an. Die Kioske will er in kleine Powerhäuser verwandeln, die auf maximal 60 Quadratmetern das Sortiment optimieren und die Preise maximieren. Flughafen- und Bahnhofskioske könnten in Zukunft mehr für das Gleiche verlangen, meint Niklaus. Wichtiger wird die Expansion der kleinen Einkaufsshops namens «avec». Was die Ausbreitung von heute 35 auf neu 100 Standorte kosten wird, wollte Niklaus nicht verraten.

Die «avec»-Strategie könnte über Erfolg oder Misserfolg der neuen Valora-Chefs entscheiden. Der Markt für ständig geöffnete Verpflegungsshops wachse jährlich um 10%, sagen sie. Doch schon heute ist die Konkurrenz hart, Tankstellenshops schiessen wie Pilze aus dem Boden, und auch die bisherige «avec»-Partnerin Migros steigt ins Rennen – ohne Valora.