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«Bier ist viel mehr als ein Durstlöscher»

Brauerei Falken in Schaffhausen: Schweizer Bier seit 1799.  PR

Heute lädt der Brauereiverband zum «Tag des Schweizer Bieres». Handelszeitung.ch sprach mit Markus Höfler, CEO der Brauerei Falken in Schaffhausen, über die Bierkultur in der Schweiz.

Von Gabriel Knupfer
am 24.04.2014

Heute haben wir den Tag des Schweizer Bieres. Wie steht es um die Bierkultur in unserem Land?

Markus Höfler*: Stetig besser, aber es gibt noch viel Potenzial. Sehr positiv ist die immer grösser werdende Vielfalt. Um aber noch mehr Menschen für Bier zu begeistern, müssen wir zeigen, dass Bier viel mehr ist als ein Durstlöscher oder ein Getränk nur für den Stammtisch. Heute heisst es oft: Je dunkelblauer der Anzug, desto weniger wird Bier getrunken. Dass ist schade, denn Bier passt durchaus auch in ein Fünfsternehaus oder an ein gehobenes Apperitif.

Und wie könnte man diesen Wandel bewerkstelligen?

Indem über Bier gesprochen wird. Aktionen wie der «Tag des Schweizer Bieres» sind deshalb wichtig, weil die Brauereikunst durch solche Anlässe Aufmerksamkeit erhält. Wir können die Leute für die grosse Vielfalt des Bieres sensibilisieren.

Viele Brauereien sind in den letzten Jahrzehnten ins Ausland verkauft worden. Wie konnte die Brauerei Falken diesem Schicksal entkommen?

Die ausländischen Brauereien haben Interesse an Marktanteilen und unsere Stärken liegen in anderen Bereichen. Was hätte ein Grosskonzern von der Brauereiwerkstätte oder von unserer Dosenanlage? Nichts. Wir haben immer zum Geld geschaut und in den Betrieb investiert. So kamen wir auch nie in einen Investitionsstau, wo plötzlich Millionen gefehlt hätten, um weiterzumachen.

Im Brauerei-Verband sind auch Hersteller vertreten, die von ausländischen Konzernen kontrolliert werden. Wie ist die Zusammenarbeit?

Die Verhältnisse im Verband sind sehr kollegial. Ob Grosskonzern oder Kleinbrauerei, im Verband ziehen wir am gleichen Strick. Der Kampf um Marktanteile findet eher auf Stufe Vertrieb statt.

Gleichzeitig mit dem Ausverkauf der grossen Brauereien gibt es immer mehr Klein- und Kleinstbetriebe. Ist dies für einen mittelgrossen Bierhersteller wie Falken eher positiv oder negativ?

Die Freude über die Biervielfalt überwiegt bei weitem. Trotzdem ist es für uns natürlich ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind die kleinen Brauereien sehr gut für die Bierkultur. Sie liefern Gesprächsstoff und fördern die Lust auf geschmackliche Experimente. Andererseits finden die Kleinbrauereien auch Liebhaber, die dann nicht mehr unser Bier kaufen. Lagerbier macht aber immer noch 75 bis 80 Prozent des verkauften Bieres aus.

Tendenziell sinkt aber der Bierkonsum in der Schweiz, spüren Sie diesen Rückgang?

Ja. Weil wir keine nationale Distribution haben, sind wir stark auf die Gastronomie angewiesen und hier war der Rückgang 2013 besonders gravierend. Es ist aber klar, dass das schlechte Wetter im letzten Jahr einen starken Einfluss auf das Ergebnis hatte. Der Frühling 2013 fiel buchstäblich ins Wasser. Für 2014 sind wir dagegen optimistisch, das Wetter scheint besser zu werden und im Juni beginnt die Fussball-WM...

Wie können Sie sicherstellen, dass es die Brauerei Falken auch in hundert Jahren noch gibt?

Ich bin überzeugt, dass wir in hundert Jahren noch existieren. Drei Elemente sind dafür entscheidend: Erstes müssen wir weiter investieren, dass wir technologisch à jour bleiben. Zweitens brauchen wir innovative Produkte und Verpackungen. Und drittens braucht es Dienstleistungsbereitschaft und Kundennähe. Grosskonzerne mögen die Preismacht haben. Wir dagegen können schnell auf die Anforderungen des Marktes reagieren. Wenn wir gut arbeiten, spielt der Preis nicht mehr die entscheidende Rolle.

* Der Ökonom Markus Höfler (49) ist seit 2012 CEO der Brauerei Falken in Schaffhausen. Die Brauerei existiert seit 1799 und ist mit rund 55 Mitarbeitern und einer Tagesproduktion von rund 46'000 Litern Bier der fünftgrösste Brauereibetrieb der Schweiz.

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