Siemens und Mitsubishi Heavy Industries wollen nach Reuters-Informationen den US-Rivalen General Electric (GE) im Kampf um die französische Alstom übertrumpfen. Die beiden Firmen stünden vor der Fertigstellung eines gemeinsamen Gebots, das eine Barkomponente von etwa neun Milliarden Euro für das Turbinen- und Servicegeschäft von Alstom enthalte, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag.

Die Offerten von Siemens und GE ließen sich aber nur schwer vergleichen, weil sie sich im Umfang deutlich unterschieden. GE bietet 12,4 Milliarden Euro für alle vier Teile - inklusive der Erneuerbaren Energien und der Stromübertragung, die nach den Vorstellungen von Siemens und seinem Partner bei Alstom bleiben sollen.

Alstom als Marke erhalten?

«Das Angebot wird finanziell attraktiver sein als das von GE, alles andere würde auch keinen Sinn machen», sagte ein Siemens nahestehender Insider am Freitag. Alstom werde dabei als Marke in weiten Teilen erhalten. Siemens übernehme das Gasturbinengeschäft und gebe Teile seiner Zugsparte und die Signaltechnik an die Franzosen ab. Eine direkte Beteiligung an Alstom ist demnach nicht vorgesehen.

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Mitsubishi dagegen wolle sich direkt mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und die schwächelnde Energietechnik mit Investitionen und frischem Kapital aufpäppeln, sagte ein Insider. In gleicher Höhe wie Mitsubishi werde auch der französische Staat sich beteiligen, erklärte Gabriel Artero von der französischen Stahlarbeiter-Gewerkschaft CFE-CGC nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. «Der Minister hat die Mitsubishi-Offerte beschrieben, sie stellt eine Allianz dar, die das GE-Angebot herausfordert», sagte Artero. Die Beteiligung des Staates würde bedeuten, dass die Regierung dem größten Alstom-Aktionär Bouygues einen Teil seiner 29 Prozent abkauft.

Regierung gegen GE-Pläne

Es wäre eine Art Allianz, wie sie die französische Regierung verlangt hat, die sich gegen die direkten Übernahmepläne von GE wehrt. Die Industriestandorte in Frankreich blieben erhalten, das Gasturbinengeschäft von Alstom ist ohnehin in der Schweiz angesiedelt.

Ursprünglich sei neben Mitsubishi der Golfstaat Katar als dritter Partner für das Gegengebot zu GE angedacht gewesen. Eine staatliche Beteiligung sei allerdings fallengelassen worden, sagte mehrere Kenner des Vorgangs. Die Einbindung wäre zu kompliziert geworden.

Industrie in Europa halten

Am Sonntagabend berät der Siemens-Aufsichtsrat über das komplizierte Konstrukt, der Verwaltungsrat von Mitsubishi will sich am Wochenende ebenfalls damit beschäftigen.

Siemens-Chefkontrolleur Gerhard Cromme rührt indes weiter die Werbetrommel für sein Haus. Das Vorgehen des Konzerns habe den Segen der Bundesregierung, sagte er in einem Interview mit der Zeitung «Les Echos». Er warnte vor einem Ausverkauf der Energietechnik nach Amerika. «Es gibt in Europa so gut wie keine Energieressourcen. Wenn wir jetzt die Energietechnik und deren Fertigung außerhalb Europas ziehen lassen, dann sind wir morgen genauso abhängig in diesem Bereich wie wir es heute im Internet von den US-Riesen Google, Amazon oder Apple sind», sagte er. Es müsse im europäischen Interesse sein, Industriechampions zu halten.

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Schlacht noch nicht entschieden

Cromme zeigte sich kampfeslustig. «Ich habe in meinem Leben schon Hunderte Schlachten geschlagen, und die meisten habe ich gewonnen.» Auf den Einwand, den laufenden Kampf könne er nicht gewinnen, erwiderte er. «Warten wir ab, wie die Schlacht um Alstom letztlich ausgeht.»

(reuters/gku)