Der niedrige Ölpreis kommt Energiekonzerne teuer zu stehen. Shell machte im dritten Quartal einen Verlust von 7,4 Milliarden US-Dollar, wie das britisch-niederländische Unternehmen am Donnerstag in London mitteilte. Auch BP und der norwegische Öl- und Gaskonzern Statoil hatten in dieser Woche schlechtere Zahlen wegen des gesunkenen Ölpreises bekanntgegeben.

Mitte 2014 hatte der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent noch bei über 100 US-Dollar gelegen, derzeit kostet ein Fass noch knapp 50 US-Dollar. Für Verbraucher bedeutet das zum Beispiel, dass sie günstiger tanken und heizen können. Energiekonzernen vermiest die Entwicklung allerdings das Geschäft.

Milliardenschwere Abschreibungen

Massiv zu Buche schlugen bei Shell zudem milliardenschwere Abschreibungen, weil das Unternehmen umstrittene Förderprojekte in Kanada und vor Alaska gestoppt hatte. Der niedrige Ölpreis macht diese Projekte nach Angaben des Konzerns unrentabel. Auch im Tagesgeschäft musste der Ölriese wegen des Preisverfalls herbe Rückgänge hinnehmen.

Anzeige

Dem italienischen Ölkonzern Eni brockte der niedrige Ölpreis ebenfalls Verluste ein. Für das dritte Quartal musste der Konzern vor Sonderposten einen Fehlbetrag von 257 Millionen Euro ausweisen, wie Eni am Donnerstag mitteilte. Im Vorjahr stand hier noch ein Gewinn von 1,17 Milliarden Euro. An diesem Freitag legen auch die US-Grössen ExxonMobil und Chevron ihre Quartalszahlen vor.

Gewinneinbruch bei BP

Bereits am Dienstag hatte der britische Ölkonzern BP bekanntgegeben, angesichts niedriger Öl- und Gaspreise sowie Entschädigungszahlungen für die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko einen Gewinneinbruch zu verbuchen. Abschreibungen und niedrige Energiepreise halten auch Statoil in den roten Zahlen, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.

Dagegen federte der französische Konzern Total die Folgen des niedrigen Ölpreises erfolgreich ab. Zum einen drehen die Franzosen immer wieder am Ölhahn und schrauben ihre Produktion hoch, zum anderen profitieren sie von den guten Gewinnmargen ihrer Raffinerien und des Chemie-Geschäfts. Der bereinigte Gewinn sank im dritten Quartal zwar immer noch um 23 Prozent auf 2,76 Milliarden Dollar, Analysten hatten aber einen noch stärkeren Rückgang erwartet.

Luftfahrt-Unternehmen als Gewinner

Die Baisse bei den Ölpreisen produziert auch Gewinner: Die Swiss hat im letzten Quartal deutlich mehr verdient. Belastungen durch den starken Franken und die Billig-Konkurrenz konnten mit den tiefen Ölpreisen mehr als nur kompensiert werden.

Dasselbe gilt für die Mutter Lufthansa: Hier können nicht einmal die heftigen Pilotenstreiks verhindern, dass die Kraniche in neue Höhen steigen.

(awp/ise)