Wer glaubt, Biobaumwolle sei gleichzusetzen mit Fair Trade, der irrt sich. «Im Gegensatz zu anderen Initiativen garantiert die Fair-Trade-zertifizierte Biobaumwolle einen Mindestpreis und eine Fair-Trade-Prämie», erklärt Roman Wittwer von Max Havelaar. Auch wenn der Absatz von Biobaumwolle in der Schweiz boomt, so prange erst auf 1% der Baumwolltextilien in der Schweiz das Fair-Trade-Label.

«Unsere Biotextilien sind nicht Fair-Trade-zertifiziert», gibt Phil Chamberlain, Chefeinkäufer der internationalen Modekette C&A, gegenüber der «Handelszeitung» zu. Trotzdem achte C&A bei der Produktion ihrer Kleider nicht nur auf gute Umweltstandards, sondern auch auf soziale Arbeitsbedingungen. 8% der Baumwolltextilien von C&A weltweit stammen aus biologischem Anbau. «Unsere Absicht ist es, den Anteil an Biobaumwolltextilien in unseren Läden zu steigern», sagt der C&A-Chefeinkäufer. Chamberlain war einer der Redner am Weltkongress für Biobaumwolle, der von der Entwicklungsorganisation Helvetas in Interlaken Ende September organisiert wurde.

Auch Fair Trade ist sexy

Biokleider werden von immer mehr Modehäusern in ihre Kollektion aufgenommen. «Wer sexy und cool sein will, muss Ökomode tragen», betonte der dänische Star-Designer Peter Ingwersen, der in Interlaken seine Kollektion vorführte. Solche Modehäuser versucht Max Havelaar auch von Fair Trade zu überzeugen.

Anzeige

Auch bei Coop ist die Biobaumwolle Naturaline nicht Fair-Trade-zertifiziert. Doch das bedeutet nicht, dass Coop-Baumwolle nicht zu fairen Bedingungen produzieren lässt, wie Sprecherin Denise Stadler versichert. Coop hat als Pionierin der Biobaumwolle eigene soziale Standards entwickelt, an denen sie weiterhin festhält. Mit Naturaline hat Coop internationale Preise eingeheimst. Coop ist massgeblich daran beteiligt, dass der Anteil der Biobaumwolltextilien in der Schweiz mit rund 5% weltweit am höchsten ist. Der Anteil von Naturaline am gesamten Baumwolltextilangebot in den Coop-Supermärkten beträgt über 55%. Längerfristig will der zweitgrösste Detailhändler das gesamte Baumwollsortiment auf Naturaline umstellen. Coop ist weltweit grösste Anbieterin von Biobaumwolltextilien. 2008 setzte sie 53,2 Mio Fr. damit um und dieses Jahr hat sich der Umsatz des saisonalen Angebots gegenüber dem Vorjahr gar verdoppelt.

Nachholbedarf bei Migros

Seit langem führt Switcher einen Teil der Kollektion mit dem Fair-Trade-Gütesiegel. Seit neustem konnte Max Havelaar auch die Hotelbettwäschefirma Schwob sowie die Wäscheproduzentin Isa Bodywear von Fair-Trade-zertifizierter Biobaumwolle überzeugen. Auch Migros führt seit Ende August Baby- und Kinderwäsche aus biologischer Baumwolle mit dem Fair-Trade-Siegel. Potenzial hat Migros noch bei der Biobaumwolle. Erst 5% der Baumwolltextilien stammen aus biologischen Anbau.