«Die Rohstoffbeschaffung zählt zu unseren schwierigsten Aufgaben», sagt Peter Braun, Mitglied der Weleda-Gruppenleitung und operativer Geschäftsführer Schweiz. Der Arlesheimer Kosmetik- und Arzneimittelkonzern bezieht 700 verschiedene Rohstoffe. «Die Rohstofffrage wird zunehmend brisanter, denn mit dem wachsenden Naturkosmetikmarkt steigt auch die Nachfrage nach diesen Materialien.» Zudem verknappen auch die schwindende biologische Vielfalt und zunehmende Umweltbelastungen das Angebot.

Partnerschaft sichert Rohstoffe

Die Beschaffung der benötigten Ursprungsmaterialien wird für Weleda immer teurer. Während bei gängigen Kosmetika die Rohstoffkosten rund 5 bis 7% des Produktpreises betragen, machen sie bei Weleda rund 25% aus. Um die benötigten Kräuter, Öle, Heilpflanzen und biologischen Duftessenzen in ausreichender Menge zu beschaffen, setzt Weleda auf langjährige Partnerschaften mit langfristigen Verträgen. Als Beispiel dafür nennt Braun die Rosenproduktion in der Türkei, wo Weleda mit der Destillationsfirma Sebat zusammenarbeitet. Am Fuss des Taurusgebirges bauen mittlerweile 300 Kleinbauern ökologisch Rosen an. 2001 begannen sie auf Initiative von Weleda, auf Bio umzustellen. Weleda engagiert sich auch sozial im Anbaugebiet und unterstützt mit ihrem türkischen Partner einen Dorfkindergarten und eine Schule.

«Fast die Hälfte des Rosenöls in Bioqualität weltweit nehmen wir ab», sagt Braun. Rund 300 Mio Rosenblüten braucht der Konzern jährlich für die Produktion seiner Rosenkosmetik. «Wir machen die Preisschwankungen des Weltmarkts nicht mit, sondern garantieren feste Preise, die oft doppelt oder dreifach über dem Weltmarkt liegen», erklärt Braun. Rohstoffe gewinnt Weleda auch durch den Eigenanbau von Heilpflanzen.

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Die anthroposophisch orientierte Produktionsfirma profitiert selbst vom Bioboom. «Aus dem Nischenmarkt wurde ein Massenmarkt», so Braun. Weleda verkauft ihre Produkte bereits in über 50 Ländern. Letztes Jahr ist der Umsatz währungsbereinigt um 9,8% auf 352,7 Mio Fr. gewachsen. Und dieses Jahr setzt sich dieses Wachstum fort - trotz Rezession. «Das hat mit dem Vertrauen in unsere Marke zu tun», meint Braun. «Gerade in Krisenzeiten suchen Konsumenten hochstehende Produkte.»

Verluste mit Software

Trotz Wachstum hat sich der Erfolg letztes Jahr nicht in der Bilanz niedergeschlagen. Dort resultierte gar ein Verlust von 5,7 Mio Fr. Grund seien Probleme im Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Software in Deutschland gewesen. Das Problem sei aber behoben, sodass dieses Jahr wieder mit einem Gewinn gerechnet werden könne.

Braun ist froh, nicht wie ein börsenkotiertes Unternehmen auf Quartalszahlen schielen zu müssen. Ein Börsengang sei ausgeschlossen, meint er. Schliesslich gehört der Konzern je zu einem Drittel der gemeinnützigen Ita Wegman Klinik und der Allgemeinen Anthroposophi-schen Gesellschaft, die statutarisch einen Verkauf von Weleda zur Geldvermehrung ausschliessen.

Obwohl der Firmensitz in der Schweiz liegt, beträgt der Umsatz hierzulande nur 33 Mio Fr. - allerdings ist der Pro-Kopf-Umsatz in der Schweiz der höchste weltweit. Die Produkte werden in Apotheken, Drogerien, aber auch bei Coop, Manor und in Reformhäusern verkauft. Umsatzmässig der grösste Markt ist mit 150 Mio Fr. Deutschland.