AGRARROHSTOFFE.

Während den letzten 20 Jahren sind die Rohstoffpreise im Landwirtschaftsbereich praktisch ununterbrochen gefallen. Das hat sich in den vergangenen zwölf Monaten verändert. Die Nachfrage nach Agrarprodukten steigt, und damit gehen auch die Notierungen bei den Rohstoffen nach oben. Das interpretieren Fondsmanager und Analysten als untrügliches Zeichen für eine Aufwärtsbewegung, die sich für längere Zeit fortsetzen könnte. Die Finanzexperten verweisen auf den Vorlaufcharakter des Energie- und Edelmetallsektors. Seit 2002 sind die Preise für Metalle und Energie um 350 respektive 250% gestiegen. Bei den Agrarrohstoffen war in dieser Periode jedoch nur ein Sprung um 150% zu beobachten, und dies speziell im letzten Jahr. Für Jakob Schöchli, Senior Analyst bei Clariden Leu, ist deshalb «mit einem weiteren Anstieg zu rechnen».

Agrarökonomen, wie etwa Ludwig Theuvsen von der deutschen Universität Göttingen, geben sich allerdings zurückhaltender. Bei diesen Branchenexperten ist nur klar, dass der lang anhaltende Fall bei den realen Agrarrohstoffpreisen gestoppt wurde. Wie stark und in welchem Rhythmus die Preise für Getreide, Milchprodukte und andere Rohstoffe nun nach oben gehen, lassen sie aber offen. Schöchli argumentiert mit den begrenzten Ressourcen und einer steigenden Nachfrage. Gemäss Angaben der Uno wird die weltweite Bevölkerung bis 2050 von 6,6 auf 9,2 Mrd Menschen wachsen. Dazu kommen eine stärkere Urbanisierung und eine steigende Lebenserwartung. Mit dem gehobenen Wohlstand vermehrt sich überdies der Bedarf nach tierischem Eiweiss und proteinhaltigen Lebensmitteln. Auch ist absehbar, dass die zusätzlichen Menschen mehr Platz benötigen. Damit schrumpft die landwirtschaftliche Nutzfläche, wie das bereits heute in China zu beobachten ist.

Konkurrenzsituation

Ein weiteres Nachfragephänomen ist erst jüngst dazugekommen: Die Konkurrenz der Nahrungsmittelindustrie mit dem Bioenergiesektor. Nestlé-Chef Peter Brabeck hat sich wiederholt sehr kritisch über die von den USA forcierte Ethanolproduktion geäussert. Mit dieser Förderpolitik würden Agrarrohstoffe für die Lebensmittelherstellung verknappt und die Preise nach oben getrieben. In den USA wird jährlich rund ein Fünftel der Maisernte für die Produktion von Biodiesel verbraucht. «Die Entscheidung, ob man etwa aus Rapsöl Margarine oder Biodiesel herstellen soll, hängt stark von der Politik ab und ist somit ein anfälliger Faktor», sagt Agrarökonom Theuvsen. Insgesamt besteht bei den Treibstoffen jedoch eine Tendenz, die Abhängigkeit von den begrenzten Ölreserven zu reduzieren.Auf der Angebotsseite sind die Anbauflächen über die letzten Jahre hinweg konstant geblieben oder haben sich gar leicht verringert. Die zunehmende Verstädterung und eine laufende Verschlechterung der Bodenqualität durch den übermässigen Einsatz von Düngemitteln setzen der raschen Angebotsausweitung enge Grenzen. «Der Anstieg bei den Anbauflächen wird nur langsam voranschreiten», ist Analyst Schöchli überzeugt. Für die Anleger ergeben sich im Bereich der Agrarrohstoffe und der Lebensmittelproduzenten interessante Investitionsmöglichkeiten. Sinnvoll sind Engagements, die sich möglichst entlang der gesamten Wertschöpfungskette bewegen. Dazu gehören die Themen Landwirtschaft, Wasser, Ausrüster, Pflanzenschutz und Saatgut, Dünger, Verarbeiter und Nahrungsmittelproduzenten.

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