Erdgas kommt seit etwa 40 Jahren in immer gleicher Qualität zu den Schweizer Haushalten. Diese Qualität - Heizwert und Wobbezahl (steht für Brennerbelastung) - ist in den langfristigen Erdgasbezugs-Verträgen der Swissgas und der Regionalgesellschaften vertraglich festgehalten, wird laufend kontrolliert und schwankt höchstens in äusserst engen Grenzen.

Biogas aus Grüngut, Küchenabfällen, Speiseresten oder aus Kläranlagen hat je nach Quelle unterschiedliche Methangehalte (50-65 Prozent) und damit Heizwerte, plus viel nicht brennbares CO? sowie Schadstoffe wie schweflige Säure (bis 5000 ppm), Ammoniak (bis 500 ppm), Wasserdampf, Staub, Chlorverbindungen, Furane, und bei Klärgas sogar Siloxane, die wie Schleifmittel wirken. Zur Einspeisung ins Erdgasnetz muss das Biogas deshalb gereinigt und zu Erdgasqualität aufbereitet werden - 96 Prozent Methan ist die Vorgabe des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs in seinen Richtlinien dazu; Schwefel darf praktisch nicht vorkommen - der Qualitätsanspruch ist hoch. Weil hier Abfälle vergärt werden, ist Biogas klimaneutral und erneuerbar - ausser wir würden ab sofort keine kompostierbaren Abfälle mehr produzieren - auch kein Laub!

Zuerst nur für die Autos vorgesehen

Die schweizerische Gaswirtschaft reservierte anfänglich sämtliche anfallenden Biogasmengen für ihre Erdgas-Tankstellen, also fürs Autofahren. Die Mineralölsteuer-Reduktion für Erdgas zum Fahren, die sich an der Tankstelle so erfreulich auswirkt, basiert auf einer Verpflichtung der Gaswirtschaft, dem Erdgas zum Fahren immer mindestens 10 Prozent Biogas beizumischen.

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Weil das Biogas-Angebot laufend zunimmt - in den letzten Jahren wurden mehrere Biogas-Anlagen gebaut -, liegt der Biogas-Anteil zum Fahren heute bei zirka 20 Prozent. Letztes Jahr wurden 31,6 Millionen Kilowattstunden (kWh) Biogas abgegeben. Zum Vergleich: Der Endverbrauch an Erdgas betrug 32,7 Milliarden kWh.

Für die Erfassung der Biogasmengen und die Verrechnung an diejenigen Gasversorger, die ohne eigene Biogas-Produktion solches verkaufen, betreibt der Verband der Schweizerischen Gasindustrie eine Clearingstelle.

Erdgas Zürich in der Pionierrolle

Weil mehr Biogas verfügbar ist, als «verfahren» wird, lag der Gedanke nahe, dieses auch zum Heizen anzubieten. Dass die Erdgas Zürich AG hier Pionierarbeit leistet, liegt nicht nur an eigenen Biogas-Anlagen in Meilen und Volketswil und der Schweizer Vertretung eines deutschen Biogas-Aufbereitungssystems, sondern auch an den Stimmbürgern der Stadt Zürich, die dem Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft zustimmten.

Biogas für den Heizungsmarkt lancierte Erdgas Zürich an der Messe Bauen + Modernisieren 2009. Begleitend wurden Flyer gestreut, spezifische Kundenmailings kamen dazu sowie Rechnungsbeilagen; auch www.erdgaszuerich.ch behandelt seither das Thema. Im Oktober 2010 folgte erstmals ein TV-Spot auf «Tele Züri».

Mit elf Erdgasversorgern hat Erdgas Zürich weiter Verträge für Biogas-Lieferungen abgeschlossen, so in Aarau und Bern; weitere zehn werden demnächst unterschreiben. Die Erdgasversorger von Luzern, Solothurn, Winterthur und Zug verkaufen ebenfalls Biogas zum Heizen.

Als Nächstes kommt die Biogas Zürich

Ab 2013 sollen in Zürich die Küchenabfälle nicht mehr mit den übrigen Abfällen gesammelt werden, sondern zusammen mit Grünabfällen. Man rechnet mit 4000 Tonnen Küchenabfällen; zusammen mit den Gartenabfällen und Grüngut aus anderen Gemeinden sollen rund 25 000 Tonnen verwertet werden. Zusammen mit dem Klärgas aus der Kläranlage dürften rund 5,5 Millionen Kubikmeter aufbereitetes Biogas ins Erdgasnetz eingespeist werden - entsprechend dem Wärmebedarf von 5000 Wohnungen.

Für das Sammeln, Vergären und Aufbereiten des produzierten Biogases wird ein neues Unternehmen gegründet, die Biogas Zürich AG, zu 60 Prozent im Besitz von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) und zu 40 Prozent von Erdgas Zürich AG.

Ergänzend zur eigenen Produktion wird Erdgas Zürich AG in Zukunft auch Biogas aus Deutschland beziehen. Der positive behördliche Entscheid über die Anerkennung der Zertifizierung wird für Dezember 2010 erwartet.

Bürokratische Hemmnisse

Nun sollte man meinen, alle Behörden klatschen Beifall, wenn mit Biogas-Beimischung klimaschonend - oder mindestens teilweise, je nach Anteil im Erdgas - geheizt oder Strom in Wärmekraftkopplungsanlagen erzeugt wird. Fürs Klima ergibt sich teilweise oder gänzlich der Effekt einer Holzheizung, aber ohne deren Schadstoffe (Feinstaub, Stickoxid), und dies erst noch bei kleinerem Energieaufwand. Gaskessel erreichen Wirkungsgrade über 100 Prozent v. Hu, bei der Holzheizung sind 85 Prozent schon ein stolzer Wert. Dass das Biogas durch die Erdgasleitung zum Kunden kommt, ohne dass Lastwagen fahren, schadet der Umwelt gewiss auch nicht.

Wenn es nun aber darum geht, Biogas für die 20/80-Prozent-Regel der Energiegesetze (20 Prozent des Wärmeenergiebedarfs aus erneuerbarer Energie, höchstens 80 Prozent fossil) anzuerkennen, tun sich die Behörden bisher äusserst schwer. In keinem Kanton ist es anerkannt.

Es gibt sogar einen Kanton, dessen Beamte fordern, jeder müsse seine eigene Biogas-Leitung haben - von «seinem» Biogas-Lieferanten zu sich nach Hause. Man stelle sich das Leitungsgewirr im Boden vor; besonders, wenn nicht jeder vom gleichen Biogas-Lieferanten bezieht. Und die Baustellen! Und die Kosten! Die gleichen Leute finden Ökostrom (oder wie er immer heisst) selbstverständlich. Denn Strom kommt ja aus der Steckdose.