Wegen eines Importmoratoriums dürften Agro-treibstoffe hierzulande zur Mangelware werden. Eine parlamentarische Initiative, die verhindern will, dass Treibstoffe auf Kosten von Nahrungsmitteln hergestellt werden, ist Anfang Mai von der zuständigen Nationalratskommission klar angenommen worden (siehe Kasten).

Für den Schweizer Agrotreibstoffmarkt bedeutet ein Moratorium einen herben Schlag. Da letztes Jahr die einzige Produktionsstätte von Biotreibstoff in der Schweiz, die Borregaard Schweiz AG in Attisholz SO, geschlossen wurde, müssen Biotreibstoffautos mit Importsprit fahren. Wenn die Benzinpreise wieder anziehen und sich der Run auf Biotreibstoffe zuspitzt, wird die Versorgung schwierig.

Felix Stockar, Geschäftsführer von IG BioE (Schweizer Bioethanol), der einzig grossen Schweizer Agrotreibstoffverkäuferin, will die Initiative nicht verurteilen: «Das Moratorium hat eine Berechtigung, um den Import von Biotreibstoff und Rohstoffen, welche nicht hohe Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und auf Nahrungsmitteln wie Soja basieren, zu verhindern.»

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Keine Konkurrenz zur Nahrung

Das Bioethanol, welches an 50 E85-Tankstellen der IG BioE verkauft wird, wäre vom Moratorium ausgenommen. Es stammt aus Bioethanol, das in Schweden aus Holzabfällen hergestellt wird. Die Initiative will Treibstoffe aus Biogas und aus Abfällen der Lebensmittelherstellung, Land- und Forstwirtschaft ausnehmen - einerseits, weil die Rohstoffe keine Nahrungsmittel sind, und andererseits, weil die Ökobilanz solcher Abfalltreibstoffe deutlich besser ist als etwa jener aus Soja, Mais, Palmöl oder Raps. Das gute Abschneiden von Abfallsprit bestätigt eine Studie der Empa (siehe Grafik).

Pikant ist, dass der Bund im Zuge seiner Förderung von Bio-treibstoffen diese seit letztem Sommer von Steuern befreien kann. Das schwedische Bioethanol an den E85-Tankstellen ist bis 2013 steuerbefreit. Die Schweiz wollte mit der Steuerbefreiung im revidierten Mineralölsteuergesetz als weltweit erstes Land verbindliche ökologische Kriterien für die Förderung biogener Treibstoffe einführen. Doch inzwischen monieren nicht mehr nur Ökokreise, dass die Befreiungskriterien zu schwammig sind und die Schweiz indirekt zur Hungerkrise beitragen könnte. Die nationalrätliche Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie erachtet die energie- und umweltpolitischen Ziele der Initiative als erstrebenswert.

Der Initiant, SP-Nationalrat Rudolf Rechsteiner, versteht die Initiative als Reaktion auf die zunehmende harsche Kritik an den bereits jetzt absehbaren negativen Konsequenzen der boomenden Nachfrage nach Agrotreibstoffen in Industrieländern: «Es ist schlicht noch zu früh, um guten Gewissens auf die Treibstoffgewinnung aus Kulturpflanzen zu setzen.» Leider sei das kürzlich verabschiedete Mineralölsteuergesetz nicht ausreichend, um negative Auswirkungen zu verhindern, und stelle damit auch eine politische Förderung zum Teil fragwürdiger Treibstoffe dar. 2007 hat die Schweiz 12 Mio Fr. direkte oder indirekte Subventionen für die Produktion und den Konsum von Agrotreibstoffen aufgewendet. Dieser Betrag könnte sich in den nächsten Jahren auf 100 Mio Fr. erhöhen, wenn geplante Fabriken umgesetzt werden.

Diese liessen Stockar hoffen, schon bald wieder bei einem Schweizer Hersteller einkaufen zu können. Konkret handelt es sich um die erste Biostoffraffinerie der Schweiz in Delsberg JU und eine Biodiesel Anlage in Zurzach AG, welche von einer Gruppe von Investoren unter dem Namen Green Bio Energy, respektive Fuel ge-plant sind. Da sie aber als Rohstoff Jatropha (Mosambique) und Zuckerrohr (Brasilien) verwenden, welche unter das Moratorium fallen, sind Stockars Hoffnungen verflogen. «Das Moratoirum gefährdet die Investitionen», so Green Bio Fuel.

Keine erneuerbaren Alternativen

Für die Konsumenten interessant wird Bioethanol laut Stockar, wenn die Preisdifferenz zwischen konventionellem Benzin und Bioethanol bei 20 Rp. liegt - derzeit sind es 3 bis 4 Rp. Noch sei für Menschen hierzulande, welche mit erneuerbarer Energie fahren wollen, trotz vielen neuen Autoprojekten weltweit die Flexfuel-Technologie mit Bioethanol derzeit die einzige erschwingliche und realistische Option auf dem Markt.