Es war ein eindrücklicher Vortrag. An der Finanzkonferenz Offshore Alert in Miami erklärte der US-Anwalt Matthew Menchel, wie es ihm gelang, den ehemaligen UBS-Topshot Raoul Weil zu verteidigen. Weil wurde von der US-Justiz angeklagt, tausenden US-Kunden dabei geholfen zu haben, ihre Vermögen im Umfang von rund 20 Milliarden Dollar vor der US-Steuerbehörde zu verstecken. Im letzten Dezember wurde der ehemalige UBS-Banker freigesprochen.

Der Staatsanwaltschaft sei es laut Menchel nicht gelungen, stichhaltige Beweise für Weils Beteiligung an illegalen Praktiken zu finden – trotz zahlreicher Kronzeugen wie Ex-UBS-Mann Martin Liechti.

US-Justiz wollte Birkenfeld nicht als Zeugen

Als Menchel nach seinem Vortrag Fragen aus dem Publikum entgegennahm, meldete sich prompt UBS-Whistleblower Bradley Birkenfeld. Der hatte bis dahin den Vortrag aufmerksam aus der ersten Reihe verfolgt. Birkenfeld fragte, weshalb er nicht als Zeuge im Verfahren gegen Weil vorgeladen worden war, obwohl viele der Beweise von ihm stammen. Menchel antwortete, dass die Staatsanwaltschaft ihn nicht als Zeugen wollte.

Darauf platzte Birkenfeld der Kragen und er holte zu einem Monolog aus. Er habe zahlreiche Beweise, die von der Justiz ignoriert würden. Menchel fragte Birkenfeld, ob er aufs Podium kommen wolle. Der UBS-Whistleblower liess sich die Gelegenheit nicht nehmen und sprang auf die Bühne. Dort erklärte er, dass die US-Justiz kein Interesse daran hat, den Fall UBS wirklich zu verfolgen. Darum sei Weil auch frei gekommen.

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Birkenfeld wird nicht ruhen

Es sei unerklärlich, dass er der einzige Ex-UBS-Mann ist, der im Gefängnis landete. Denn wenn die Behörden in den USA den Fall wirklich aufrollen wollten, hätte das weitreichende Konsequenzen bis in die höchsten Kreise. Er werde nicht ruhen, bis die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.