Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Schweizer Klein- und Mittelbetriebe arbeiten derzeit fieberhaft daran, dass sich diese Redewendung nicht umkehrt.

Rechnungen stapeln sich, Löhne müssen bezahlt werden, Kurzarbeit steht bevor oder wird bereits umgesetzt. Die Angst vor den Unwägbarkeiten der Corona-Krise setzt KMU und Arbeitnehmenden zu.

HZ begleitet KMU durch die Krise

In Abständen erzählen die Chefs und Chefinnen von mittelständischen Unternehmen, wie sie die Corona-Krise bewältigen: Emch Aufzüge AG (Bern), Ernst Fischer AG (Romanshorn TG), Eiche Metzgerei (Basel), Brauerei Müller AG (Baden AG), Hotel und Bar Platzhirsch (Zürich), Fischer Reinach AG (Reinach AG),CEO Abionic SA (Epalinges VD), Mc Paperland (Tuggen SZ).

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie: «Brennt an allen Ecken»: Acht Firmen schildern ihren Weg durch die Krise»

Ob Lifthersteller, Metzger, Metallbauer oder Bierbrauer – die Themen reichen von Auftragsausfällen über mangelnde Personalauslastung bis hin zu Planungsproblemen. Notkredite zur Überbrückung, neue Geschäftsideen und ­Finanzreserven helfen derweil, sich ­einigermassen über Wasser zu halten.

Zweckoptimismus regiert

Gebannt ist die Konkursgefahr damit nicht. Auch – oder besonders – nicht nach erst einigen Wochen Krisenmodus bei den Schweizer KMU; aus dem Sprint wird noch ein Marathon.

Denn nur weil dringende Probleme für kurze Zeit gelöst werden können, schützt dies nicht vor neu aufkeimenden und noch viel grösseren Problemen: wenn Aufträge wegfallen, Produktionen heruntergefahren werden, Lieferketten unterbrochen sind und der Konsum wegbricht.

Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Im Moment sind sämtliche Unternehmen dermassen damit beschäftigt, ihren Betrieb am Laufen zu halten, dass keine Zeit für schlechte Stimmung bleibt. Der Zweckoptimismus herrscht noch vor. Nach dem Motto: Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben.

«Statt Montage ab ins Lager»

Bernhard Emch (CEO, links im Bild) und Hansjürg Emch (VRP), Emch Aufzüge AG, Bern

Emch-Aufzüge Bern
Quelle: Merlin Photography Ltd.

▶︎ Umgang mit der Krise: Noch hat der Lifthersteller keine Kurzarbeit eingeführt. Das Hauptproblem in diesen Tagen besteht eher darin, dass es Bereiche gibt, in denen zu viel Arbeit anfällt, und andere, wo sie fehlt. Bis jetzt konnte dies firmenintern ausgeglichen werden. «Statt auf der Montage arbeiten jetzt einige im Lager, wo wir wegen Ausfällen zwingend Leute brauchen», berichtet Hansjürg Emch (rechts im Bild).

Er ist Verwaltungsratspräsident des Berner Familienbetriebs, sein Bruder Bernhard (links im Bild) der Chef. Neben der internen Verschiebung bauen die gut 200 Angestellten Überstunden ab. Zudem gehören 10 Prozent der Belegschaft zur Risikogruppe und sind teilweise dank Arztzeugnis dispensiert (Kosten sind durch Erwerbsausfallentschädigung gedeckt). Trotzdem hat die Firma bei den Behörden vorsorglich Kurzarbeit angemeldet: «Wir wollen einfach bereit sein, falls sich die Lage verschlimmert.»

Mittelfristig ist man optimistisch, da verzögerte Lifteinbauten wohl im zweiten Halbjahr nachgeholt werden. Eine Eintrübung sei 2021 möglich: «Die Gefahr besteht, dass bei Kunden irgendwann die Planung von Projekten ins Stocken gerät und die Bautätigkeit abflaut», so Emch. (mba)

«Keine Lösung, nur eine Überbrückung»

Diana Gutjahr, Ernst Fischer AG, romanshorn TG

Diana Gutjahr von Ernst Fischer AG, aufgenommen am Dienstag, 24. Maerz 2020 in Romanshorn.
Quelle: Samuel Truempy

▶︎ Umgang mit der Krise: «Wir merken, dass Aufträge gestoppt wurden», sagt Diana Gutjahr, Mitinhaberin und Leiterin der Ernst Fischer AG. Was sich abzeichne, sei eine verzögerte Lieferkette. «Derzeit werden wir von unseren Lieferanten in Sicherheit gewogen, dass diese weiterhin liefern können.» Mit den expliziten Zusicherungen höre und spüre sie aber auch die Nervosität, dass das bald nicht mehr der Fall sein könnte.

Besonders betroffen sei die Baubranche. Die Ernst Fischer AG liefert Stahl- und Metallkonstruktionen für Industrie- und Gewerbebauten. «Wird die Bautätigkeit nicht aufrechterhalten, haben auch wir ein Problem.» Derzeit sei ihre Firma noch nicht auf Kurzarbeit oder Finanzhilfen angewiesen.

Staatshilfen seien aber «keine Lösung, sondern nur eine Überbrückung», warnt die SVP-Nationalrätin. Irritierend seien für sie Überlegungen von Politik und Gewerkschaft, Baustellen landesweit zu schliessen. «Das würde zur Vernichtung eines wesentlichen Wirtschaftszweigs führen.» (fib)

«Notreserven nicht antasten»

Karl Eiche, Eiche Metzgerei, Basel

Karl Eiche von der Eiche Metzgerei
Quelle: Roland Schmid

▶︎ Umgang mit der Krise: «Wir haben inzwischen eine Zusicherung der Versicherung, dass der Schaden während drei Monaten gedeckt ist», sagt Karl Eiche, Chef der Eiche Metzgerei in Basel.

Zuhanden der Wirtschaftsprüfer muss er nun dokumentieren, wie viel Umsatz ihm verloren geht. Vergangene Woche hat er bei seiner Bank ein Corona-Darlehen aufgenommen. «Mein Ziel ist, dieses Geld zur Überbrückung zu verwenden, sodass ich meine Notreserven nicht antasten muss.» (hec)

«Bis Ende Mai kommen wir durch»

Felix Meier, Brauerei Müller AG, Baden AG

Felix Meier der Brauerei Müller AG in Baden Aargau in seiner Brauerei
Quelle: Lukas Maeder

▶︎ Umgang mit der Krise: «Der neue Heimlieferdienst hat sich etabliert, die Leute haben extrem Freude», sagt Felix Meier von der Badener Brauerei Müller. Bereits seien etwa sechzig Privatkunden beliefert worden. Ein grosses Geschäft sei das nicht, aber man müsse bei den Konsumenten präsent bleiben.

Vorerst brauche er keinen Notkredit. «Wenn sich die Lage ab Ende Mai normalisiert, kommen wir mit unserer Liquiditätsplanung durch», so Meier. «Wenn ich aber höre, dass das bis in den August so weitergehen könnte, bekomme ich Hühnerhaut.» (hec)

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