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Schock
Bitcoin: Der Albtraum der Kritiker wird wahr

Eine der grössten Handelsplätze für die boomende Internetwährung ist verschwunden. Damit bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen der internationalen Aufseher. Die Bitcoin-Gemeinde beschwichtigt.

Von Mathias Ohanian
am 25.02.2014

Einer der grössten Handelspätze für Bitcoins ist verschwunden. Bereits vor zwei Wochen setzte MtGox den Handel mit der virtuellen Währung aus, nun lädt der Internetauftritt keine Daten mehr. Millionen Anleger rund um den Globus fürchten nun um ihr Geld: Werden die Betreiber von MtGox ihre Schulden jemals begleichen können? Und wie vertrauenswürdig sind andere Handelsplätze?

Dabei kommt der Schock nach dem lange anhaltenden Rausch – im vergangenen Jahr verhundertfachte sich der Wert des Bitcoin – keineswegs überraschend. Die Meldungen über Sicherheitsmängel häuften sich zuletzt. Bereits seit Wochen werden Aufsichtsbehörden rund um den Globus nicht müde, auf die Risiken der Internetwährung hinzuweisen. Auch in der Schweiz: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) betonte zuletzt immer wieder, dass die Währung ein Risiko für Verbraucher und Anleger darstelle – und der Kauf im schlimmsten Fall zum Totalverlust führen könnte. Genau dies droht nun Bitcoin-Investoren, die ihr Geld bei MtGox anlegten.

Aufruf von sechs führenden Bitcoin-Unternehmern

Ähnlich argumentierten andere grossen Notenbanken. Russland erklärte die virtuelle Währung zu Jahresbeginn als «illegal». Ähnliche Töne gibt es aus Frankreich und Skandinavien. Selbst in China drehte sich der Wind zuletzt zu Ungunsten des Bitcoin: Im Dezember verbot die Zentralbank Banken und Finanzdienstleistern, mit der virtuellen Währung Geschäfte zu machen. Dabei forcierte Peking lange Zeit den Aufschwung der Internetwährung und galt als wichtigster Begleiter des Bitcoin auf dem Weg zu einer Alternative zum heute existierenden Fiatgeld der Zentralbanken.

Es bleibt abzuwarten, ob sich der seit 2008 existierende Bitcoin von dem wohl grössten Schock seiner noch kurzen Geschichte erholen wird. Wichtige Unternehmer der Branche versuchen den Vertrauensschaden nach dem Zusammenbruch von MtGox zu begrenzen: In einer gemeinsamen Stellungnahme reagierten sechs Vertreter der Zunft – darunter mit Jesse Powell von Kraken oder Bobby Lee von BTC China auch Betreiber anderer Bitcoin-Börsen.

Lebenszeichen von MtGox

Wie in jeder neuen Branche gebe es auch im Umfeld von Bitcoins schwarze Schafe, schreiben sie. In dem öffentlichen Brief ist die Rede von einer «tragischen Verletzung des Vertrauens von MtGox-Nutzern». Und die Autoren beteuern: «Es gibt Hunderte von vertrauenswürdigen und verantwortungsvollen Firmen, die mit Bitcoins in Verbindung stehen.» Damit schliessen die Verfasser sich selbst natürlich mit ein.

Derweil gibt die Webseite von MtGox wieder Lebenszeichen von sich. In einem anderthalb zeiligen Schreiben an die Kunden teilen die Betreiber mit, angesichts der aktuellen Nachrichtenlage und der damit einhergehenden Auswirkungen auf die Geschäfte von MtGox vorerst keine Transaktionen zu tätigen – zum Schutze der Nutzer. Anleger sehen vorerst also nicht von ihrem Geld. «Wir werden die Lage genau beobachten und entsprechend reagieren», heisst es weiter.

Schweizer Bitcoin-Vereinigung: Mehr Regulierung wäre Fehler

Luzius Meisser, Präsident der ersten Schweizer Bitcoin-Vereinigung, wehrt sich auf seiner Blogseite gegen die Forderung nach mehr Regulierung im Bitcoin-Bereich. Einige Kritiker würden nun die mangelnde Regulierung für das Scheitern von Mt Gox verantwortlich machen. «Nichts könnte aber weiter von der Wahrheit entfernt sein», schreibt er in einer Stellungnahme – bereits heute sei die Regulierung sehr weit fortgeschritten.

Das Resultat: Es gibt zu wenig Handelsplätze für Bitcoins. «Das Debakel von MtGox wäre auf einem freien Markt nicht passiert», glaubt er. Allerdings, so sagt Meisser im Interview mit handelszeitung.ch, sei Mt. Gox «schon lange ein latentes Problem» für die gesamte Branche gewesen. Er kaufe seine Bitcoins heute bei einem europäischen Anbieter mit dem Namen Bitstamp.

Viele Bitcoin-Enthusiasten würden laut Meisser gerne selbst Handelsplätze aufmachen – werden heute von den Regulierern jedoch daran gehindert. Ob die Nachfrage nach solchen Bitcoin-Börsen sich nach dem MtGox-Desaster noch einmal erholt, ist derzeit aber fraglich.

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