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Wandel
Bitcoins erwachen in der harten Realität

Die virtuelle Währung erleidet erneut einen heftigen Kursrücksetzer. Zuvor musste der Handel an einer wichtigen Börse gestoppt werden. Der Bitcoin nimmt immer mehr Züge einer realen Währung an.

Von Dominic Benz
am 11.02.2014

Bitcoin-Besitzer brauchen starke Nerven. Der Kurswert der Online-Währung befindet sich auf Achterbahnfahrt: Am Montag brach er um über 20 Prozent von rund 681 auf gut 540 Dollar ein. Dies, nachdem die Währung während der letzten Woche zu rund 850 Dollar gehandelt wurde. Was war geschehen?

Dem Kurssturz vorangegangen war eine Mitteilung der in Tokio ansässigen und weltweit drittgrössten Bitcoin-Börse Mt. Gox: Das Unternehmen hatte bekannt gegeben, dass aufgrund einer technischen Panne der Handel unterbrochen werden musste. Kurz darauf räumte es einen Programmierfehler bei Überweisungen auf externe Konten ein.

«Ungewöhnliche Aktivitäten»

Eigentlich hätte das Problem am Montag behoben werden sollen. Mt. Gox teilte jedoch in einem Statement mit, man habe das Abheben von Barbeständen vorübergehend einstellen müssen.

Für Panik innerhalb der Bitcoin-Gemeinde sorgte letztlich die Aussage des japanischen Unternehmens, dass «ungewöhnliche Aktivitäten» in den Bitcoin-Brieftaschen festgestellt worden seien. Bestimmte Transaktionen müssten «genauer betrachtet» werden.

Turbulenzen sind symptomatisch

Laut der Mitteilung von Mt. Gox gebe es Mutationsfehler in den Brieftaschen. Demnach könnten Überweisungen von Brieftasche zu Brieftasche von Kunden ausgelöst werden, ohne eine Bestätigung zu erhalten. Der Kunde dürfte also die Transaktion erneut tätigen. Dieser Fehler könnte theoretisch dafür sorgen, dass Bitcoin-Bestände gestohlen oder doppelt abgebucht werden.

Die neuesten Turbulenzen sind symptomatisch für die seit Monaten boomende Online-Währung. In der Vergangenheit haben immer wieder extreme Kursrücksetzer den Besitzern von Bitcoins den Schweiss auf die Stirn getrieben. Starke Kurschwankungen prägen den Handel mit der Währung seit jeher.

«Bad news» werden wichtiger

Doch der jünste Einbruch lässt aufhorchen. Der Kurs der virtuellen Währung wird scheinbar nicht mehr ausschliesslich durch spekulative Käufe und Verkäufe  getrieben. Stärkeren Einfluss auf den Kursverlauf erhalten «bad news»: Damit verhält sich das Online-Geld zunehmend wie eine richtige Währung. Im vergangenen Jahr hatte sich der Preis für einen Bitcoin noch verhundertfacht – oft kletterte der Wert auch ohne neue Fakten.

Gerade in den letzten Tagen hatten jedoch negative Meldungen den Kurs immer wieder belastet. So etwa die Nachricht über die Betreiber einer Bitcoin-Börse, die wegen Geldwäsche und Beihilfe zum Drogenhandel verhaftet wurden. Dass der iPhone-Hersteller Apple sang- und klanglos eine der begehrtesten Bitcoin-Apps aus ihrem iTunes-Store verbannt hatte, stiess der Bitcoin-Gemeinde ebenso auf.

Schliesslich sackte der Kurse auch ab, als Moskau seine Abneigung gegenüber der Online-Währung formulierte: Bitcoins und andere Internetzahlungsmittel könnten zur Finanzierung von Terrorismus und zur Geldwäsche missbraucht werden. Die einzige legale Währung, so die Staatsanwaltschaft, bleibe der Rubel (siehe Bildergalerie).

Ernstzunehmende Alternativwährung

So reiht sich auch der Vorfall bei der japanischen Mt. Gox in die Flut solcher kursrelevanten Schlagzeilen ein. Die Bitcoin-Community setzt darauf, dass die Währung als ernstzunehmende Alternativwährung an Bedeutung gewinnt. Da können negative Nachrichten über illegale Machenschaften mit Bitcoins nur schaden.

 

 

 

 

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