Der beliebte Goldhase von Lindt lässt die Ohren hängen. Der Umsatz des Schokoladenkonzerns stagnierte im letzten Jahr bei 2,94 Mrd Fr. (Vorjahr: 2,946 Mrd Fr.). Das ist aussergewöhnlich, denn in den letzten Jahren war Lindt & Sprüngli stets gewachsen, und zwar im zweistelligen Bereich: 2007 betrug das Umsatzwachstum 13,9%, 2006 15,1% und 2005 immerhin 12,6%. Noch im August 2008 hoffte das Unternehmen auf ein Jahreswachstum von 8 bis 10%.

Immerhin: In Lokalwährung betrachtet sieht die Lage besser aus. Hier verzeichnete der Konzern 2008 ein Wachstum von 5,8%. Allerdings war das Wachstum in Lokalwährung ein Jahr zuvor noch doppelt so hoch.Auch der erfolgsverwöhnte Schokoladenkonzern ist in den Sog des Wirtschaftsabschwungs geraten. Tausende von Ladenschliessungen in den USA haben sich negativ ausgewirkt, denn die USA sind mit knapp einem Viertel des Umsatzes der grösste Markt des Schokoladenunternehmens. «Gelitten hat die eigene Ladenkette in den USA aufgrund der rückläufigen Besucherzahl in den Shopping-Malls, wo viele Läden, Cafés und Restaurants geschlossen wurden», schreibt das Unternehmen in der Medienmitteilung. In Grossbritannien haben wichtige Detailhandelspartner wie Woolworth aufgeben. In Deutschland spürt Lindt den Vormarsch der Harddiscounter Aldi und Lidl stark. In beiden Billig-Kanälen ist die Kilchberger Schokolade nicht vertreten. Und in Italien sind hunderte von privaten Confiserien und Fachgeschäften zahlungsunfähig geworden. Dazu kämpft Lindt auch noch gegen steigende Rohstoffpreise wie etwa beim Kakao.

Management verkauft Aktien

Der Aktienkurs ist stärker eingebrochen als der SMI. In den letzten sechs Monaten büsste der Lindt PS 29,9% ein, die Lindt Namensaktien 24,5%. Die happigen Aktienverkäufe des Managements Ende letzten Jahres haben auch nicht für Vertrauen gesorgt. Allein im November hatten Lindt-Manager Aktien im Wert von über 13 Mio Fr. veräussert.

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Der erfolgsverwöhnte CEO und Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner will keine Auskunft zu den Zahlen und zu den Aktienverkäufen geben. Bis zur Bilanzmedienkonferenz am 17. März wolle er sich dazu nicht äussern, heisst es von der Medienstelle. Dabei hätte man gerne erfahren, wie sich der Aktientaucher auf die Pensionskasse auswirkt. Denn Tanner führt nicht nur im Doppelmandat als CEO und Präsident, sondern präsidiert auch den Fonds für Pensionsergänzungen, den grössten Aktionär von Lindt & Sprüngli. Dieser besitzt 22,9% der Aktienstimmen.

Getrübte Aussichten

Jahr für Jahr hatte Tanner die Öffentlichkeit mit immer noch besseren Zahlen verblüfft. Doch die Aussichten des Unternehmens sind nicht mehr besonders verführerisch. Tanner meinte zwar stets, dass sich Konsumenten auch in schwierigen Zeiten hochwertige Schokolade leisten, doch offensichtlich reagieren sie preissensibler, als erwartet. Tanner wird es im Premiumsegment nicht einfach haben, die Konsumenten von seiner relativ teuren Schokolade zu überzeugen. Auch die Nervosität der Handelspartner und die Währungsschwankungen werden Lindt zu schaffen machen.Der Goldhase wartet nun, dass ihm der Aufschwung die Ohren wieder spitzt. Lindt ist nämlich zuversichtlich, «beim nächsten Konjunkturaufschwung zu den Gewinnern zu zählen».