Das Lob kam vor wenigen Tagen in Wien aus berufenem Mund. Aber es tönte ganz anders, als man sich im geldorientierten Kickersport sonst gewohnt ist. Michel Platini, Präsident des Europäischen Fussballverbandes UEFA: «Wir sind begeistert, dass uns Hublot im Kampf gegen den Rassismus unterstützt.» Ungewohnte und deshalb überraschende Töne also. Denn: Jean-Claude Biver (59), Swatch-Group-erprobter-Marketingmann mit der feinen Nase fürs Geschäft, verblüffte sowohl die UEFA wie die breite Fussballwelt mit einem geschickten Schachzug.

Hublot verschenkt Werbebanden

Biver: «Hublot, obwohl offizieller Sponsor der EM 08, verzichtet auf die Bandenwerbung und überlässt diese dem Projekt Unite Against Racism – Vereint gegen Rassismus.» Dabei handelt es sich gemäss Platini um eine Sensibilisierungskampagne mit Aktivitäten vor und während des Turniers, besonders bei den beiden Halbfinalpartien. Stossrichtung ist der Kampf gegen die Ausländerdiskriminierung und den Rassismus.

Statt Hublot wirbt auf den Banden rund ums Rasenspielfeld Unite Against Racism. Aber der Uhren-Gipfelstürmer aus Nyon geht nicht leer aus, obwohl er sich – mit Ausnahme einer marginalen Timkeeper-Präsenz auf den offiziellen Stadionanzeigen (Spielstand, Auswechslungen usw.) – der Anonymität verschrieben hat. Hublot zieht sozusagen doppelten Nutzen aus seinem sympathischen Vorgehen, schon heute, lange bevor die Fussball-Euphorie auf die beiden Austragungsländer Schweiz und Österreich überschwappt. Auf jeden Fall wurde Bivers Verzichtsidee schon im EM-Vorfeld ebenso beachtet wie beklatscht. Marketing à la Biver sei dies eben, ist aus der hiesigen Werbebranche anerkennend zu hören. Oder: «Gelernt ist gelernt.» Eine zweite PR-Welle wird Hublot anstossen, wenn ab Anfang Juni effektiv gekickt wird.

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EM-Uhr mit 2008er-Auflage

Ganz eigennützig handelt Biver dennoch nicht. Natürlich nutzt er den Sportspektakel zur Lancierung neuer Modelle. Die offizielle Schiedsrichteruhr gehört dazu, die am 17. April 2008 in Zürich vom Duo Platini-Biver vorgestellt und zur «Uhr ohne Preis» gekrönt wird. «Denn», so der frühere FC-Morges-Flügelstürmer Biver, «kaufen wird man diese Exklusivität nicht können. Sie wird allen Schiedsrichtern, entsprechend mit deren Namen graviert, als EM-Erinnerung geschenkt.»

Anders die offizielle EM-Uhr. Sie entstammt der Big-Bang-Familie, hat einen veritablen Durchmesser von 44,5 mm, ist aus poliertem, schwarzem Keramik, basiert auf einem Kaliber-HUB45-«Antrieb» und besitzt – ganz Fussball-like – ein 45-Minuten-Zählwerk mit automatischem Selbstaufzug. Auf dem Boden eingraviert ist der EM-Pokal. Die Auflage ist limitiert und nummeriert auf 2008 Stück. Ihr Grundpreis wird mutmasslich bei 14900 Fr. liegen.

Mit Mister Morgan im Auto

Im Fussball hat sich Biver bestens etabliert, bereits schwärmt er davon, für weitere Fussball-Kontinentalcups etwa in Südamerika oder in Afrika Big-Bang-Spezialauflagen zu lancieren. Überhaupt scheint das Erfolgsmodell vom Lac Léman noch längst nicht ausgereizt. Möglichkeiten der Diversifikation sind gegeben. Etwa mit einer Automarke! Was führt Biver im Schild, der am Autosalon in Genf kürzlich im Zweisitzer von Charles Morgan sass, dem Inhaber der legendären englischen Sportwagenmarke aus Malvern Link? Persönliche automobile Vorlieben des Mannes aus der Romandie sind es kaum gewesen, auch wenn sich Biver für den Geschäftserfolg 2007 durchaus als Bonus einen Morgan-Zweiplätzer gönnen könnte. Das vergangene Jahr schloss Hublot bei 177 Fr. Umsatz mit einem Gewinn von 34 Mio Fr. ab. Der Benefit entspricht ziemlich genau jenem Umsatz, den Biver antraf, als er vor vier Jahren das Steuer in Nyon übernommen hatte.

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