Smartwatches tangieren zwar nur das unterste Preissegment der Schweizer Uhrenindustrie. Jean-Claude Biver, Chef der Uhrendivision des Luxusgüterkonzerns LVMH, freut sich dennoch über den Erfolg der Tag Heuer Connected. Er glaubt, dass auch andere Firmen entsprechende Pläne in ihren Schubladen haben.

In Interviews mit der Wirtschaftszeitung «Finanz und Wirtschaft», der «Basler Zeitung» und der Westschweizer Zeitung «L'Agefi» vom Mittwoch äusserte sich Biver im Vorfeld der Eröffnung der Uhren- und Schmuckmesse «Baselworld » zum Thema Smartwatch und zur Lage der Uhrenindustrie. Als «grössten persönlichen Erfolg» seines Lebens bezeichnete Biver dabei die Smartwatch von Tag Heuer. Von der vor vier Monaten lancierten Connected seien bereits 20'000 Stück verkauft worden und deshalb könnten nun 40 neue Leute für die Produktion eingestellt werden.

Fulminanter Verkaufsstart

«Wir hatten mit 20'000 verkauften Stück für das ganze Jahr gerechnet», so Biver. Der CEO von Tag Heuer rechnet inzwischen damit, dass im laufenden Jahr noch 50'000 weitere Connected verkauft werden können. Für 2017 geht er von 200'000 verkauften Stück aus.

Mit der Connected hat Tag Heuer auf die Apple Watch reagiert. Aber andere Schweizer Uhrenfirmen warten noch zu. Für Biver ist es denn auch seine «grösste Sorge, dass die neue Konkurrenz in unserer Branche unterschätzt wird».

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Die Branche braucht die Masse

Smartwatches sind laut Biver «nicht ein Angriff auf die gesamte Schweizer Uhrenindustrie». 70 bis 80 Prozent des Branchenumsatzes liege in einem Preissegment, das durch diese nicht gefährdet sei. Die Apple Watch tangiere nur das unterste Segment der hiesigen Uhrenindustrie.

Dennoch gelte weiterhin, dass die Branche «auch die Masse» brauche. «Die Millionen Swatch-Uhren bringen Arbeit und Innovationen bei der Entwicklung und Forschung, die dann auch den Uhren im obersten Segment zugutekommen», betonte Biver. Er sei zuversichtlich, dass die Schweizer Uhrenindustrie doch noch reagieren werde und es bei anderen Marken entsprechende Pläne gebe. Aber «Schweizer Marken, deren Portfolio erst ab einem Preissegment von 5000 Franken beginnt, können keine Smartwatch lancieren», betonte Biver.

«Anpassungen» beim Label «Swiss Made»

Die Tag Heuer Connected läuft nicht unter dem Label «Swiss Made». Das Gehäuse, das Konzept, der Zusammenbau, das Band, die Marke stammen aus der Schweiz. Der Mikroprozessor und das Operating System mussten hingegen aufgrund des fehlenden Know-hows hierzulande im Ausland zugekauft werden.

Biver wünscht sich deshalb eine neue Regelung für Smartwatches. Um das Label zu erhalten, müssten seiner Meinung nach 60 Prozent des Werts der Uhren in der Schweiz hergestellt werden und der Prozessor sowie das Operating System dürften von aussen geholt werden.

Keine Krise

Laut Biver befindet sich die Schweizer Uhrenindustrie derzeit nicht in einer Krise, wohl aber in einer «schwierigen Periode». Auch wenn im Januar 2016 der Umsatzrückgang acht Prozent betragen habe, bedeute dies aber noch nicht, dass über das ganze Jahr mit einem Rückgang zu rechnen sei.

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Sollte es aber zu einer Krise kommen, dann aus politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gründen. Diese führten möglicherweise dazu, dass die Leute weniger Uhren kauften. «Aber es ist keine Krise der Uhrenindustrie», stellte Biver fest.

(sda/ise/ama)