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Wende
Biver verkauft Hublot-Uhren bald online

Hersteller von Luxusuhren haben bisher auf exklusiven Vertrieb gesetzt, jetzt wollen sie auch online verkaufen. Hublot-Chef Jean-Claude Biver sagt: «Es führt kein Weg am E-Commerce vorbei.»

Von Marcel Speiser
am 02.03.2016

Jean-Claude Biver, Präsident der Uhrenmarke Hublot und Uhrenchef von LVMH, will mit einer alten Tradition seiner Branche brechen. «Spätestens 2018 starten wir mit E-Commerce», sagt der Uhren-Zampano im Gespräch mit der «Handelszeitung». «Über Jahre haben die Marken auf selektive Distribution gesetzt und ihre Partner über Exklusivverträge an sich gebunden», erklärt Biver den E-Commerce-Rückstand der Schweizer Uhrenbranche. Die Exklusivverträge müssten die Firmen nun erst auslaufen lassen, bevor man selbst aktiv werde. «Klar aber ist: Es führt kein Weg an E-Commerce vorbei.»

Daniel Saynt, Chef von Socialyte, einer Beratungsfirma für Luxusgüter-Unternehmen, sagt es freundlich: «Im Gegensatz zu Luxus-Modehäusern oder Edel-Juwelieren gehört die Uhrenindustrie zu den Branchen, die am langsamsten ins digitale Zeitalter vorstossen.» Zwar gehören Marken wie Rolex, Omega und TAG Heuer zu den weltweit am häufigsten gegoogelten Uhrenmarken. Und alle pflegen aufwändige Internet-Auftritte. Nur kaufen kann man auf den Online-Seiten der Hersteller nichts. Ihr E-Commerce beschränkt sich darauf, ihr physisches Händlernetz abzubilden. Wer online eine «Oyster Perpetual» von Rolex erstehen will, läuft auf der Rolex-Website auf.

Transaktionen im Wert von 750 Millionen Euro

Tatsache ist, dass Luxusuhren bereits heute online verkauft werden – und zwar mit grossem Erfolg und in rasant steigenden Mengen. Allerdings nicht von den grossen Marken, sondern über Plattformen wie Chrono24. Dort buhlen fast 1300 Angebote um Kunden, über den führenden Online-Marktplatz für Luxusuhren wurden letztes Jahr Transaktionen im Wert von 750 Millionen Euro abgewickelt – 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Co-Chef Tim Stracke rechnet für dieses Jahr mit über 900 Millionen und will 2017 die Milliardengrenze durchbrechen.

Das sind Umsätze, die den Marken wenigstens zum Teil entgehen. «Es kommt mir vor wie vor 30 Jahren, als die billigen Quarz-Uhren aus Asien die Schweizer Hersteller aus dem ihrem Schlaf wecken mussten», sagt Stracke. «Heute erleben die Marken einen digitalen Quarz-Moment.»

«Leidensdruck ist noch viel zu klein»

«Die grossen Schweizer Uhrenmarken sind Gefangene der Tradition. Und sie sind Gefangene ihres Erfolgs», analysiert Stracke. Man dürfte nicht vergessen, dass die Schweizer Uhrenindustrie 2015 das drittbeste Jahr der Geschichte hingelegt habe. «Der Leidensdruck in der Branche ist noch viel zu klein.»

Immerhin beobachtet er, dass die Branche dabei ist, aufzuwachen. «Wir standen in den letzten sechs Monaten mit vielen Firmenchfs  von Schweizer Marken in Kontakt, die mit uns über eine Kooperation sprechen wollten.» Details will Stracke nicht verraten, viele Formen der Zusammenarbeit seien denkbar. Etwa auch Shop-in-Shop-Modelle für spezifische Marken auf der Chrono24-Plattform.

«Rolex ist der Vatikan. Er bestimmt die Regeln selbst»

Daniel Dreifuss, Gründer und Inhaber der Zürcher Luxus-Uhrenmarke Maurice de Mauriac, bietet seine Zeitmesser bereits online an. «Wir bekommen Bestellungen aus der ganzen Welt», sagt er. «Obwohl wir ja nur ein ‹local hero› sind.» Für ihn ist klar, wer verlieren wird, wenn die grossen Marken voll auf E-Commerce setzen: «Online wird die Wiederverkäufer zerstören.» Und wie erklärt er sich dann, dass Branchen-Riesen wie Rolex nicht längst voll auf online setzen? «Rolex ist der Vatikan. Er bestimmt die Regeln selbst.»

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