Mit dem Luxusgüter-Konzern Louis Vuitton Moët Hennessy (LVMH) und damit der Sicherheit im Rücken lässt es sich am besten frei und unabhängig arbeiten. «Zum Wohle von Hublot», bestätigt denn auch ihr CEO Jean-Claude Biver (59), «denn unsere Ziele sind weiteres Wachstum und unternehmerische Kontinuität.» Bei LVMH füllt Hublot jene Lücke im Uhrenmarken-Portfolio, zu dem die Brands Dior, Louis Vuitton, TAG Heuer und Zenith gehören, die der Verkauf von Ebel im Januar 2004 an die Movado-Gruppe hinterlassen hat.

Verkauf lag in der Luft

Welche Synergien geschaffen werden können, muss und wird die Zukunft zeigen. «Auf jeden Fall», so Biver, «werden die vorerst eher pragmatischer Natur sein.» Will heissen, die Nutzung der weltweiten Vertriebsorganisation und gemeinsamer Einkauf von Anzeigenflächen in der internationalen Medienbranche. Alles andere wird sich zeigen. Pläne hat Biver genügend. Bis 2013 sollen die Stückzahlen auf 40000 Uhren klettern und Hublot Einnahmen von 500 Mio Fr. bescheren. Bleibt es bei der Umsatzrendite von heute zirka 20%, hat LVMH in der Tat ein gutes Geschäft gemacht.

Am Ende ging dann alles doch sehr schnell. Wie bei Biver eben üblich. Nur der Inhalt überraschte. «LVMH hat Hublot gekauft. Jean-Claude-Biver bleibt an Bord» – so die erste Mitteilung letzte Woche. Dass sich allerdings an den Hublot-Eigentumsverhältnissen über kurz oder lang etwas ändern könnte, hatten die Spatzen schon länger von den Dächern gepfiffen. Der Luxemburger Biver erwarb nach seinem Einstieg bei der dümpelnden Uhrenmarke im Jahr 2004 zunächst 10% und später weitere 10% des Aktienkapitals, der Italiener Carlo Crocco behielt den Rest und damit die Kontrollmehrheit. Liebend gerne hätte Biver das ganze Unternehmen gekauft, doch Crocco verlangte abschreckende 200 Mio Fr. für eine Uhrenmarke, die 2004 bei 29 Mio Fr. Jahresumsatz deren 2 Mio Fr. Verlust geschrieben hatte.

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Biver kann mit LVMH leben

Angesichts dieser Situation musste selbst Biver, von Natur aus unverbesserlicher Optimist, Croccos Offerte dankend ablehnen. «Ich habe ihm damals vorgerechnet, dass die Relation hinten und vorne nicht stimmt, aber Crocco hat nur geantwortet, dass Hublot für ihn eben 200 Mio Fr. wert sei.»

Was sich danach abspielte, kann im Grunde genommen nur als Fluch der guten Tat gewertet werden. Unter Bivers Ägide entwickelten sich Umsatz und Gewinn extrem positiv. 2005 löste Hublot 38 Mio Fr. Der Verlust halbierte sich. Mit der Lancierung der Uhrenlinie Big Bang 2006 explodierten die Zahlen förmlich. Umsatz 83 Mio Fr., Gewinn 14 Mio Fr. 2007 waren es bereits 151 Mio Fr. bei 31 Mio Fr. Gewinn. Und für 2008 sind rund 40 Mio Fr. Gewinn aus 220 bis 240 Mio Fr. Umsatz geplant.

Zunächst einmal blieb Crocco bei seiner Kaufpreisofferte an Biver. Als der dem Mehrheitseigner im vergangenen Jahr seine Fünfjahresprognose und das Angebot unterbreitete, Hublot für die genannte Summe erwerben zu wollen, wandte sich Crocco mit dem vorgelegten Zahlenwerk an seine Hausbank. Die meinte, dass 200 Mio Fr. angesichts zu erwartender Gewinne in Höhe von jährlich 40 Mio Fr. deutlich zu wenig seien. Das Doppelte sei auf jeden Fall angemessen. Da musste Biver passen. «Meine Arbeit der zurückliegenden Jahre hätte ich ja noch doppelt bezahlt. Aber warum sollte ich für meinen künftigen Job nochmals 200 Mio Fr. auf den Tisch legen? Ganz abgesehen davon, dass dieser Betrag meine Möglichkeiten überstieg.»

Die Vertragsunterzeichnung fand letzte Woche unter dem Vorbehalt statt, dass die Kartellbehörden in Deutschland, Italien und Spanien ihr Plazet erteilen. Doch das dürfte angesichts des breit aufgestellten Luxusuhrenmarkts mit jeder Menge Konkurrenz nur eine Formsache sein. Über den Kaufpreis schweigt man sich offiziell aus. Doch er dürfte sich irgendwo zwischen 480 und 500 Mio Fr. bewegen. Damit füllt sich auch das Konto von Jean-Claude Biver um einen ansehnlichen Betrag in Höhe von 20% der Kaufsumme.