«Handelszeitung Online»: Für die Basler Kantonalbank (BKB) geht ein äusserst turbulentes Jahr zu Ende. Was bleibt unter dem Strich haften?
Guy Lachappelle: Die Bank wurde in diesem sehr anspruchsvollen Jahr neben dem Steuerstreit mit den USA auch noch mit den Vorkommnissen rund um die ASE Investment AG in ihrem Selbstverständnis getroffen. Ich glaube aber sagen zu dürfen, wir haben mit den beschlossenen Massnahmen unsere Lehren gezogen.

Aber die Geschichten sind noch nicht vom Tisch.
Nein, es ist noch nicht alles erledigt – die richtigen Weichen für die Zukunft wurden aber gestellt. Lassen Sie mich einen Vergleich mit einem Boxer in der 12. Runde ziehen: Wir haben Fehler gemacht und «harte Schläge» einstecken müssen - aber wir werden stärker zurückkommen.

Zuletzt gab es Aufregung um einen Whistleblower, der bei der Finma den Antrag auf Gewährsprüfung bei der BKB gestellt hat - und behauptete, der «Fall ASE» sei nur die Spitze des Eisberges. Steigt im gegenwärtigen Spannungsfeld die Bereitschaft aktueller und ehemaliger Mitarbeiter, den Arbeitgeber anzuschwärzen?
Der ehemalige Mitarbeiter hat in jüngster Zeit etliche Male Vorwürfe verschiedenster Art gegen die BKB erhoben. Diese Vorwürfe hätten ihren Grund jeweils in der Zeit gehabt, als dieser bei der BKB tätig war – also vor mehr als zehn Jahren. In dieser Form sicher ein Ausnahmefall. Generell besteht derzeit die Möglichkeit, dass eine vermeintliche Schwäche der BKB ausgenutzt wird – um unseres Erachtens – unberechtigte Individualinteressen durchzusetzen. Dazu werden teilweise auch die Medien instrumentalisiert.

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Wie gross ist das Risiko, dass eines Tages bei einem deutschen Steueramt eine Daten-CD aus dem Hause BKB auftaucht?
Die Gewährleistung der Datensicherheit ist eine Daueraufgabe. Zur Verhinderung von Datenverlust haben wir zusätzliche Massnahmen umgesetzt. Weiter sind wir zum Beispiel dabei, den Zugriff auf die Adressexportfunktionen rigoros einzuschränken und auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Trotz des erhöhten Sicherheitsdispositivs bleibt das grösste Risiko allerdings der Faktor Mensch. Wenn ein Mitarbeiter Daten stehlen will, gibt es keine 100-prozentige Sicherheit.

Das Steuerabkommen ist gescheitert: Was bedeutet das für Ihre Bank, die durch ihre Grenznähe natürlich auf dem Radar der deutschen Kundschaft auftaucht?
Es ist bedauerlich, dass dieses Abkommen mit Deutschland nicht zustande gekommen ist. Kurzfristig bleibt es beim Status Quo. Die bereits 2011 gelebte Weissgeldstrategie der BKB wird noch stärker vorangetrieben und konsequent umgesetzt.

Wäre für die BKB im Falle von Deutschland der «Automatische Informationsaustausch» eine gangbare Alternative?
Es ist nicht an uns dem nun folgenden politischen Diskurs vorzugreifen. Mit der schnellen und konsequenten Umsetzung unserer Weissgeldstrategie sind wir auf alle Optionen gut vorbereitet.

Inwieweit darf man nach den Turbulenzen rund um die BKB in Zürich die Strategie einer regionalen Expansion als gescheitert bezeichnen?
Es trifft zu, dass Fehler in der Filiale Zürich gemacht wurden. Wir haben inzwischen harte und weitreichende Massnahmen umgesetzt, um die Tätigkeit des Standortes Zürich signifikant einzuschränken respektive neu zu fokussieren. Die Bank kann mit diesem zusätzlichen Standort einen grösseren interessanten Kundenkreis ansprechen. Trotz des angepassten Risikoprofils erwirtschaften wir nach wie vor gute Erträge, die der Bank zu Gute kommen. Wir sind deshalb überzeugt, dass wir mit der neuen Führung und den Anpassungen die notwendigen Lehren gezogen haben.

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Ist es nicht ohnehin so, dass die «grenzüberschreitenden» Aktivitäten dem ursprünglichen Gedanken der Kantonalbanken widersprechen?
Man muss sich bewusst sein, dass eine geografische Beschränkung auf den Kanton Basel-Stadt die Geschäftstätigkeit und das Ertragspotential massiv beschränken würde. Wir bewegen uns hier in einem der wichtigsten Wirtschaftsstandorte der Schweiz. In diesem Sinne ist die BKB eine Bank für private und kommerzielle Kunden mit verschiedenen Ansprüchen. Gerade deswegen hat man sich in der Vergangenheit entschieden, über das traditionelle Privatkundengeschäft hinaus auch überregional in den Segmenten Private Banking, Institutionelle, Banken aber auch grosse Firmenkunden tätig zu sein. Wichtig ist dabei die sorgfältige Risikoabwägung – hier haben wir uns massiv verstärkt.

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Wo steht die Aufarbeitung des ASE-Falls aktuell?
Wir haben gesagt, dass wir den betroffenen Kunden eine faire Verhandlungslösung offerieren.

Mit anderen Worten: Die betroffenen Kunden müssen Abstriche machen.
Eine Schadensübernahme zu 100 Prozent wäre nach unserer Überzeugung völlig unangemessen und würde die Eigenverantwortung der Kunden und die rechtlichen Rahmenbedingungen vollständig ausblenden. So haben die Kunden der ASE mit einer Verwaltungsvollmacht den Auftrag erteilt, ihr Vermögen zu verwalten – und ihnen auch die Kontoauszüge zuzustellen. Die Kunden haben auch unterschriftlich anerkannt, dass die BKB die ASE nicht überwachen wird.

Wie will die BKB das Geschäft mit externen Vermögensverwaltern künftig betreiben, ohne erneut in eine Falle zu tappen?
Für bestehende und neue externe Vermögensverwalter haben wir ein verschärftes Aufnahme- und Prüfverfahren eingeführt. Dies hatte zur Folge, dass sich die Bank inzwischen von mehreren Externen Vermögensverwaltern trennte. Im Branchenvergleich setzte die BKB die strengsten Auflagen für die Zusammenarbeit mit Externen Vermögensverwaltern um.

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Ein weiteres Problemfeld sind die USA: Geben Sie doch auch hier ein kurzes Update?
Die Basler Kantonalbank steht mit den amerikanischen Behörden in einem konstruktiven Dialog. Die Banken können den Konflikt aber nicht in eigener Regie lösen, da die direkte Herausgabe von Kundendaten in der Schweiz strafbar ist. Die Lösung kann deshalb nur auf Regierungsebene gefunden werden. Kunden, die in den USA Steuern hinterzogen haben, sollen sich nicht zu ihrem Schutze auf die Rechtssicherheit und das Bankgeheimnis der Schweiz berufen dürfen.

Inwieweit lässt sich dies, was finanziell auf die BKB zukommen könnte, schon quantifizieren?
Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich nicht beurteilen, ob, wann und gegebenenfalls in welcher Höhe finanzielle Leistungen der BKB in diesem Zusammenhang anfallen werden.

In der Region Basel wird lauter als auch schon eine Fusion zwischen den beiden Halbkantonen diskutiert - das würde auch ein Zusammengehen von BKB und BLKB bedeuten.
Die Diskussion ist sachlich und emotionslos anzugehen. Es gilt nach dem Kosten/Nutzen-Grundsatz die Vorteile und die Nachteile gegeneinander abzuwägen. Im täglichen Leben hat die Fusion bereits stattgefunden – und zwar in der gesamten Region Nordwestschweiz. Ich unterstütze jede Lösung die Basel und der Region zusätzlichen Nutzen bringt. Ich gehe davon aus, dass dem so wäre.

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Ein Bericht in der «Handelszeitung» zeigt, dass 12 Prozent aller Hypotheken in der Schweiz Ramsch sind. Wie gross ist Ihre Angst vor der Immobilienblase - speziell auch mit Blick auf die Region Nordwestschweiz?
 Dank des geringen Anteils an spekulativen Immobilienkäufen bewegt sich der Wohnungsmarkt nicht in Richtung einer schweizweiten Blase sondern in eine nachfragegetriebene Überbewertung. In der Region Basel waren in den vergangenen Jahren jährliche Preissteigerungsraten zwischen 3 und 6 Prozent zu beobachten, die auch den Durchschnittswachstumsraten in der Gesamtschweiz entsprechen. Insbesondere die in der Region ansässigen grossen Pharmaunternehmen haben in den letzten Jahren als Magnet für Zuzüger gewirkt und die Immobiliennachfrage auf einem hohen Niveau gehalten. Nichtsdestotrotz sind wir in der Hypothekenvergabe seit Anfang Jahr so strikt wie schon lange nicht mehr und sind gezielt auf die Bremse getreten.

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Welche Schlagzeile zur BKB lesen wir Ende 2013?
«I like BKB» - und ich werde alles daran setzen, dass wir dies lesen werden.