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Krise
Blackout der Schweizer Stromkonzerne

In den letzten vier Jahren hat die Schweizer Stromwirtschaft über 10 Milliarden Franken abgeschrieben. Die Riesensumme war erst der Anfang.

Von Marc Gusewski
am 28.01.2015

Über zwei Milliarden investiert der Stromkonzern Axpo in das Bauvorhaben der Superlative im Glarnerland. Als der Entscheid für «Linthal 2015» fiel, sah die Stromwelt noch völlig anders aus. Der vormalige Axpo-Chef und heutige Economiesuisse- Präsident Heinz Karrer sagte vor gut einem Jahr: «Wir überprüfen den Entscheid jedes Jahr und würden ihn auch jedes Jahr wieder so fällen.» Gleichwohl zwingt der anhaltend tiefe Strompreis die hauptsächlich im Inland tätigen Stromproduzenten, ihre Werke den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend zu bewerten.

Erschwerend kommt der Euro-Kurs hinzu. Zugleich verbilligt sich der aus der Euro-Zone importierte Strom und sorgt für Druck auf die Elektrizitätspreise. Was das für die Aktionäre der Stromwirtschaft heisst, darüber beginnen Kantone und Städte nun nachzudenken. Dabei kommt Axpo-Verwaltungsratspräsident Robert Lombardini den Kantonen nicht zu Hilfe, wie er selbst sagt. Unterdessen haben sich Regierungsvertreter der Nordostschweizer Kantone – Aargau, die beiden Appenzell, Glarus, Schaffhausen, St. Gallen, Thurgau, Zug und Zürich –, welche Anteile an der Axpo halten, zu einer Aussprache verabredet.

Niemand wollte die Blase sehen, die sich füllte

Es geht um Strompolitik in der Energiewende und die von ihnen kontrollierte Axpo-Gruppe, die im Dezember mit einem Rekordabschreiber von 1,5 Milliarden Schlagzeilen machte. Die Axpo-Gruppe wird gebildet aus den früheren Nordost-schweizerischen Kraftwerken ( NOK), der europaweit tätigen Stromhändlerin EGL (heute Axpo Trading AXTA) sowie der Innerschweizer CKW. Doch in den Köpfen der Eigentümervertreter spukt nur ein Satz von Mitte Dezember herum: «Der Verwaltungsrat wird vorschlagen, auf die Ausschüttung einer Dividende zu verzichten.»

Die Axpo ist nicht alleine. Alle Konzerne mussten massive Abschreiber vornehmen (siehe Bildergalerie oben). Doch wie kam es zum gigantischen Korrekturbedarfbei den schweizerischen Stromhändlern? Der frühere Alpiq-Chefbuchhalter Kurt Baumgartner meinte 2012 selbstkritisch: «Schliesslich gibt mir zu denken, dass wir in der Energiewirtschaft die Boomjahre 2000 bis 2008 europaweit als Anbruch eines neuen Zeitalters beurteilt haben und nicht erkannten, dass es sich um eine Blase handelte. Diese Fehleinschätzung holt uns alle heute schmerzhaft ein.»

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