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Fifa
Blatter: «Fast hätte man mich umgebracht»

Sepp Blatter: Wieder im Kampfmodus.   Keystone

Der gestürzte Fifa-Präsident hat nichts von seiner Kampfeslust verloren. Er wird den Weltverband und den Deutschen Fussballbund sicher noch länger begleiten.

Von Christian Bütikofer
am 14.12.2015

Es ist still geworden um Joseph Blatter, den ehemaligen König des Weltfussballs. Er hat keinen Zutritt mehr zur Fifa-Zentrale in Zürich, sein E-Mail-Konto wurde dort gesperrt, nur der Privatchauffeur ist ihm noch geblieben.

Kürzlich gewährte der suspendierte Fifa-Chef dem deutschen Nachrichtenmagazin «Spiegel» dennoch eine Audienz. Dabei äusserte er sich über die kontroversen Geschäfte beim Deutschen Fussballverband ebenso klar wie zu seinem Verhältnis zu Franz Beckenbauer und seinem Vorgehen gegen die Ethikkommission der Fifa.

Beckenbauer-Story «absurd»

Die Version von Franz Beckenbauer, damals Chef des Organisationskomitees für die WM 2006, er habe der Fifa 6,7 Millionen Euro zahlen müssen, um im Gegenzug einen Finanzierungszuschuss in der Höhe von 170 Millionen Euro zu erhalten, bestreitet Blatter vehement: «Sowas gibt es bei der Fifa nicht. Das ist nicht das Vorgehen der Fifa», wird Blatter in dem Interview zitiert. Die Version von Beckenbauer und seinen Getreuen sei geradezu «absurd».

Warum sich die Fifa denn nicht gegen diese Aussagen Beckenbauers wehre, wollten die Journalisten wissen. Dazu meinte Blatter: «Die Fifa ist derzeit ohne Führung. Ich hätte dafür gesorgt, dass sich der Weltverband wehrt. (...) Diesen Fall muss der DFB aufklären. Da muss es doch Dokumente geben, was es mit dem Geld wirklich auf sich hat.»

Erinnerungen ans Mittelalter

Blatter bietet dem DFB sogar Hilfe des Verbandes an: «Wenn es beim DFB keine Dokumente mehr gibt, dann sollten die mal an die Fifa herantreten und das vernünftig aufarbeiten.»

Blatter fühlt sich zudem als Opfer: «Was mit mir getrieben wird, ist eine Hexenjagd. (...) Ich habe nie Geld genommen, das ich nicht verdient habe. Trotzdem werde ich vorverurteilt. Das ist Inquisition. Das ist böse. Fast hätte man mich damit umgebracht.»

«Was mit mir passiert, ist falsch»

Blatter offenbart in dem Interview auch eine kürzlich überstandene Krankheit: «Ich lag auf der Intensivstation. Mein Immunsystem war zusammengebrochen. Als es mir wieder besser ging, sagte der behandelnde Arzt zu mir: «Wissen Sie, dass Sie von sehr weit weg kommen?»

Nun fühle er sich wieder fit. Und verknüpft diesen Satz mit dem nächsten Versprechen an seine Gegner: «Ich werde mich verteidigen, gegen all dies Vorwürfe, die es gibt.» Denn: «Was mit mir passiert, ist falsch. Man kann im Fussball Spieler, Trainer, Schiedsrichter suspendieren, aber doch nicht den Präsidenten der Fifa. (...) Der Präsident ist vom Kongress gewählt – wie der Präsident eines demokratischen Staatens.»

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