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Blatter-Rücktritt: «Die richtige Entscheidung»

In der Schweiz sind die Reaktionen recht verhalten, international herrscht Freude über den Rücktritt von Sepp Blatter. Eine Übersicht.

Veröffentlicht am 03.06.2015

Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl als Fifa-Präsident hat Joseph Blatter dem Druck nachgegeben. Der 79-jährige Walliser kündigte am Dienstagabend an, er trete von der Spitze des skandalgeschüttelten Weltfussballverbands zurück. Kurz darauf bestätigte die US-Justiz, dass das FBI gegen Blatter ermittelt.

Die Reaktionen auf den Entscheid Blatter fielen recht unterschiedlich aus, obwohl Freude überwog. In der Schweiz gab es allerdings auch Zurückhaltung. Eine Übersicht über die Ankündigung Blatters, einen Nachfolger wählen zu lassen (prominente Stimmen siehe Bildergalerie oben).

«Es brauchte Zeit»

Nachdem Verteidigungsminister Ueli Maurer den scheidenden Fifa-Präsidenten vergangene Woche noch gestützt hatte, nahm der Bundesrat vorerst keine Stellung zum angekündigten Rücktritt. Maurer hatte am Fifa-Kongress in Zürich gesagt, es gehe nicht an, Blatter zum Sündenbock zu stempeln. Dieser habe «Hervorragendes» für den Fussball geleistet.

Zu Wort meldete sich am Dienstagabend dafür der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga: «Es brauchte seine Zeit, bis Sepp Blatter bewusst wurde, dass er das Problem ist!», schrieb Sommaruga auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Der Fifa-Kritiker und Parteikollege Sommarugas, Cédric Wermuth, äusserte auf Anfrage der sda zwei mögliche Interpretationen zu den Gründen des Rücktritts: Entweder sei Blatter zur Überzeugung gelangt, dass seine Person die nötigen Reformen verunmögliche. Oder aber der Rücktritt des Wallisers hänge mit allfälligen weiteren Verfahren zusammen – «das wäre dramatisch».

Härteres Vorgehen gegen Korruption

Wermuths Partei hatte nach den Vorkommnissen von vergangener Woche mit Verhaftungen mehrerer Fifa-Funktionäre ein härteres Vorgehen gegen Korruption und Bestechung gefordert. Ausserdem müssten der Status der Fifa als Verein und die damit zusammenhängenden Steuerprivilegien in Frage gestellt werden. «Diese Forderungen bleiben unabhängig von der Person an der Spitze bestehen«, sagte der Aargauer Nationalrat. Blatter sei nicht das alleinige Problem gewesen - «er war aber auch nicht die Lösung».

Blatters Rücktritt provozierte auch im Ausland zahlreiche Reaktionen. Uefa-Präsident Michel Platini, der Blatter einen Tag vor dessen erneuter Wahl den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüsste Blatters Schritt: «Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung«, erklärte Platini in einer schriftlichen Stellungnahme.

Im Visier der US-Justiz

Unklar ist, was juristisch auf Blatter zukommt. Die Bundesanwaltschaft (BA) plant zwar weiterhin kein Verfahren gegen Blatter. Der Rücktritt als Fifa-Präsident habe darauf keinen Einfluss. Das laufende Strafverfahren wegen Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und der Geldwäscherei sei gegen unbekannt eröffnet worden. Weitergehend äussere sich die BA nicht.

In den vergangenen Tagen war gemutmasst worden, dass Blatter nach den Verhaftungen mehrerer Fifa-Funktionäre ebenfalls im Visier der US-Behörden stehen könnte. Dazu machte der scheidende Präsident vor den Medien keine Angaben. Laut dem US-Sender ABC ermittelt die US-Bundespolizei FBI gegen Blatter. Mehrere Vertreter der US-Strafermittlung hätten dies bestätigt, berichtet die «New York Times». Diese hoffen nun auf die Kooperation der Fifa in der Untersuchung.

(sda/me)

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