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Kriminell
Blatter verkaufte TV-Rechte weit unter Wert

Sepp Blatter: Der Fifa-Chef beteuerte stets, ein sauberer Geschäftsmann zu sein. Keystone

Sepp Blatter beteuerte stets, nichts mit korrupten Machenschaften zu tun zu haben. Die neuen Vorwürfe, wonach der Fifa-Chef TV-Rechte weit unter Preis verkaufte, wiegen aber sehr schwer.

Veröffentlicht am 12.09.2015

Fifa-Präsident Sepp Blatter hat 2005 TV-Übertragungsrechte für 600'000 Dollar an den Präsidenten des karibischen Fussballverbands, Jack Warner, verkauft. Das geht aus einem Vertrag hervor, den die Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens SRF veröffentlichte.

Dieser Preis dürfte weit unter dem Marktwert liegen. Gemäss dem in der Sendung am Freitagabend gezeigten Dokument verkaufte Blatter die Übertragungsrechte für die WM in Südafrika für 250'000 Dollar an Warner, die Übertragungsrechte für Brasilien gingen für 350'000 Dollar an Warner, der zu diesem Zeitpunkt auch Fifa-Vizepräsident und Präsident des Verbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCAF) war.

Blatters Unterschrift

Gemäss den auch auf der Internetseite von SRF veröffentlichten Dokumenten wurde der Vertrag am 12. September 2005 einzig von Blatter für die Fifa und von Warner für den karibischen Fussballverband unterzeichnet.

Der Preis für die TV-Rechte sei viel zu tief, sagte der australische Unternehmer Jaimie Fuller gegenüber «10vor10» im Interview: «Das sind nur etwa fünf Prozent des Marktwerts.» Fuller, der an der Spitze des Sportbekleidungsunternehmens Skins steht, hatte vor einem Jahr die Fifa-kritische Gruppe «New Fifa Now» gegründet. Laut Fuller ist es das erste Mal, das Blatters Name direkt auf einem belastenden Dokument auftaucht.

Strafrechtliche Konsequenzen

Nach Ansicht von Rechtsprofessorin Monika Roth könnte Blatters Verhalten strafrechtlich relevant sein: Sie denke an den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung, sagte sie in der Sendung. Es stelle sich die Frage, ob die TV-Rechte zu einem Freundschaftspreis oder zu einem kaufmännisch korrekten Preis verkauft worden seien.

Ungetreue Geschäftsbesorgung sei ein Offizialdelikt, führte Roth weiter aus. «Das heisst, die Strafverfolgung muss von Amtes wegen ohnehin eingreifen.» Die Bundesanwaltschaft müsse ermitteln, sagte die Rechtsprofessorin.

Schweigen am Zürichberg

Nach Angaben von «10vor10» nahm die Bundesanwaltschaft keine Stellung. Auch die Fifa wollte keine Stellung zu den Vorwürfen gegen Blatter oder Warner nehmen.

Warner ist in den USA angeklagt wegen mutmasslicher Korruption und Geldwäscherei. Er befindet sich in seiner Heimat Trinidad und Tobago. Die USA haben um seine Auslieferung ersucht. Warner wurde darauf verhaftet, gegen Zahlung einer Kaution aber wieder auf freien Fuss gesetzt.

(sda/ise)

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