Die Commerzbank stimmt ihre leidgeprüften Aktionäre auf ein weiteres schwaches Jahr ein. «Die Rahmenbedingungen für unser Geschäft bleiben bis auf weiteres herausfordernd», sagte Konzernchef Martin Blessing bei der Hauptversammlung in Frankfurt.

Für 2012 bekräftigte das Institut angesichts der anhaltenden Euro-Schuldenkrise seinen vorsichtigen Ausblick: Ein «solides operatives Ergebnis» in der Kernbank mit Privat- und Mittelstandskunden, Osteuropageschäft und Investmentbanking.

«Es bleibt die Hoffnung, dass unser Vorstand noch die Kraft hat, das Ruder herumzuwerfen und das Schiff Commerzbank wieder in ruhigere Gewässer zu bringen», sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). «Die Zahlen des ersten Quartals sind jedoch nicht dazu geeignet, unsere Sorgen und unseren Frust zu beruhigen - eher im Gegenteil.»

Im ersten Quartal war der Gewinn eingebrochen - als Preis dafür, dass die Bank ihr gigantisches Kapitalloch von 5,3 Milliarden Euro vorzeitig stopfte. 2011 hatte es die Commerzbank nur dank Sondereffekten in die Gewinnzone geschafft. Vor allem die weitgehende Abwicklung der Sorgentochter Eurohypo dürfte das Konzernergebnis weiterhin belasten.

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Dividende 2013 angestrebt

Blessing machte den Aktionären dennoch Hoffnung auf bessere Zeiten: Das Management strebe «für das Geschäftsjahr 2013 auch wieder eine Dividende an». Es wäre die erste seit dem Jahr 2007. Die Aktie gehört seit Jahren zu den schlechtesten Werten im Dax. Blessing hatte schon für 2012 eine Ausschüttung in Aussicht gestellt. Dieses Ziel musste Deutschlands zweitgrösste Bank jedoch kassieren, weil sie wegen der Euro-Schuldenkrise Milliardenabschreibungen verkraften musste.

Auch der Steuerzahler darf weiter auf Zinszahlungen für die restlichen Rettungsmilliarden hoffen. «Was die verbliebene Stille Einlage des Bundes betrifft: Es bleibt unser Ziel, sie zu bedienen», versicherte Blessing. Die Stille Einlage des Bankenrettungsfonds Soffin belaufe sich aktuell auf 1,71 Milliarden Euro.

Der Staat hatte Deutschlands zweitgrösste Bank kurz nach der riskanten Übernahme der Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise mit 18,2 Milliarden Euro gestützt. Der Löwenanteil von gut 16 Milliarden Euro floss als Stille Einlage. 14,3 Milliarden Euro davon zahlte die teilverstaatlichte Commerzbank im vergangenen Jahr zurück. Zinsen auf die Rettungsgelder zahlte die Bank bislang nie, leistete aber im vergangenen Jahr eine Sonderzahlung von gut 1 Milliarde Euro.

Mehr Gehalt fürs Managment

Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller verteidigte, dass Blessing und seine Vorstandskollegen nach vier mageren Jahren 2012 wieder deutlich mehr Gehalt kassieren. Es handele sich nicht um eine Gehaltserhöhung, sondern «lediglich um die Einsetzung des regulären Gehalts», betonte Müller. Die Bank müsse eine dauerhaft wettbewerbsfähige Vergütung bieten.

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Die Obergrenze von jährlich 500'000 Euro, die wegen der staatlichen Rettungsmilliarden gezogen werden musste, gilt nicht mehr. Damit erhält Blessing für das Jahr 2012 ein Festgehalt von 1,3 Millionen Euro. Seine acht Vorstandskollegen bekommen fix pro Jahr 750'000 Euro. Dazu können noch leistungsabhängige Boni kommen.

Schon vor Beginn der Hauptversammlung war klar, dass es für Blessing keine einfach Veranstaltung wird: Etliche Aktionäre machen ihn verantwortlich für eine «desaströse Geschäfts- und Kursentwicklung». Der Aktionär Riebeck-Brauerei forderte, Blessing das Vertrauen zu entziehen: Die Bank sei «vor allem ein Dauersubventionsfall für Aktionäre und Staat».

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