USA, Spanien, England – die Verwerfungen an den internationalen Immobilienmärkten waren aus Schweizer Warte weit weg. Jetzt, da der Abschwung auch hierzulande immer deutlichere Formen annimmt, müssen Investoren, Besitzer und Käufer von Liegenschaften nochmals über die Bücher. «Es ist davon auszugehen, dass die Rezession mit regional unterschiedlicher Wirkung auch auf dem Immobiliensektor negative Auswirkungen haben wird», mahnt Bruno Schefer, CEO der auch ausserhalb der Schweiz tätigen Zürcher Immobiliengesellschaft Züblin, im Interview. Und bestätigt damit die Trends, die Spezialisten wie Wüest & Partner ausgemacht haben.

Die Bauinvestitionen, so die Prognose, werden 2009 sinken, das Preiswachstum für Wohneigentum sich abschwächen und die Leerstände in Gewerbeimmobilien zunehmen. Angesichts solcher Erwartungen nahmen die Anleger an der Schweizer Börse mögliche Verluste gleich vorweg: Die Aktienkurse von Schweizer Immobiliengesellschaften sind dieser Tage heftig unter Druck geraten.

Gewinner und Realitätsinn

Panik ist trotz solcher Aussichten nicht angebracht. Denn Überkapazitäten wurden in der Schweiz über Jahre hinweg abgebaut und dürften wegen des rückläufigen Trends zu Neubauten kaum rasch zunehmen. Das verknappte Angebot gibt den Preisen Rückhalt nach unten. Hinzu kommt eine dem Schweizer Immobilienmarkt eigene Trägheit, die zwar Booms verhindert, aber auch Korrekturen dämpft – dazu mehr auf Seite 71. Ausserdem dürften die Immobilienpreise in gefragten Zentrumslagen sogar einer Rezession trotzen. «In Zürich erwarte ich keine grössere Korrektur in den nächsten zwei bis drei Jahren», so Schefer von Züblin.Nicht nur keine Verluste, sondern gar aktiv Gewinne versprechen sich jetzt Profi-Investoren wie die US-amerikanische Black Rock oder die in Baar domizilierte Partners Group: Wer jetzt das nötige Kapital hat, kann an den gebeutelten Immobilienmärkten Renditeobjekte zu Schnäppchenpreisen erstehen. Und diese mit Gewinn verkaufen, wenn der nächste Aufschwung kommt.Vielleicht hilft eine Korrektur auch, zumindest fragwürdige Exzesse am Schweizer Immobilienmarkt abzuschwächen: Hatten sich Milliardäre einen Spass daraus gemacht, Liegenschaften über alle Massen hochzubieten, ist jetzt auch in diesem Markt der Realitätssinn zurückgekehrt. «Es muss nicht immer die Goldküste sein», stellt nun die auf Hochluxusimmobilien spezialisierte Henley Estates fest (Seite 69).

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