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Bloch: Vom Patron zum Teamplayer

Nach 50 Jahren will sich Rolf Bloch ganz aus dem Familienunternehmen Camille Bloch zurückziehen. Sohn Daniel prägt als CEO bereits einen anderen Unternehmensstil.

Von Gret Heer
am 29.09.2004

Zwar wurde die Soap-Opera Lüthi & Blanc von der Firma Camille Bloch inspiriert. Beide Schokoladenfabriken sind im Jura angesiedelt, beides sind Familiengesellschaften und selbst die Namen Bloch und Blanc tönen ähnlich. Doch mehr als diese Ähnlichkeiten sieht Rolf Bloch nicht: «Wir sind Schokolade und nicht seifig», lacht er.

Vor sieben Jahren überliess er seinem Sohn Daniel die operationelle Führung über 150 Mitarbeiter und Sohn Stéphane die Marketingleitung. Er selber dirigiert seither das Unternehmen im abgelegenen Courtelary ausschliesslich als Verwaltungsratspräsident.

Nächstes Jahr will der Patron aus allen Funktionen zurücktreten: «Man muss eines Tages eine Grenze ziehen, wenn man sieht, dass die Grenze immer näher kommt.»

Er meint, dass die Sensibilität abnehme, dass man im Alter nicht mehr auf dem Laufenden sei. Nächstes Jahr wird er 75 Jahre alt. «Ein gutes Alter, um abzutreten.»

Zwei Welten

Die Arbeitszimmer von Vater und Sohn liegen gleich nebeneinander. Doch es ist wohl keine Frage, wem das computerlose Büro mit der dunkelbraunen Täfelung, der gemütlich tickenden Neuenburger Pendule und dem vielen Papier gehört. Und wer im hellen Büro, das mit USM-Möbeln ausgestattet ist, vor dem Computer sitzt.

Nicht nur im Mobiliar unterscheiden sich die beiden Generationen der «Ragusa-Dynastie», auch der Führungsstil ist anders. Rolf Bloch prägt als Patron das Unternehmen, sein Sohn Daniel will als Teamplayer führen. «Ich verstehe mich als Coach, der die Leute zur Lösung führt, aber die Lösung nicht selber vorgibt. Sie müssen die Antwort auf ihre Fragen selber finden. Der Patron dagegen nimmt den Leuten die Probleme ab und löst sie selber.»

In der Tat: Rolf Bloch ist eine Vaterfigur, eine Autorität, aber als autoritär möchte er nicht gelten. «Ich bin liberal», betont er.

Seine Führungsmethode habe sich in der Hochkonjunktur der 60er Jahre entwickelt. Damals war es schwierig, Mitarbeiter ins abgelegene jurassische Dorf zu locken. Auf ein Inserat meldeten sich damals vielleicht zwei Leute, heute sind es hundert. «Ich musste meine Organisation den Leuten anpassen, den einen konnte ich Freiheiten geben, anderen konnte ich nur wenig delegieren.»

Als er jung war, habe er auch geglaubt, den Mitarbeitern mehr zutrauen zu können. Aber damit habe er sie auch überfordert: «Aus einem Ackergaul kann man kein Reitross machen.»

Rolf Blochs Sekretärin Ruth Lussi ist begeistert von ihrem Chef: «Er ist ein Juwel von Mensch. Schon wenn er zur Türe reinkommt, spürt man seine Ausstrahlung.» Selbstständiges Arbeiten kenne sie allerdings nicht bei ihm. Das habe er ihr aber bereits bei ihrer Anstellung gesagt. «Das meiste diktiert er.»

Ganz anders bei Sandra Biedermann, der Assistentin seines Sohnes: «Ich besitze sehr grosse Freiheiten und kann Projekte selbstständig erledigen.» So organisiert sie die 75-Jahr-Jubiläumsfeier. Auf den Führungsstil ihres Chefs angesprochen, meint sie: «Er befiehlt nicht, sondern will die Mitarbeiter für ein Ziel begeistern und überzeugen.»

Geduldiger als der Vater

Daniel Bloch ist geduldiger mit den Mitarbeitenden als sein Vater. Deshalb gehe es «hie und da zu lange, bis eine Idee umgesetzt wird», wie der Vater feststellt. Und das könne sich in der schnelllebigen Konsumgüterindustrie zum Nachteil auswirken.

«Für die Motivation der Leute ist der Weg meines Sohnes besser, für die Lösung kann es allerdings zu lange gehen.»

Daniel Bloch gibt aber zu bedenken: «Die Mitarbeitenden einzubeziehen, führt zu weniger schnellen Entscheidungen, dafür ist aber die Umsetzung konsequent und nachhaltig.»

Gegenseitige Hochachtung

Man spürt zwischen den beiden eine gegenseitige Hochachtung. Der Vater ist stolz auf seinen Sohn: «Er hat eine schnelle Auffassung, ist sehr analytisch und kann kristallklar denken.»

Und der Sohn zeigt grossen Respekt vor dem Vater. Nie würde er ihm ins Wort fallen. «Mein Vater ist glaubwürdig, authentisch, analytisch, engagiert und an allem zwischen Himmel und Erde interessiert.» Trotz ihres unterschiedlichen Managementstils haben Vater und Sohn auch viele Gemeinsamkeiten. Beide studierten Rechtswissenschaft. Und beide möchten mit Argumenten statt mit Befehlen überzeugen. Wenn sie sich nicht einig sind, diskutieren sie, bis sie zu einer Lösung kommen.

Etwa im Fall eines Fabrikladens: Die beiden Söhne wollten einen Factory Outlet eröffnen. Der Vater war dagegen, weil er glaubt, die Besucher würden sich verpflichtet fühlen, dort auch einzukaufen. Nach langen Diskussionen einigte man sich, einen Laden zu installieren, der aber von einem unabhängigen Detaillisten geführt wird.

Daniel Bloch konnte trotz starkem Vater seinen eigenen Führungsstil entwickeln: «Mein Vater weiss, was es heisst, als Sohn ein Unternehmen zu führen, weil auch sein Vater im Unternehmen tätig war. Zudem war er bei meinem Eintritt derart mit dem Holocaust-Fonds beschäftigt, dass ich viele Freiheiten besass.»

Vater und Sohn akzeptieren ihren unterschiedlichen Führungsstil, und der ist wohl auch eine Frage der Generationen. Der Patron der alten Schule stirbt eben aus. Und am Schluss, darin sind sie sich einig, zählt nur das Resultat.

Das Familienunternehmen Chocolats Camille Bloch feiert am 4. Oktober sein 75-Jahr-Jubiläum. Bundespräsident Josepf Deiss wird die Festansprache halten. Er bezeugt damit nicht nur dem Schokoladeunternehmen seine Ehre, sondern vor allem einem Mann, der sich für die Schweiz und die Juden einsetzte.

Zur Person

Rolf Bloch (74) dissertierte über Staatsrecht an der Universität Bern. Nach Aufenthalten in London an der Kakaobörse und in New York in einer Werbeagentur trat er ins Familienunternehmen ein. Seit 1970 ist er Präsident des Verwaltungsrates. 1997 wurde er vom Bundesrat zum Präsidenten des Schweizer Spezialfonds zu Gunsten bedürftiger Opfer von Holocaust/Shoa ernannt. Er wohnt mit seiner Frau in Muri BE, hat zwei Söhne, die im Unternehmen arbeiten, eine Tochter, die mit dem Künstler Patrick Frey verheiratet ist, und neun Enkelkinder.

Daniel Bloch (41) studierte Rechtswissenschaft an der Universität Bern, arbeitete als Leiter Rechtsdienst in der Papierfabrik Utzendorf und in einer kleinen Anwaltskanzlei in New York, absolvierte das MBA in Fontainebleau und übernahm 1997 den Vorsitz der Geschäftsleitung des Familienunternehmens. Seit 2004 sitzt er auch im Verwaltungsrat. Er wohnt mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern in Bern, hält sich mit Jogging, Schwimmen, Tennis, Ski und Velo fit und reist gerne nach New York.

Blochsche Führungsgrundsätze

1. Mit einem Ziel führen, das die Leute erreichen wollen.

2. Mitarbeitende sollen sich entfalten und eigene Ideen einbringen können.

3. Leute begleiten und am Schluss auch kontrollieren.

4. Mitarbeitende so behandeln, dass sie gerne zur Arbeit kommen

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