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Blocher über die BaZ: «Der Tausch mit Tamedia ist nötig»

Blocher
Christoph Blocher: Verkauft die BaZ an Tamedia.Quelle: Salvatore Vinci / 13 Photo

Christoph Blocher über die Rentabilität der Basler Zeitung und weswegen er das Blatt an Tamedia verkauft hat.

Von Barmettler Stefan
am 18.04.2018

Lange wurde gemunkelt, nun ist es fix. Tamedia übernimmt von Christoph Blocher die «Basler Zeitung». Im Gegenzug erhält Blocher die Tamedia-Beteiligung am «Tagblatt der Stadt Zürich» sowie an weiteren Gratiszeitungen. Die Transaktion steht unter dem Vorbehalt, dass die Wettbewerbskommission (Weko) dem Deal zustimmt. Das sagt der SVP-Patron dazu.

Handelszeitung: Sie verkaufen die «Basler Zeitung» (BaZ). Schon genug von Basel?
Christoph Blocher: Wir übernahmen vor sechs Jahren die BaZ, um sie zu sanieren und die Medienvielfalt zu gewährleisten. Beides ist gelungen. Sie ist die führende hoch qualitative Tageszeitung von Basel und sehr gut gemacht. Aber angesichts der Pressekonzentration ist die Zukunft nicht gesichert. Darum ist der Medienabtausch mit Tamedia nötig geworden.  

Sie haben stets für Meinungsvielfalt plädiert. Mit dem BaZ-Verkauf geht sie in Basel verloren. Künftig wird der Zeitungskern aus Zürich angeliefert.
Die Alternative wäre, ein Verkauf an die NZZ/AZ Medien AG gewesen. Dann hätten wir im Raum Aargau/Basel/Innerschweiz und Ostschweiz ein quasi Monopol. Nun werden sich im Raum Basel im Tageszeitungsbereich zwei Verlage gegenüberstehen.  

Eben.
Eine gewisse Konkurrenz wird gegeben sein. Denn Tamedia hat in dieser Region bis heute keine Tageszeitung. Aber die Konzentration führt zu einer gewissen Verarmung der Inhalte. Darum bedauern wir, dass der Verkauf der BaZ zum Erhalt der Tageszeitung unausweichlich geworden ist.  

Sie haben einen Fünftel der Leser verloren. 
Wie allgemein die Tageszeitungen. Darum diese Umwälzung, der Zusammenschluss der Aargauer Zeitungen mit Tageszeitungen der NZZ einerseits und die Mantelzeitungen der Tamedia andererseits. Oberstes Ziel war es, die BaZ überlebensfähig zu machen. Damals wies die Gruppe einen Jahresverlust von 7 Millionen Franken nur für den Zeitungsverlag aus. Dazu kamen hohe Schulden. Heute ist sie in schwarzen Zahlen! 

Und dann erfanden Sie das Konzept «Basler Zeitung nackt»?
Zusammen mit der bezahlten Online-Ausgabe wurde der Abwärtstrend gestoppt und die Zeitung saniert. Sie erzielt heute im Durchschnitt der letzten Jahre einen Ebit von gegen 5 Millionen Franken. Letzte Kostensenkungen waren die Auslagerung der Druckvorstufe an die «Südostschweiz» und ein viel günstigerer Druckauftrag ab 2018. Diese Massnahmen auf der Kostenseite wirken. Aber die Inserateaufträge werden weiter zurückgehen.  
 

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Christoph Blocher
Christoph Blocher: SVP-Tribun, alt Bundesrat, Verleger.
Quelle: Salvatore Vinci / 13 Photo

Den Glauben an Tageszeitungen verloren?
Nein, aber bezahlte regionale Zeitungen, wie die BaZ, sind allein gefährdet. Darum war der Verkauf unausweichlich, damit sie bestehen bleibt. Hingegen sehen wir eine Zukunft bei den Lokalzeitungen. Die Zeitungshaus AG hat darum 24 Lokalanzeiger übernommen und erwirbt nun das Tagblatt der Stadt Zürich, den Furttaler/Rümlanger und die beiden grössten Lokalanzeiger in der Westschweiz, GHI in Genf und Lausanne Cités,  zu je 50 Prozent. Die Zeitungshaus AG konzentriert sich in Zukunft auf Lokalanzeiger. Hier sehe ich auch die Print-Zukunft. Da wollen wir weiterwachsen.  

Sie wollen weitere Gratisanzeiger kaufen?
Wir kriegen viele Angebote auf den Tisch und schauen uns alle genau an. Wenn es Sinn macht, dann ja! 

Ihr SVP-Kollege Walter Frey hat 14 Gratisanzeiger. Etwas für Sie?
Nein. Die Swiss Regiomedia AG, die unter der Zeitungshaus AG die Gratisanzeiger vereint, arbeitet mit den Blättern von Walter Frey im Inseratebereich schon heute zusammen.  

Was ist der Charme Ihrer Gratisanzeiger?
Sie sind lokal verankert und werden gut gelesen. Und man ist nahe am Puls und dem Gewerbe, das ist mir wichtig. Auch das lokale Gewerbe ist als Inserent von der Medienkonzentration stark betroffen, weil die Inserate einen zu grossen Streuverlust haben und darum zu teuer werden. Wenn der Metzger im Dorf inserieren will, will er die Leute seiner Region, seines Dorfes ansprechen. Inserate in grossen Zeitungen sind für ihn für die Katz und zu teuer. 

Viele kleine Kunden bringen gutes Geld?
Wir haben in unseren 24 Zeitungen ca. 15'000 Inseratekunden. Und damit auch kein Klumpenrisiko, und das Gewerbe kommt so zu günstigerem Inserateraum für seine Zielkunden.

Das gesamte Interview mit Christoph Blocher lesen Sie hier.