Der Name Christoph Blocher ist in Basel ein rotes Tuch - insbesondere dann, wenn er im Zusammenhang mit der «Basler Zeitung» fällt. Einmal mehr verdichten sich die Anzeichen, dass der SVP-Vizepräsident finanziell doch im Hintergrund die Fäden spinnt, wenn auch nicht auf direktem Weg. Recherchen des «Tages-Anzeigers» zeigten am Samstag, dass Blochers Tochter Rahel die Verträge unterschrieben haben soll.

In den vergangenen Tagen hatte die Gerüchteküche neue Nahrung erhalten, als Christoph Blocher in verschiedenen Medien eine Beteiligung an der «Basler Zeitung» nur halbherzig dementierte und seinen Einfluss bestätigte. Nebst den Strohmännern Moritz Suter und Marcel Ospel soll er auch seine Tochter Rahel vorgeschoben haben: Sie garantiere gemäss Bericht dafür, dass Ospel sein Darlehen über rund 70 Millionen Franken an die «BaZ» zurückerhalte.

Zusammenschluss am Dienstag?

Bereits gibt es neue Spekulationen: So soll kommenden Dienstag eine neue Verlagsholding verkündet werden, zu der nebst «BaZ» auch die «Weltwoche» und die «Schaffhauser Nachrichten» gehören sollen. Laut Folgerung des «Tages-Anzeigers» wäre dies das Ende der «Basler Zeitung» als regional verankertes Blatt. Gegenüber der «SonntagsZeitung» dementierte «Weltwoche»-Chef Roger Köppel derartige Spekulationen als «absolut an den Haaren herbeigezogen».

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Der «Sonntag» favorisiert die Variante, wonach der bisherige BaZ-Chefredaktor Markus Somm - analog zum Modell der «Weltwoche» - auch Verleger werden könnte. «Dazu kann ich leider nichts sagen», sagte er auf Anfrage. Unter dem Strich ist aber allen Planspielen eines gemein: Die Zeit des bisherigen BaZ-Verleger Moritz Suter scheint definitiv abgelaufen. «Suter hatte sich Blochers Diktat verweigert, Suter muss gehen», folgert der «Sonntag».

Die Vorgänge strahlen bis Bundesbern: «Eine Gruppe in der SP-Fraktion bereitet den Boden vor für ein Gesetz über Geld und Politik», berichtet die «SonntagsZeitung». Kernpunkte seien ein Verbot für Parlamentarier, sich finanziell an relevanten Medien zu beteiligen, sowie die Transparenz bei der Parteien- und Kampagnenförderung und die Regulierung von Lobbytätigkeiten.

Kritik von Verbandsseite

Hanspeter Lebrument, Präsident des Schweizer Verlegerverbandes, verurteilt die Vorgänge in Basel: «Ich finde die ganze Geschichte stossend», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung». «Der Verband greift nicht in die Geschäftstätigkeit von Verlagen ein, aber die BaZ wird bei uns ein Thema.»

Im Zuge der Wirren rund um die Eigentumsverhältnisse der «BaZ» wurde im laufenden Jahr in Basel die «Tageswoche» als alternatives Medienprojekt aus der Taufe gehoben - sie erscheint seit Oktober nebst Online-Auftritt einmal wöchentlich in gedruckter Version.

(vst)