Ist diese Luxusuhr echt oder nicht? Stammen die Diamanten auf dem Schmuckstück aus einer Mine, in der beim Abbau Menschenrechte verletzt werden? Um beim Kauf von Schmuck und Uhren Fragen dieser Art zu klären, bieten nicht nur Zertifikate auf Papier sondern auch die Blockchain-Technologie Hand. Immer mehr Hersteller setzen - wenn auch nur zögerlich - auf Blockchain-Lösungen.

Vor allem in der Schmuckbranche schenken die Produzenten ihrer Lieferkette verstärkt Beachtung. Schliesslich geriet die Industrie in der Vergangenheit mit zahlreichen Skandalen etwa um die Blutdiamanten in die Schlagzeilen. Der Erlös aus dem Verkauf von Blutdiamanten wird zur Finanzierung bewaffneter Gruppen eingesetzt oder die Steine werden mit der Ausbeutung von Arbeitskräften in Zusammenhang gebracht.

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Blockchain als Alternative

Nebst Zertifikaten, welche die Echtheit teurer Edelsteine auf dem Papier belegen und ethische sowie ökologische Fragen beantworten, gibt es neu seit Jahresbeginn mit der «Proof Blockchain Provenance» ein dezentrales digitales Register dafür. Auf dieser Plattform kann man den «Werdegang» eines Farbedelsteins Schritt für Schritt von der Mine bis hin zum Endkunden nachverfolgen.

Entwickelt wurde die «Proof Blockchain Provenance» gemeinsam vom Gübelin Gem Lab und dem Tracking-Spezialisten Everledger. Laut Raphael Gübelin, dem Chef des Luzerner Uhren- und Schmuckhändlers, nutzen heute rund 100 Firmen aus der Edelsteinbranche diese Plattform. Darauf werde jede Transaktion und jeder Besitzerwechsel anonymisiert in der Blockchain vermerkt.

Während die "Proof Blockchain Provenance" für Farbedelsteine aufgebaut wurde, hatte der weltweit grösste Diamantenproduzent und -händler De Beers bereits im letzten Jahr eine ähnliche Blockchain-Lösung für Diamanten lanciert.

Favre-Leuba als Vorreiter

Im Gegensatz zur Edelsteinbranche wird die Blockchain-Technologie in der Uhrenindustrie noch kaum getestet oder genutzt. Jedoch nehmen sich immer mehr Uhrenhersteller dem Thema an. Schliesslich könnte die Blockchain im Kampf gegen Fälschungen oder Diebstahl zu einem wichtigen Verbündeten werden.

Als eine der ersten Uhrenfirmen hatte sich die zur indischen Tata-Gruppe gehörende Favre-Leuba im Jahr 2016 dazu entschlossen, die Echtheit ihrer Uhren über die Blockchain zu belegen. Jede Uhr der Solothurner Marke hat einen eigenen Code, der an das Garantiezertifikat gekoppelt ist. Sobald ein Händler eine Uhr verkaufe, müsse er diese auf dem digitalen Weg aktivieren, sagte Vertriebschef Stephan Berger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.

Mit dem Eintrag wird der neue Eigentümer einer Favre-Leuba-Uhr in einer digitalen Datenbank registriert. Das geschehe über die von Wisekey entwickelte Wiseauthentic-Technologie, erklärte Berger. Bislang sei es der Firma einmal gelungen, eine über die Onlinehandelsplattform eBay angebotene, gestohlene Uhr ausfindig zu machen. Dank der Registrierung könnten gestohlene Uhren auch dann wieder auftauchen, wenn sie den Weg in ein offizielles Servicecenter der Marke finden.

Vacheron Constantin wagt sich vor

Bei der Richemont-Gruppe tüftelt die Marke Vacheron Constantin an Blockchain-Lösungen. Seit diesem Sommer hat das Uhrenhaus einen von Blockchain unterstützten Zertifizierungsprozess eingeführt, mit dem Fälschungen bekämpft und die Echtheit einer Uhr digital garantiert wird. Der Service kommt den Kunden der "Les Collectionneurs"-Kollektion zugute. Sie erhalten beim Kauf einer Uhr ein fälschungssicheres digitales Zertifikat.

«Die ersten Gespräche mit unseren Kunden zeigen, dass sie dieses digitale Zertifikat und die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, mit Begeisterung aufgenommen haben»», sagte der operative Leiter von Vacheron Constantin, Guillaume Boilot, gegenüber AWP.

Die Blockchain biete ein breites Spektrum an Dienstleistungen. «Gegenwärtig konzentrieren wir uns auf die Bereiche Zertifizierung, Transparenz, Produktrückverfolgbarkeit und Wartung.» Künftig sollen weitere Kollektionen der Marke so zertifiziert werden.

Entwickelt wurde die diese Plattform vom Pariser Technologieunternehmen Arianee. Auch unabhängige Uhrenhersteller wie Audemars Piguet oder MB&F bestätigten gegenüber AWP, dass sie ein Interesse an dieser Lösung haben. Demgegenüber kündigte der französische Luxusgüterkonzern LVMH die Gründung eines eigenen Blockchain-Konsortiums mit dem Namen «Aura» an. Auf dieser Plattform haben die Konsumenten in erster Linie die Möglichkeit, die Echtheit von Luxusartikeln nachzuvollziehen.

(awp/tdr)