Der M3 ist ein Auto, bei dem einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Die Bayern machen denn auch aus ihrem Herzen keine Mördergrube: «Als unseren direkten Konkurrenten sehen wir den Porsche 911», verlautet es aggressiv aus München. Die Aussage klingt stark nach Herausforderung. Derart Selbstbewusstes bekommen die stolzen Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen selten zu hören.

Dennoch: Nehmen die BMW-Verantwortlichen den Mund nicht zu voll? Die ehrliche Antwort: Nein, wenn auch Vergleiche immer hinken. Vorerst: Der BMW M3 hat mit der Sportwagen-Ikone von Porsche verschiedene Gemeinsamkeiten. Beide sind Sportgeräte auf höchstem technischem Niveau, beide sind absolut alltagstauglich – dies im Gegensatz zu einigen Exoten mit wohlklingenden Namen –, und beide verdienen auch im Sicherheitsbereich Bestnoten. Selbst im Verbrauch sind sie einigermassen akzeptabel, denn auf Autobahnen mit Geschwindigkeiten bis zu 150 km/h schlucken beide lediglich 8 l für eine Fahrstrecke von 100 km. Im gemischten Verkehr bringt es der BMW auf rund 12 l. Das ist nicht wenig, muss aber im Verhältnis zur Motorleistung gesehen werden.

Trumpfkarte Formel 1 gezogen

BMW produziert seine M-Reihen seit 1985 in relativ kleinen Serien. In zwei Jahrzehnten liefen dennoch 180000 M3 vom Band. Die Fahrzeuge mit dem M auf dem Heck haben den Ruf der Bayern als Spitzentechnologieunternehmen im Automobilsektor in alle Welt getragen. Und noch eine Trumpfkarte spielt BMW mit den M-Reihen aus: Die Erkenntnisse aus der Formel 1. Diese fliessen in unzählige Bauteile der M-Modelle, aber auch in die «gewöhnlichen» Fahrzeuge ein. Deutlich wird das einerseits in der Auslegung des Fahrwerks der 4. Generation des BMW M3, anderseits – ganz ausgeprägt – in der Motorenkonstruktion.
Das «Herz» stammt direkt vom ehemaligen V10 aus der Königsklasse ab. Es wurde für den neuen M3 um zwei Zylinder verkleinert und so modifiziert, dass das Triebwerk sich für den normalen Strasseneinsatz eignet. So entstand ein V8-4,2-l-Motor mit einer Leistung von 420 PS. Dabei verzichtet BMW auf Unterstützung wie einen Turbo oder einen Kompressor. Dafür dreht das Aggregat bis 8500 Umdrehungen pro Minute hoch, ein direktes Erbe aus der Formel 1. Im Bereich der Höchstleistung legen die acht Kolben pro Sekunde einen Weg von gegen 20 m zurück, eine Grössenordnung, die in dieser Preisklasse kein Motor der Konkurrenz erreicht und aushält.
Der Charakter des hochdrehenden Triebwerks vermittelt in allen Drehzahlbereichen, also auch in den unteren, genau das, was man gemeinhin als Fahrspass bezeichnet. Ohne dass man ein schlechtes Gewissen zu haben braucht. Unter normalen Fahrbedingungen – die nach Erfahrungen der Ingenieure und Verkaufsmanager bis zu 95% ausmachen – fällt der Verbrauch akzeptabel aus.
BMWs Motorenkonstruktion bringt die Porsche-Verantwortlichen in Zugzwang. Seit Jahrzehnten setzen die Sportwagenkonstrukteure im 911 auf ihren bewährten Sechszylinder-Boxermotor, der im Heck eingebaut ist. Er leistet in der Saugversion (also ohne Turbo) bis zu 355 PS. Diese Version lässt sich direkt mit dem neuen M3 V8 vergleichen. Des-halb stellt sich für die Marketingexperten nun die Frage, ob ein bis 8500 U/min hochdrehender V8 nicht auch eine willkommene Abwechslung für ihre Klientel wäre, die bereit ist, für einen 911 deutlich mehr als 100000 Fr. auf den Tisch zu blättern.

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Porsche schaut nicht tatenlos zu

Porsche bereitet mit dem Panamera, sozusagen der Weiterentwicklung des 911, ein Modell mit V8-Frontmotor vor. Allerdings dürfte dieses für 2009 geplante Fahrzeug deutlich teurer als der M3 sein und sich eher mit dem M5 vergleichen lassen. Damit wird BMW im Preissegment, das der M3 abdeckt, zumindest in nächster Zukunft ohne Konkurrenz bleiben, selbst wenn Mercedes eine AMG-Version seiner C-Klasse (C63) plant, die wohl ebenfalls von einem V8 angetrieben wird und in der Leistung über der Marke von 420 PS liegen soll. In diesem Zusammenhang muss jedoch, Fahrspass hin oder her, die Anmerkung erlaubt sein, dass etwas Zurückhaltung durchaus angebracht wäre. Auch dies gehört zu einem klugen Marketing. Der C63 dürfte, nach bisherigen Erkenntnissen, ebenfalls einiges mehr als ein M3 kosten. Dessen Preis liegt in der Schweiz bei 104400 Fr.

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BMW M3: Vom ersten Tag an eine Erfolgsgeschichte

1. Generation BMW gründete 1985 die M-Abteilung, die heute unter dem Namen BMW M GmbH firmiert. In die erste M-Version wurde ein Vierzylinder mit einer Leistung von 195 PS eingebaut (Bild), dessen Motorenleistung im Laufe der Jahre auf 238 PS gesteigert wurde. Bis 1991 gelang es, 18000 Fahrzeuge zu verkaufen, weit mehr als die geplanten 5000 Einheiten.

2. Generation Ab 1992 lief diese von Band, diesmal mit einem Reihen-Sechszylinder, der zuletzt auf eine Leistung von 343 PS kam. Von 1992 bis 1999 explodierten die Verkaufszahlen auf 72000 Fahrzeuge.

3. Generation Diese brachte es zwischen 2000 und 2006 sogar auf 90000 Einheiten.

4. Generation Ab dem 8. September steht nun der neue M3, erstmals mit dem V8-Motor, bei den Händlern in der Schweiz. Für die BMW-Manager steht fest, dass die Verkaufszahlen der 4. Generation nicht hinter denen des Vorgängers zurückbleiben werden. Vorerst dient ein 6-Gang-Schaltgetriebe als Kraftübertragung. Nächstes Jahr folgt ein Doppelkupplungsgetriebe, das gegenwärtig seinen Feinschliff für den V8 erhält. Das sequentielle SMG-Getriebe, das in der 3. Generation erhältlich war, wird nicht mehr gebaut.