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Interview
«BMW hat Sauber auf dem Gewissen»

Christian Danner in der Box von Sauber: Toro Rosso als Vorbild? (Bild: ZVG)

Sauber steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Formel-1-Experte Christian Danner erklärt, woran es bei dem Rennstall mangelt, was ein Ausweg sein könnte und um welche Teams man sich noch sorgen muss.

Von Timo Nowack
am 12.07.2013

Handelszeitung.ch: Warum steckt Sauber zurzeit in so argen finanziellen Problemen?
Christian Danner: Ein Formel-1-Team im Mittelfeld braucht ein Budget zwischen 80 und 120 Millionen Euro. Dieses bekommt es über drei Säulen: Die erste sind Einkünfte von der Formula One Management, die für die kommerzielle Verwertung der Fomel 1 zuständig ist. Die zweite Säule ist das Sponsoring. Und die dritte bildet der Geldanteil, den der Besitzer zur Verfügung stellt. Aber Peter Sauber als Besitzer kann seinem Team schlecht etwas zahlen. Woher soll er es nehmen? Dabei hiess die Falle, in die Sauber getappt ist, BMW.

Warum das?
BMW hat das Team übernommen und langfristige Zusagen gemacht. Doch irgendwann entschied sich der Vorstand um – und zog sich zurück. Peter Sauber kaufte das Team, um die Arbeitsplätze und sein Lebenswerk zu retten. Aber das hat meinem Gefühl nach ein ziemliches Loch in die Kasse gerissen. So gesehen hat BMW Sauber auf dem Gewissen.

Gibt es Beispiele, wo so ein Ausstieg besser gelaufen ist?
Ja, Honda hatte ein eigenes Formel-1-Team und hat sich dann zurückgezogen. Der englische Motorsportmanager Ross Brawn übernahm das Team für 1 Pfund – und Honda gab die Garantie, die laufenden Kosten für drei Jahre zu übernehmen. So hatte das Team das ganze Jahr lang keinen einzigen Sponsoren, ist aber trotzdem nicht pleite gegangen. Und Jenson Button wurde so 2009 Weltmeister mit einem Auto namens Brawn Grand Prix und ohne einen einzigen Sponsoren-Aufkleber.

Haben andere mittelgrosse Teams ähnliche Probleme wie Sauber?
Natürlich. Bloss bei Sauber kommt hinzu, dass man in der Schweiz wohl bei den Lohnkosten nicht so brilliant aufgestellt ist.

Um welche anderen Teams muss man sich Sorgen machen?
Caterham, Marussia, Force India. Eigentlich alle, mit Ausnahme von Toro Rosso, das Red Bull gehört. Bei den grösseren Teams hat Ferrari keine Finanzsorgen, vor allem wegen einer dicken ersten Säule. Lotus hat mit Sicherheit Schulden, aber nur beim eigenen Besitzer, der seinem Team Geld leiht. Mercedes steht super da, weil der Eigentümer ordentlich in die dritte Säule reinbuttert. McLaren ist undurchsichtig, aber da habe befürchte ich auch, dass der finanzielle Haussegen etwas schief hängen könnte. Die Formel 1 ist in dieser Hinsicht nicht wahnsinnig gesund aufgestellt.

Ist es überhaupt möglich, einen mittleren Rennstall finanziell erfolgreich zu betreiben?
Ja. Das geht schon. Man sieht es bei Toro Rosso. Aber das kann man nicht mit Sauber vergleichen. Red Bull als Besitzer des Teams ist eine andere Hausnummer als ein Peter Sauber aus Hinwil.

Also braucht ein mittleres Team ein Modell wie Toro Rosso, um langfristig zu überleben – und nicht eines wie Sauber?
Das kann man so sagen. Und ich bin sicher, dass Teile von Saubers Zukunftsplanung in die Richtung gehen. Es braucht einen Teilhaber, der die dritte Säule aufmacht, sonst funktioniert das nicht.

Fahrer Nico Hülkenberg soll laut einem Pressebericht bereits gekündigt haben. Was hört man dazu hinter den Kulissen?
Solche Berichte kann ich nicht beurteilen und ich kenne seinen Vertrag auch nicht. Ich weiss nur, dass Sauber Glück hat, dass mit Hülkenberg ein junger und unfassbar guter Fahrer für sie startet und sportlich den Karren immer wieder aus dem Dreck zieht.
 

Christian Danner ist ehemaliger Rennfahrer, unter anderem in der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft und der amerikanischen Indy-Car-Serie, wo er auch als Teamchef tätig war. Seit 1998 ist er Co-Kommentator und Formel-1-Experte beim Fernsehsender RTL.

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