Der US-Flugzeugbauer Boeing baut laut chinesischen Staatsmedien eine Endmontage in China auf. Der Vertrag sei während des Besuchs von Chinas Staatspräsident Xi Jinping in den USA unterzeichnet worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur «Xinhua» am Mittwoch.

Zugleich hätten die Chinesen bei den Amerikanern auf einen Schlag 300 Jets bestellt. Xi wird an diesem Mittwoch im Boeing-Werk in Everett (US-Bundesstaat Washington) erwartet.

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Boom-Flieger in China bauen

Dem Bericht zufolge will Boeing in China Mittelstreckenjets der Modellreihe 737 zusammenbauen lassen. Dabei handelt es sich um die weltweit am stärksten gefragte Flugzeugklasse. Der europäische Flugzeugbauer Airbus betreibt in der chinesischen Hafenstadt Tianjin schon seit dem Jahr 2008 eine Endmontagelinie für sein Konkurrenzmodell A320. Monatlich verlassen vier neue Flugzeuge das chinesische Airbus-Werk.

Die Flugzeugbauer weiten die Fertigung der Mittelstreckenjets derzeit generell kräftig aus, um der Auftragsflut Herr zu werden. Laut «Xinhua» baut Boeing bei der neuen Fertigung auf eine Zusammenarbeit mit dem chinesischen Flugzeugbauer Comac. Beide Unternehmen hätten eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, hiess es. Details zu dem Werk und den bestellten Flugzeugtypen nannte die Agentur zunächst nicht.

Arbeitsplätze in den USA nicht in Gefahr

Der Chef der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte, Ray Conner, hatte in einem Schreiben an die Mitarbeiter am Dienstag «wichtige» Gespräche mit China bestätigt. Arbeitsplätze bei dem Hersteller im US-Bundesstaat Washington seien durch mögliche Partnerschaften mit den Chinesen nicht in Gefahr, betonte er.

Für Boeing wäre die genannte Endmontagelinie die bisher grösste Expansion ausserhalb der USA. Airbus ist nicht nur in China schon weiter. Erst vor wenigen Tagen eröffnete der Flugzeugbauer aus Toulouse sein erstes Werk in den Vereinigten Staaten. Die in der Endfertigung in Mobile (Alabama) zusammengebauten Jets sind vor allem für die dortigen Fluggesellschaften gedacht. Diese sollen das Gefühl bekommen, einen amerikanischen Flieger zu kaufen. Damit will Airbus Boeing Kunden abjagen.

Ringen um Aufträge

Auch auf dem stark wachsenden chinesischen Luftfahrtmarkt ringen beide Unternehmen um Aufträge. China dürfte laut Boeing zufolge in 20 Jahren der weltgrösste Luftfahrtmarkt sein. Bis zum Jahr 2034 würden dort 6330 neue Flugzeuge im Wert von fast einer Milliarde US-Dollar benötigt, hiess es in der jüngsten Prognose. Eine Fertigung im Land soll für die dortigen Fluglinien ein Argument sein, sich für ein Flugzeug eines der westlichen Hersteller zu entscheiden.

(awp/dbe)