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Boeing möchte Embraer kaufen

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Embraer: Der Flugzeugbauer ist in Brasilien zu Hause.Quelle: Getty/Paulo Fridman

Boeing interessiert sich offenbar für eine Übernahme von Embraer. Ob der Deal zustande kommt, hängt von einer Regierung ab.

Veröffentlicht am 22.12.2017

Der Airbus-Erzrivale Boeing und der brasilianische Regionaljet-Anbieter Embraer verhandeln nach eigenen Angaben über eine Fusion. Über Einzelheiten eines Zusammenschlusses werde noch verhandelt, teilte Embraer am Donnerstag mit. Allerdings müsste das Geschäft von der brasilianischen Regierung genehmigt werden, die sich auch nach der vollständigen Privatisierung 2006 ein Vetorecht gesichert hat. Die Nachricht beflügelte dennoch Aktien des Unternehmens, die um etwa 30 Prozent nach oben gingen. Boeing-Papiere gaben um 0,7 Prozent nach.

Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, würde sich die Flugzeugbaubranche zu einem Duopol entwickeln (Mehr zum Wettstreit von Airbus und Boeing steht hier). Airbus hatte in diesem Herbst 50,01 Prozent am Regionaljet-Programm CSeries des kanadischen Konzerns Bombardier übernommen, das direkt mit den E-Jets von Embraer konkurriert. Bombardier und Embraer hatten sich jahrzehntelang ein Duell im Bereich kleinerer Jets mit 70 bis 100 Sitzen geliefert. Airbus und Boeing kämpfen dagegen um Aufträge für mittelgrosse Jets und Langstreckenmaschinen. Die Übernahme der CSeries durch Airbus könnte dieser Aufteilung ein Ende bereitet haben.

Eine Zusammenarbeit besteht bereits

Branchenkreisen zufolge wurde bei Boeing und Embraer schon länger über eine engere Partnerschaft nachgedacht. Die Unternehmen arbeiten etwa bei Fragen der Flugsicherheit und der Entwicklung neuer Treibstoffe zusammen. Zudem vermarkten sie den Militärtransporter KC-390 von Embraer gemeinsam.

Dem «Wall Street Journal» zufolge wurden die Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen unterbrochen, um auf eine Reaktion der brasilianischen Regierung zu warten. Aus Regierungskreisen in Brasilia verlautete, die Gespräche seien noch in einer frühen Phase. Die Regierung ist demnach für Embraer-Partnerschaften im Bereich der kommerziellen Luftfahrt offen. Ein kompletter Verkauf werde allerdings abgelehnt. Dem «WSJ» zufolge ging es in den Gesprächen mit Boeing um einen Preis, der deutlich über dem Embraer-Börsenwert von 3,7 Milliarden Dollar liegt.

Ein Kassenschlager im Sortiment

Zum Kassenschlager von Embraer hat sich der E-Jet entwickelt, der etwa in Nordamerika weit verbreitet ist und auf Routen eingesetzt wird, auf denen Maschinen von Boeing oder Airbus zu gross wären. Die Lufthansa hat insgesamt 26 Embraer E190 und E195 in ihrer Flotte, während die neue CSeries von Bombardier bei der Tochter Swiss zum Einsatz kommt.

(reuters/mbü/gku)

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