Welche Rezepte gibt es, um das Ausmass und die Dauer der Wirtschaftskrise zu begrenzen? Sie sind durchaus bekannt. Erforderlich ist ein entschlossener geldpolitischer Kurs mit Nominalzinsen, die in den USA und Europa in der Nähe von 9% liegen. Ausserdem wird die Finanzpolitik in die Bresche springen müssen. Es müssen Steuererleichterungen für die Mittelschicht, Subventionen sowie Infrastrukturprogramme für Modernisierungs- oder Neubaumassnahmen beschlossen werden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Die Staatsdefizite werden darunter leiden und im nächsten Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks sicherlich bei über 3% des BIP liegen. Aber die Deflationsgefahr ist viel zu ernst.

Risikoaversion

Wie stehen in diesem Kontext die Schwellenländer und insbesondere China da? Der Finanzsturm hat sie ebenfalls erfasst, wenn auch indirekt. Die Kreditschaffung in einer langen Periode einer hervorragenden Liquiditätsversorgung führte bei einigen Banken und Unternehmen, die nicht strikt genug waren, zu einigen wenigen Exzessen. Insgesamt jedoch gehen die wichtigsten Schwellenländer aus dieser Krise mit absolut funktionierenden Bankensystemen hervor und sind kaum von externen Finanzierungen abhängig.

Viel stärker wurden die Schwellenländer von der Risikoaversion und den Notverkäufen betroffen, die zu hohen Kapitalabflüssen führten. Es war der richtige Schritt, dass die US-Notenbank Fed, die EZB und der IWF den betroffenen Schwellenländern ihre Unterstützung anboten. Diese Länder profitieren noch von einem starken Wachstum, das in vielen Fällen weitgehend durch die Binnenwirtschaft getrieben wird. Sie werden zweifellos einen Beitrag zum Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2009 leisten. Ihr Beitrag wird vielleicht sogar sehr gross sein, falls nämlich – wovon wir ausgehen – die Wirtschaft der Indus-trieländer insgesamt schrumpfen sollte.

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Weltweit herrscht Sorge darüber, dass die Rezession im Westen auf die Schwellenländer übergreifen und insbesondere das chinesische Wachstum im Jahr 2009 beeinträchtigen könnte. Tatsächlich lässt sich die Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern nicht abstreiten. Das BIP Chinas stieg zwar im 3. Quartal um 9% und in den ersten neun Monaten 2008 um 9,9% an, aber damit lag es deutlich unter den 11,9% des Vorjahres.

Abschwächung erwünscht

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass diese Abschwächung zu einem grossen Teil von der chinesischen Regierung erwünscht war und von ihr angestossen wurde, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu vermeiden. Zur Verteidigung der chinesischen Regierung scheint es uns an dieser Stelle legitim, auf die spektakulärste makroökonomische Neuausrichtung zu verweisen, die wir in den vergangenen 20 Jahren miterleben durften. Drei Zinssenkungen in weniger als zwei Monaten, die Lockerung bei der Kreditvergabe, die Senkung der Steuern auf Immobiliengeschäfte und des privaten Steuersatzes sowie die Herabsetzung zahlreicher Exportsteuern sind nur einige der zahlreichen Massnahmen, die ergriffen wurden, um die Konjunktur zu stützen. Diese Massnahmen werden umso effektiver sein, als die Sparquote der chinesischen Haushalte hoch ist, ihre Verschuldung auf einem niedrigen Niveau verharrt und die Reallöhne weiterhin wachsen.

Nach unserer Auffassung beziehen die Schwellenmärkte nun zu pessimistische Annahmen in ihre Wachstumserwartungen für das nächste Jahr ein. Soweit sich ihr Wachstum auf hinreichendem Niveau stabilisiert – was uns aus den genannten Gründen sehr wahrscheinlich erscheint – und sofern die anfälligsten Länder vom IWF gestützt werden, ohne unerfüllbare oder erniedrigende Bedingungen wie bei der Asienkrise 1997 akzeptieren zu müssen, werden die Börsenmärkte dieser Länder das beste Aufwertungspotenzial in unseren Portfolios bieten.