Die SIX Exchange Regulation eröffnet eine Untersuchung gegen Lifewatch wegen möglicher Verletzungen der Vorschriften zur Ad-hoc-Publizität. Die Untersuchung steht im Zusammenhang mit mehreren zu Beginn 2014 veröffentlichten Medienmitteilungen, wie die Tochter der SIX Swiss Exchange am Freitag meldet.

Die Untersuchung bezieht sich demnach auf die Mitteilung zu einer strategischen Partnerschaft vom 22. Januar 2014 sowie der Bekanntgabe der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2013 mittels Ad hoc-Mitteilungen vom 27. Februar und vom 30. April. Über die Dauer des Verfahrens könnten keine Angaben gemacht werden, heisst es weiter.

Deal mit China-Televom

Bei der erwähnten strategischen Partnerschaft handelt es sich um einen vom Lifewatch-Management im Januar vermeldeten Deal mit China Telecom. Das Unternehmen berichtete über eine strategische Partnerschaft zum Vertrieb von Healthcare-Smartphones und dazugehörigen Dienstleistungen. Das Umsatzpotenzial in China belaufe sich über die nächsten fünf Jahre auf 400 Mio USD, hiess es seinerzeit.

Damit wäre dem Telemedizin-Konzern ein grosser Wurf gelungen, der Jahresumsatz von Lifewatch lag zum Vergleich in 2013 bei knapp 91 Mio USD. Und vor allem schien die Sache in trockenen Tüchern zu sein: Man habe mit den Chinesen ein verbindliches Memorandum of Understanding unterzeichnet und Mindestumsatzvolumen über die nächsten fünf Jahre vereinbart. Den Angaben zufolge mussten nur noch die Detailbestimmungen ausgehandelt werden. Entsprechend haussierten die Lifewatch-Papiere an dem Tag.

Drei Monate später wieder aufgelöst

Doch es kam alles ganz anders: Die im Januar angekündigte Partnerschaft wurde genau drei Monate später wieder aufgelöst. China Telecom hatte sich daran gestossen, dass die Publikation des Memorandum of Understanding ohne deren Einverständnis und im Widerspruch zur Absichtserklärung erfolgt ist.

Der Verdacht liegt nahe, dass das damalige Lifewatch-Management unter allen Umständen mit einer positiven Meldung an die Öffentlichkeit gelangen wollte und sich daher sogar über die Abmachungen mit China Telecom hinwegsetzt hat. Denn die Ankündigung fiel just in die heisseste Phase des Kampfs um die Macht bei Lifewatch. Nur neun Tage später fiel an einer Generalversammlung die Entscheidung: Die «aufmüpfigen» Aktionäre Stefan Rietiker und Antoine Hubert setzten sich durch, Konzernchef Yacov Geva musste gehen.

Revision der Jahreszahlen

Die SIX-Kommission stösst sich ebenfalls daran, wie das neue Lifewatch-Management die Jahreszahlen publiziert hat. Diese wurden am 27. Februar vorgelegt, mussten aber am 30. April revidiert werden. Statt eines positiven EBIT von 0,9 Mio USD ergab sich ein Fehlbetrag von 2,1 Mio. Der Reingewinn wurde um 3,1 Mio auf 2,9 Mio USD nach unten angepasst. Die Korrekturen wurden wird mit einem nachträglich festgestelltem Rückstellungsbedarf für Prozesskosten und Zahlungsausfälle sowie mit ausserordentlichen Kosten begründet.

Die Aktien von Lifewatch notieren am Freitag 1,7% fester bei 8,80 CHF und weist damit eine Jahresperformance von knapp 16% auf.

(awp/ise)

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