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Bombardier soll Börsengang der Zug-Sparte prüfen

Zug-Produktion bei Bombardier: Der Konzern will offenbar seine Zug-Sparte weghaben. Keystone

Der kanadische Industriekonzern Bombardier will laut Insidern seine Zug-Sparte verkaufen oder an die Börse bringen. Mit dem Erlös soll die schwächelnde Flugzeugsparte auf Vordermann gebracht werden.

Veröffentlicht am 10.04.2015

Die Eisenbahn-Sparte des kanadischen Industriekonzerns Bombardier könnte Insidern zufolge bald verkauft oder an die Börse gebracht werden. Der Konzern prüfe mit Hilfe von Investmentbankern verschiedene Optionen, das Bahn-Geschäft zu Geld zu machen, sagten sechs mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mit dem auf bis zu fünf Milliarden Dollar veranschlagten Erlös wolle Bombardier seine in schweres Fahrwasser geratene Flugzeug-Sparte wieder auf Vordermann bringen.

Möglich seien ein Komplett- oder Teilverkauf der Zug-Sparte, die nicht nur ganze Züge, sondern auch Signal- und Überwachungs-Technik anbietet, ein Börsengang oder eine Fusion mit einem Rivalen wie Siemens oder der französischen Alstom, sagten drei der Insider. Für einen Börsengang im zweiten Halbjahr seien mit Blick auf den grossen europäischen Eisenbahn-Markt Frankfurt und London als Börsenplätze im Gespräch. Bombardier ist ein wichtiger Lieferant der Deutschen Bahn, die Zug-Sparte sitzt nach der Übernahme der deutschen Adtranz in Berlin. Produziert wird unter anderem in Hennigsdorf bei Berlin, Kassel, Bautzen und Görlitz.

9 Milliarden Schulden

Bombardier ist der weltgrösste Hersteller von Flugzeugen und Zügen. Die Fusion der chinesischen Zughersteller CNR und CSR im vergangenen Jahr hat die Branche aber in Aufruhr versetzt und Druck auf die Konkurrenz ausgeübt. Eine Bombardier-Sprecherin betonte, ihr Konzern wolle an der weiteren Konsolidierung der Branche teilnehmen. Dabei gebe es viele Möglichkeiten, um Wert für die Aktionäre zu schaffen. Zu den konkreten Plänen wollte sie sich nicht äussern. Einen Panikverkauf werde es jedoch nicht geben. «Wir haben keine Eile, etwas zu tun.»

«Bombardier muss ziemlich bald etwas tun. Denn sie brauchen mehr Geld für die Flugzeugsparte», sagte einer der Insider. Bombardier hat Probleme mit der neuen «CSeries»-Flugzeugreihe, bei der die Kosten aus dem Ruder laufen und deren Entwicklung sich verzögert. Der Konzern hatte im Februar den Vorstandschef ausgetauscht, die Zahlung von Dividenden gestoppt und 600 Millionen Dollar frisches Kapital eingesammelt. Bombardier ist mit rund neun Milliarden Dollar verschuldet.

Bombardier will warten

Die Insider sagten, die Überlegungen seien noch in einem frühen Stadium. Ob es zu einer Transaktion komme, sei unsicher. Bombardier wolle warten, bis mögliche Käufer wie Alstom oder die japanische Hitachi ihre jüngsten Übernahmen verdaut hätten. Hitachi hatte im Februar für bis zu 1,9 Milliarden Euro das Bahn-Geschäft der italienischen Finmeccanica gekauft.

(reuters/dbe/ama)

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