Vor der Finanzkrise hielten viele Anleger Anleihen, verglichen mit Aktien, Zertifikaten oder Rohstoffen, für eine relativ sichere Anlage. Seither hat sich die Einstellung drastisch gewandelt: Heute sind sich Investoren des damit verbundenen Risikos bewusster und haben folglich höhere Ansprüche an das Risikomanagement und die Transparenz des Investmentprozesses.

Jeder, der in den Firmen-Anleihenmarkt investiert, sollte das damit verbundene Sektorenengagement verstehen. Ein Beispiel: Bei den meisten Indizes für Investment-Grade-Unternemensanleihen entfallen bis zu 50% auf den Finanzsektor. In den letzten Jahren hiess das, dass stark an der Benchmark orientierte Anleger ihr Engagement ausgerechnet in jenem Sektor erhöht haben, von dem die Finanzkrise ausgegangen ist.

Die Sektorrisiken verstehen

Investoren sollten genau wissen, wo ihre Anlage in der Kapitalstruktur angesiedelt ist, da es hier grosse Risikounterschiede geben kann. Im Bankensektor beispielsweise haben sich insbesondere vorrangig gesicherte und ungesicherte Schuldtitel überwiegend im Gleichschritt mit anderen Firmensektoren entwickelt. Dagegen waren weiter unten in der Kapitalstruktur angesiedelte Anleihen aussergewöhnlich volatil. So fielen auf dem Höhepunkt der Kreditkrise Tier-1-Anleihen gemessen an ihrem Nennwert um bis zu 50%.Die Risikoanalyse sollte als integrierter Bestandteil des Investmentprozesses eingesetzt werden und nicht einfach nur als Prüfung zu Bestätigungszwecken gelten. Denn Marktvolatilität und Asset Korrelation können die subjektive und objektive Risiko-Ertragsdynamik verändern. Die Analyse sollte gezielt so ausgelegt sein, dass sie die individuellen Risiken sowie die Gesamtrisiken des jeweiligen Portfolios umfasst. Zudem sollte sie einzelne Entscheidungen des Portfoliomanagers berücksichtigen, die dieser zu Renditezwecken treffen kann. Neben VaR (Value at Risk) oder Tracking Error sind auch Szenarioanalysen gefragt: So können Anleger anhand des VaR zwar den Maximalverlust des Portfolios innerhalb eines definierten Wahrscheinlichkeitsparameters berechnen, nicht aber die potenziellen absoluten Verluste.

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Die Szenarioanalysen werden der Tatsache gerecht, dass nicht nur die aktuelle Volatilität berücksichtigt werden muss - die auch anhand des Tracking Error und des VaR verfolgt werden kann -, sondern auch aussergewöhnliche Ereignisse wie im Zuge des Zusammenbruchs von Lehman Brothers, die aus herkömmlichen Analysen häufig völlig herausfallen, aber öfter auftreten, als von statistischen Analysen her zu erwarten wäre. Kurzum: Jeder Asset Manager sollte bestrebt sein, Anlegern klare und regelmässige Informationen zu liefern, die Einblick in die Asset-Allokationen und somit in das Risiko-Rendite-Profil eines Anleihenfonds geben. Zudem sollten Anleger ein stärkeres Bewusstsein für den «Risikofaktor» ihrer Anleihenfonds entwickeln - und zwar nicht nur jetzt nach der Finanzkrise.