Die Finanzmarktaufsicht (Finma) soll gemäss der Finanzkommission des Ständerats Weisungen für Vergütungen herausgeben. Die «Handelszeitung» kennt erste Eckwerte des Rundschreibens, das Minimalstandards für die Entlöhnungssysteme aller Schweizer Banken und Versicherungen festlegt.

«Das Rundschreiben soll im 1. Semester in die Anhörung geschickt und noch 2009 in Kraft gesetzt werden», sagt Finma-Sprecher Tobias Lux. Damit will die Behörde unter anderem erreichen, dass die Anreizsysteme die Mitarbeiter nicht dazu verleiten, unangemessene Risiken für das Unternehmen einzugehen. «Das Entlöhnungssystem muss in jedem Fall langfristig ausgerichtet sein, dabei könnte auch ein Bonus-Malus- System eine wichtige Rolle spielen», so Lux.

Einfliessen würden verschiedene international erarbeitete Grundsätze, zum Beispiel jene des Financial Stability Forums. In anderen Ländern hätten die Regulatoren noch keine solchen Regeln gesetzt. Die Finma wird prüfen, ob die Regeln eingehalten werden.

Das neue Vergütungsmodell der UBS mit Bonus-Malus-System-Komponenten steht bereits fest. Die Konzernleitung sowie Kaderleute auf den nächsten ein, zwei Stufen sowie Spezialisten mit besonderen Risikopositionen (total werden es maximal 2000 Angestellte sein) erhalten weiterhin zusätzlich zum Fixsalär eine variable Vergütung in bar und in Aktien.

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Doch die Manager erhalten neu maximal nur ein Drittel der variablen Barvergütung sofort ausbezahlt. Die restlichen zwei Drittel werden zurückbehalten. Sollte im Folgejahr das Resultat schlecht sein oder sollten andere negative Ereignisse eintreten, würde dem Sperrkonto ein Malus belastet. Umgekehrt würde bei guten Ergebnissen das Konto mit einem weiteren Bonus aufgestockt. Verlässt der Manager die UBS, bleibt dessen Sperrkonto noch drei Jahre lang den Geschäftsrisiken ausgesetzt.

Auch die Aktien werden erst nach drei Jahren und nur in dem Umfange, wie die Bank absolut und relativ abschneidet, überwiesen.

Die Credit Suisse ihrerseits nimmt über ihr Bonussystem rund 1500 bis 2000 Führungskräfte auf Stufe Managing Director und Director im Investment Banking in die Verantwortung. Sie will toxische Papiere im Wert von 5 Mrd Dollar in ein Spezialvehikel namens Partner Asset Facility (PAF) auslagern, sodass das Risiko per Bonuszahlung auf die Manager verlagert wird. Der Nicht-Cash-Anteil der variablen Vergütung wird nur zu etwa 20% in Aktien ausgerichtet, und der Grossteil in diesen Schrottpapieren.

 

 

NACHGEFRAGT
«Arbeitsverträge muss man einhalten»

Stephan Hostettler ist Experte für leistungsabhängige Vergütungen und Lehrbeauftragter für Corporate Governance an der Universität St. Gallen. Er arbeitete am neuen Salärsystem der UBS mit.

Warum setzt der Staat nicht Lohnobergrenzen? Das würde die Gemüter beruhigen.

Stephan Hostettler Ja, kurzfristig vielleicht. Aber Geld ist nun einmal kein objektiver Wertmassstab. Für die meisten ist 1 Millionen viel, für andere sind 5 Millionen wenig. Es gibt Geschäftsmodelle, bei denen einzelne Personen sehr viel Geld verdienen können. Der Unternehmenserfolg muss aber langfristig messbar sein.

Wird der Einfluss der Aktionäre auf die Löhne wachsen?

Hostettler: Ja. Die Frage ist, wie sich dieser Einfluss bemerkbar macht. Die Generalversammlung ist nur bedingt die richtige Plattform. Sie sollte primär über die Prinzipien der Entlöhnungssysteme befinden können. Zusätzlich könnte ein Aktionärsausschuss gebildet werden, in dem Delegierte im Auftrag der Aktionäre Entlöhnungssysteme im Detail prüfen.

Top-Kader im Finanzsektor wechseln rasch die Stelle, heisst es. Stimmt das in der Krise noch?

Hostettler: Für die Besten stimmt es - und die will man behalten.

Die Löhne im Bankensektor sind hoch, weil auch die Wertschöpfung hoch ist. Bleibt das so, oder sinkt die Wertschöpfung auf das Niveau in anderen Branchen?

Hostettler: Eine Margenerosion ist möglich. Komplexe - und hochmargige - Produkte sind unter Druck geraten. Ich glaube aber nicht, dass es zu einer langfristigen Reduktion des Wertschöpfungsniveaus kommt.

Hätte man das neue, strengere Bonussystem der UBS nicht rückwirkend für das Geschäftsjahr 2008 einführen können?

Hostettler: Ich kann nicht für die UBS sprechen. Nur so viel: Arbeitsverträge muss man einhalten. Sonst verliert man das Vertrauen der Arbeitnehmer.